Eugen Schmahl
Eugen Schmahl (* 11. Mai 1892 in Reichelsheim; † 1954) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.
Leben
Herkunft, Ausbildung und Militärdienst
Schmahl entstammte einer oberhessischen Bauernfamilie und kam 1892 in der Ortschaft Reichelsheim des Großherzogtums Hessen zur Welt. Er studierte ab 1911 Theologie, Philologie und Philosophie an den Universitäten in Gießen, Heidelberg, Wien und Prag. Unterbrochen wurde sein Studium vom Wehrdienst im Ersten Weltkrieg, zu dem er sich als Freiwilliger verpflichtet hatte. Während des Krieges geriet er in russische Kriegsgefangenschaft und war zweieinhalb Jahre lang in Ostsibirien inhaftiert. Erst 1920 konnte er sich wieder immatrikulieren[1] und schließlich wurde er 1924 an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit der Dissertation Die Beziehungen zwischen Form und Inhalt in der Lyrik promoviert, in der er Werke von Heinrich Heine und Nikolaus Lenau analysierte.[1]
Berufliche Karriere
Zwischen 1921 und 1931 arbeitete er als Journalist für die konservative Kreuzzeitung und zeichnete hier ab März 1922 für das Innenressort sowie zwischen 1924 und 1926 für das Feuilleton verantwortlich.[2] Infolge seiner kritischen Berichterstattung über den preußischen Innenminister Carl Severing (SPD) verurteilte das Schöffengericht Berlin-Mitte Schmahl Mitte der 1920er Jahre wegen Beleidigung.[3] Als weitere berufliche Stationen sind 1932/33 eine redaktionelle Tätigkeit für die nationalbolschewistische Zeitschrift Widerstand[1] und später eine Arbeit als Feuilleton-Redakteur des deutschnationalen Berliner Lokal-Anzeigers[4] bekannt.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges engagierte sich Schmahl vermutlich in der Vertriebenenhilfe – zumindest bezeichnete der Historiker Walter Mühlhausen ihn 1987 rückblickend als „Flüchtlingskommissar“.[5] Zwischen 1947 und 1954 leitete er dann die Volkshochschule im hessischen Friedberg.[5]
Ab Anfang der 1930er Jahre tat sich Schmahl auch als Schriftsteller hervor und deckte dabei wissenschafts-, militär- und politikhistorische sowie soziologische Themen ab. Da seine Publikationen stark patriotisch gefärbt waren und auch die deutschnationale beziehungsweise völkische Bewegung eher wohlwollend beurteilten, hatte er während der Zeit des Nationalsozialismus keinerlei Probleme mit der Zensur. Vielmehr stieß seine Arbeit bei den Machthabern auf Anerkennung, was sich unter anderem daran zeigt, dass der Leiter des NSDAP-Gaus Hessen-Nassau Jakob Sprenger im November 1933 das Geleitwort zu einem seiner Bücher verfasste. In den Jahren 1942 bis 1945 widmete sich Schmahl dann vorrangig der Bearbeitung der Geschichte des Berliner Chemieingenieurunternehmens Auer-Gesellschaft.
Publikationen (Auswahl)
- Eugen Schmahl: Menschen in der großen Stadt. In der Reihe: „Schriften an die Nation“, Band 19. Verlag Gerhard Stalling, 1932, 74 Seiten.
- Eugen Schmahl (Hrsg.): Deutsches Land – Das Buch von Volk und Heimat. Unter Mitarbeit von Schriftstellern aller deutschen Stämme. Der Büchermarkt, 1933, 398 Seiten.
- Eugen Schmahl: Entwicklung der völkischen Bewegung. Die antisemitische Bauernbewegung in Hessen von der Böckelzeit bis zum Nationalsozialismus. Mit einem Geleitwort von Gauleiter Jakob Sprenger. Emil Roth Verlag, 1933, 132 Seiten (dem Werk angefügt ist die Schrift Entwicklung der nationalsozialistischen Bauernbewegung in Hessen von Wilhelm Seipel).
- Fritz Thiede; Eugen Schmahl: Die fliegende Nation. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1933, 141 Seiten.
- Eugen Schmahl: Der Aufstieg der nationalen Idee. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1933, 221 Seiten.
- Eugen Schmahl: Radetzky. Österreichs Ruhm – Deutschlands Ehre. Vier Falken Verlag, 1938, 442 Seiten.
- Eugen Schmahl: Suworow. Der russische Marschall „Vorwärts“. Verlag „Die Wehrmacht“, 1940, 109 Seiten.
- Eugen Schmahl: Eisen bewegt die Welt. Paul List Verlag, 1940, 278 Seiten.
- Eugen Schmahl: Carl Auer von Welsbach. In der Reihe: „Abhandlungen und Berichte des Deutschen Museums“, Jahrgang 20, Heft 1. R. Oldenbourg Verlag & Deutscher Ingenieur-Verlag, 1952, 28 Seiten.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Achim Aurnhammer; Wolfgang Braungart; Stefan Breuer; Ute Oelmann (Hrsg.): Stefan George und sein Kreis. Ein Handbuch. De Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-018461-7, Seite 1210.
- ↑ Ute Doser: Das bolschewistische Rußland in der deutschen Rechtspresse 1918–1925. Eine Studie zum publizistischen Kampf in der Weimarer Republik. Dissertation, Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freien Universität Berlin, 1961, Seite 132.
- ↑ „Beschwerden vor allem in sozialdemokratischer und demokratischer Presse und Publizistik über Justizbeamte und Mißstände in der Justizverwaltung“. Abgerufen auf archivportal-d.de (Online-Informationssystem Archivportal-D) am 12. Oktober 2025.
- ↑ Günther Rühle (Hrsg.): Alfred Kerr. „Ich sage, was zu sagen ist“. Theaterkritiken 1893–1919. In der Reihe: „Werke in Einzelbänden“, Band VII.1. S. Fischer Verlag, 2001, ISBN 3-10-049510-1, Seite 874.
- ↑ a b Walter Mühlhausen (Hrsg.): Ludwig Bergsträsser. Befreiung, Besatzung, Neubeginn. Tagebuch des Darmstädter Regierungspräsidenten 1945–1948. R. Oldenbourg Verlag, 1987, ISBN 3-486-53871-3, Seite 400.