Eugen Thoma

Eugen Thoma (* 11. September 1877 in Lienheim; † 6. September 1955 in Karlsruhe[1]) war ein deutscher Mathematiker und Ministerialbeamter.

Familie

Eugen Thoma war der Sohn von Theodor Thoma und dessen Ehefrau Hedwig. 1905 heiratete er in Karlsruhe Frieda Karolina Franziska Guichardaz (* 1882).

Leben

Thoma studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Mathematik und Physik und schloss mit einer Promotion zum Dr. phil. ab. Seine Dissertation Über das Wärmeleitungsproblem bei wellig begrenzter Oberfläche und dessen Anwendung auf Tunnelbauten[2] erschien 1906.

Seit 1902 arbeitete er als Lehramtspraktikant im Schuldienst und unterrichtete in Freiburg und Ettlingen. 1908 erhielt er eine Anstellung als Professor und übernahm 1925 als Direktor die Leitung der Hildaschule in Pforzheim,[3] wechselte aber bereits nach zwei Jahren in das Badische Ministerium des Kultus und Unterrichts und wurde 1929 vom Oberregierungsrat zum Ministerialrat ernannt.[4] Als Referent war er für die Hochschulen in Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg zuständig. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums gab nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten den Vorwand um den Sozialdemokraten Thoma aus dem Staatsdienst zu entlassen, nachdem er bereits am 29. März 1933 mit sofortiger Wirkung von seinen Dienstgeschäften beurlaubt worden war.[5] Thoma wurde durch Eugen Fehrle ersetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Thoma kurze Zeit Landrat im bayrischen Landkreis Riedenburg. Danach wechselte er als Professor für Mathematik an die Technische Hochschule Karlsruhe.

1946 wurde er vom Präsidenten des Landesbezirks Baden, Heinrich Köhler, auch wieder in die Kultus- und Unterrichtsverwaltung berufen, wo er unter Landesdirektor Franz Schnabel als Ministerialrat und Hochschulreferent arbeitete und 1948 maßgeblich zum Erhalt der Selbständigkeit der Technischen Hochschule Karlsruhe beitrug.[6] Er leitete dann als Nachfolger von Schnabel die Abteilung Kultus und Unterricht des Landesbezirks Baden bis zu seiner Pensionierung 1950.[7]

Thoma war Mitautor eines Mathematischen Unterrichtswerks für höhere Schulen.

Von 1950 bis 1952 war er Vorsitzender des Landesvereins Badische Heimat. Zudem war er zeitweise Präsident der Badischen Kulturgemeinschaft.[8]

Schriften

  • Über das Wärmeleitungsproblem bei wellig begrenzter Oberfläche und dessen Anwendung auf Tunnelbauten (Dissertation)[9]
  • Die Wasserwirtschaft in Afrika, mit Adolf Ludin – Berlin : de Gruyter, 1943
  • Der Technischen Hochschule Karlsruhe zum 26.Okt.1950. In: Badische Heimat, Jg. 30 (1950), S. 58ff.
  • Mathematisches Unterrichtswerk für höhere Schulen – Bd. 1–3: Unterstufe: Rechnen und Raumlehre, 1953

Ehrungen

1931 wurde Thoma zum Ehrensenator der Universität Freiburg. 1948 gab die Universität Freiburg bekannt, „daß die während die während der nationalsozialistischen Herrschaft totgeschwiegene Würde eines Ehrensenators des Genannten wieder hergestellt habe, eingedenk seiner früheren Verdienste als Hochschulreferent und insbesondere um die Erbauung der neuen Kliniken.“[10] Zudem wurde er 1932 Ehrensenator der Technischen Hochschule Karlsruhe und 1950 Mitglied des Beirats der Universität Heidelberg. Nach seinem Rücktritt als Vorsitzender zum Ehrenmitglied des Landesvereins Badische Heimat ernannt.[11]

Literatur

  • Christof Strauß: Die Landesvorsitzenden der Badischen Heimat. 1950–1952: Prof. Dr. Eugen Thoma (1877–1955). In: Badische Heimat, Heft 3/2009, S. 483–484 pdf
  • Ludwig Vögely: Eugen Thoma. In: Badische Heimat, Band 64 (1984), S. 797–798 pdf

Einzelnachweise

  1. Ancestry.com. Karlsruhe, Germany, Marriages, 1870–1921 [database on-line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2016. Original data: Namensregister, Heiratsregister, 1870–1921. Stadtarchiv Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland. Handschriftlicher Nachtrag mit Sterbedatum 6. September
  2. Katalog plus der Universitätsbibliothek Freiburg [1]
  3. Amtsblatt des Badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht 1925, S. 155 pdf
  4. Amtsblatt des Badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht 1929, S. 189 pdf
  5. Amtsblatt des Badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht 1933, S. 38 pdf
  6. Klaus-Peter Hoepke: Geschichte der Fridericiana. Stationen in der Geschichte der Universität Karlsruhe (TH) von der Gründung 1825 bis zum Jahr 2000, Karlsruhe 2007, S. 135 pdf
  7. Thoma und Emele scheiden aus dem Dienst. In: Badische Neueste Nachrichten vom 18. Februar 1950, S. 7 Digitalisat der BLB Karlsruhe
  8. Stiftungen für die staatliche Kunsthalle. In: Badische Neueste Nachrichten vom 2. Juli 1951, S. 7 Digitalisat der BLB Karlsruhe
  9. Katalog plus der Universitätsbibliothek Freiburg [2]
  10. Badische Neueste Nachrichten vom 13. Januar 1948, S. 2 Digitalisat der BLB Karlsruhe
  11. Ministerialrat Dr. Thoma 75 Jahre. In: Badische Neueste Nachrichten vom 11. September 1952, S. 5 Digitalisat der BLB Karlsruhe