Eulbacher Park

Der Eulbacher Park, auch bekannt als Englischer Garten zu Eulbach, ist ein Englischer Landschaftspark im östlichen Stadtgebiet von Michelstadt im Odenwaldkreis. Der Park liegt unmittelbar nördlich der Bundesstraße 47 in einem Waldstück zwischen den Stadtteilen Vielbrunn und Würzberg, zu dessen Gemarkung der Weiler Eulbach gehört, in rund 510 Meter Höhe. Die Anlage gilt als ältester archäologischer Park Deutschlands.

Anlage

Der Eulbacher Park besteht in der Hauptsache aus einem rund 400 Hektar großen englischen Landschaftsgarten. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße 47 liegt das Jagdschloss Eulbach der Grafen zu Erbach-Erbach.

Im Norden und Osten des Parks befinden sich Wildgehege, die Wisente und heimisches Wild beherbergen. Sie sind der Rest des ursprünglich bis zu 3000 Hektar großen, weite Teile der heutigen Gemarkungen Weiten-Gesäß, Würzberg und Ernsbach umfassenden gräflichen Wildparks, der in den Jahren 1848 und 1912 erheblich verkleinert worden ist und der zuvor Eulbach und Würzberg nur über von Torhütern bediente Gattertore im Parkzaun mit Fuhrwerken zugänglich machte.

Geschichte

An der Stelle der Wüstung Eulbach, eines Dorfes, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, ließen die Grafen von Erbach-Erbach 1770/71 ein Jagdhaus errichten. Unter Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754–1823) wurde ab 1802 das Jagdhaus zu einem repräsentativen Jagdschloss erweitert. Gleichzeitig wurde nach Plänen des Gartengestalters Friedrich Ludwig Sckell nördlich an das Schloss anschließend jenseits der damals noch wenig frequentierten Verbindungsstraße von Erbach nach Amorbach der englische Landschaftsgarten errichtet, sodass Schloss und Park ursprünglich eine landschaftsarchitektonische Einheit bildeten, wie die Blickachsen belegen.

Römische „Altertümer“

In ihm befinden sich zur künstlichen Landschaftsgestaltung Rekonstruktionen und Spolien, die von dem gut 150 Meter östlich entfernt liegenden römischen Limes-Kastell Eulbach, dem Kastell Würzberg und anderen archäologischen Fundstellen am Odenwaldlimes stammen. Der altertumsbegeisterte Graf ließ diese römischen Objekte bei seinen Untersuchungen römischer Fundstellen ausgraben und in den Park integrieren. Er rekonstruierte Mauerstücke, Kastelltore, Inschriftensteine, Säulen und andere Artefakte. Mehrheitlich wurden dazu Funde aus dem unmittelbar benachbarten Kastell Eulbach in den Park verbracht, aber auch Objekte von anderen Fundstellen aus dem Odenwald. So wurde ein Obelisk aus Steinen des nicht weit entfernt gelegenen Kastells Würzberg errichtet.

Die Rekonstruktionen entsprechen in keiner Weise mehr dem heutigen archäologischen Kenntnisstand. Sie spiegeln den kulturhistorischen Wissensstand des 19. Jahrhunderts mit der Vorstellung und Altertumsbegeisterung der Romantik wieder und legen davon ein historisches Zeugnis ab. Der Eulbacher Park ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Inselkapelle

Im Zuge der Erweiterung des Landschaftsgartens ließ Franz I. Graf zu Erbach-Erbach 1818 auf einer im künstlich angelegten Teich ausgesparten Insel eine Kapelle errichten. Der sechseckige Zentralbau wurde in neugotischen Formen ausgeführt, verfügt über ein Fachwerkgerüst mit Ziegelgefachen und einem hölzernen Innengewölbe und erhielt eine Außenverkleidung aus naturbelassener Eichenrinde. Der Aushub des Weihers wurde zu einem Hügel aufgeschüttet, der später mit einer künstlichen Ruine (Eberhardsburg) versehen wurde. Nach einer Beschreibung aus den 1830er Jahren stand auf dem Altar ein Spiegel, der bei geöffneter Tür den Blick auf die Ruine und Teile des Parks reflektierte. Ab 1858 wurde die Kapelle auch für Gottesdienste genutzt. Da sie vollständig von Wasser umgeben ist, ist sie nur per Boot erreichbar.

