Eugenia Bonetti

Eugenia Bonetti (* 25. Januar 1939 in Bubbiano) ist eine italienische Ordensfrau aus der Kongregation der Missionarinnen der Consolata und Menschenrechtlerin, die sich gegen den Handel mit Frauen und Minderjährigen einsetzt.[1][2] Sie wurde vor allem durch ihre Arbeit mit in Italien zur Prostitution gezwungenen Migrantinnen und durch den Aufbau kirchlicher Netzwerke gegen Menschenhandel bekannt.[1][2] Für dieses Engagement erhielt sie den vom US-Außenministerium vergebenen International Women of Courage Award und den Europäischen Bürgerpreis des Europäischen Parlaments.[3]

Leben

Bonetti wuchs in der Lombardei auf und trat 1959 den Missionarinnen der Consolata bei.[1] 1967 wurde sie nach Kenia entsandt, wo sie 24 Jahre lang in mehreren Diözesen in der Bildungsarbeit und in der Ausbildung von Katechisten und Lehrkräften mit besonderem Augenmerk auf junge Menschen und Frauen tätig war.[1][2] 1991 kehrte sie nach Italien zurück und arbeitete im Caritas-Zentrum für Zuhören und Aufnahme in Turin mit Migrantinnen, von denen viele, insbesondere aus Nigeria, Opfer von Menschenhandel waren; 1997 absolvierte sie am Missionary Institute of London einen postgradualen Kurs zu Mission, Justice and Peace und verfasste eine Studie über mehrere tausend zur Prostitution gezwungene Frauen, bevor sie ab Januar 2000 in Rom das USMI-Büro „Tratta donne e minori“ leitete und dort den Dienst von rund 250 Ordensfrauen in über hundert Aufnahmehäusern koordinierte.[1][2]

Wirken

Eine Schlüsselerfahrung war für Bonetti am 2. November 1993 die Begegnung mit einer jungen Frau namens Maria, die im Turiner Caritas-Zentrum Schutz suchte und sie dazu brachte, ihren Dienst ganz auf Frauen auszurichten, die durch Menschenhändler in die Straßenprostitution gezwungen wurden.[4] Aus der konkreten Begleitung dieser Frauen entwickelte sie ein Netzwerk von Ordensfrauen, kirchlichen Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen, das Opfer identifiziert, juristisch und sozial unterstützt und ihre freiwillige Rückkehr in die Herkunftsländer etwa über Partnerprojekte in Nigeria ermöglicht; nach Angaben kirchlicher Stellen wurden durch diese Arbeit mehrere Tausend Frauen von den Straßen geholt und in längerfristige Bildungs- und Arbeitsprojekte vermittelt.[1][2][4] Im Jahr 2012 wurde in Rom die Anti-Menschenhandels-Organisation Slaves No More Onlus (Mai più schiave) gegründet, deren Präsidentin Bonetti ist und die sich auf Prävention, Bewusstseinsbildung sowie Unterstützung und Reintegration betroffener Frauen konzentriert.[1][2] Bonetti tritt regelmäßig bei internationalen Konferenzen und kirchlichen Veranstaltungen auf, prangert die „Kultur der Gleichgültigkeit“ gegenüber moderner Sklaverei an und ruft besonders Pfarreien und Gläubige zu entschiedenem Handeln auf; 2019 bat Papst Franziskus sie, die Meditationstexte für die Karfreitags-Kreuzwegandacht im Kolosseum zu verfassen, in denen sie das Leiden der von Menschenhandel betroffenen Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt stellte.[4][3][5]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Compie 80 anni suor Eugenia Bonetti, fondatrice di Slave no more. In: missioitalia.it. Abgerufen am 21. November 2025 (italienisch).
  2. a b c d e f Eugenia Bonetti. In: esteri.it. Abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
  3. a b Human trafficking and Sister Eugenia Bonetti. In: cathnews.co.nz. Abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
  4. a b c Giornata contro la tratta: l’impegno di suor Eugenia Bonetti. Il tweet del Papa. In: vaticannews.va. Abgerufen am 21. November 2025 (italienisch).
  5. Pope’s Way of Cross will shine light on women ‘crucified’ by traffickers. In: catholicsun.org. Abgerufen am 21. November 2025 (englisch).