Franz I. sammelte unter anderem historische Glasmalereien in einer Zeit, in der helle Innenräume geschätzt und Buntglas entfernt wurde. Als die Stadt Wimpfen die um 1310 entstandenen Fenster der dortigen Dominikanerkirche abgeben wollte, finanzierte er die neue Verglasung und erhielt im Gegenzug die mittelalterlichen Scheiben. Fragmente dieser Glasarbeiten – darunter blattwerkverzierte Elemente – wurden ebenso wie Wappenscheiben der Renaissance und weitere Stücke aus dem 14. bis 17. Jahrhundert in die spitzbogigen Fenster der Inselkapelle integriert.

Zwischen Sommer 2023 und Mai 2025 wurde das Bauwerk umfassend restauriert. Dabei erhielten die historischen Glasmalereien erstmals eine äußere Schutzverglasung. Zudem wurden die Sandsteinplatten des Bodens gereinigt und neu verlegt, die hölzernen Dachschindeln und Regenrinnen erneuert sowie Teile der Rinden- und Innenholzverkleidung ausgebessert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellte für die Maßnahme 85.000 Euro bereit; die Restaurierung wurde außerdem durch Fördermittel von Bund und Land unterstützt.

Eberhardsburg

1820 wurde auf einem Hügel, der 1818 aus dem Aushub des großen Weihers entstanden war, die Eberhardsburg als eine künstliche Ruine errichtet. Dabei wurde eine Reihe von mittelalterlichen Spolien verbaut, die unter anderem von der Wildenburg, von Schloss Reichenberg und der ehemaligen Leonhardskapelle stammen.

Bilder

Literatur

  • Dietwulf Baatz: Michelstadt-Eulbach. In: Die Römer in Hessen. Nikol, Hamburg 2002, S. 432 ff. ISBN 3-933203-58-9
  • Holger Göldner: Der Englische Garten „Eulbacher Park“. Römische Relikte vom Odenwaldlimes in einem Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts bei Michelstadt im Odenwaldkreis. In: Archäologische Denkmäler in Hessen. Heft 152, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2001, ISBN 3-89822-152-0
  • Jörg Lindenthal: Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel 2004, S. 153f., ISBN 3-934377-73-4
  • Anita Rieche: Die römischen Ruinen im Englischen Garten Eulbach. In: Die Gartenkunst 20 (2/2008), S. 315–334.
  • Anita Rieche: Roma fuit. Bauten im Landschaftsgarten Eulbach. In: Bonner Jahrbücher, Band 204, 2004, erschienen Zabern, Mainz 2006, ISBN 978-3-8053-3687-1, S. 233–258 https://doi.org/10.11588/bjb.2004.0.46368.
  • Egon Schallmayer: Der Odenwaldlimes. Vom Main bis an den Neckar. Theiss, Stuttgart 1984, S. 79 ff. ISBN 3-8062-0328-8
  • Walter Weidmann: Eulbach. Ein Heimatbuch. Stadt Michelstadt, Michelstadt 2002, ISBN 3-924583-39-0
  • Stefan Lehmann: Der Landschaftsgarten Eulbach und seine archäologische Denkmallandschaft. Rekonstruiertes Altertum, römische Denkmalkulisse oder vaterländische Staffage? In: Katharina Bechler, Anja Kalinowski, Matthias Müller, Kirsten Worms (Hrsg.); unter Mitarbeit von Thomas Aufleger; englische Übersetzung: Christopher Reid: Kosmos Schloss Erbach. Sammeln als fürstliche Passion. Nünnerich-Asmus Verlag, Oppenheim 2025, ISBN 978-3-96176-304-7, S. 157–171.
  • Winfried Dolderer: Inselidyll mit Zukunft. In: Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Nr. 5, Oktober 2025. ISSN 0941-7125, S. 34–35.
Commons: Schloss und Park Eulbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 40′ 48″ N, 9° 4′ 33″ O