Eugen Flückiger

Eugen Flückiger (16. Oktober 1859 in Burgdorf; † 19. August 1923 in Bern; heimatberechtigt in Rohrbach) war ein Schweizer Kaufmann in Bari der anschliessend als Privatier in Bern im Dienste wissenschaftlicher, künstlerischer und geschäftlicher Vereinigungen tätig war. Er war 1909 Delegierter des ersten humanitären Einsatzes des Schweizerischen Roten Kreuzes in Friedenszeiten in Messina,[1][2][3][4] und von 1912 bis 1913 Mitglied des Stadtrats von Bern[5] und stand dem Mattenhof-Leist vor.[6]

Flückiger wurde als Sohn von Friedrich August Flückiger und Louise Frey[7] geboren. Er hatte die zwei Schwestern Augusta[8][9] und Maria[10][11][12]. Er durchlief die Schulen von Bern und Strassburg, wo sein Vater als Professor der Pharmakognosie berufen wurde. Er wählte den Beruf des Kaufmanns und absolvierte seine Lehre in Strassburg[13] und Paris. Danach war er in Neapel und Lecce tätig und gründete in Bari eine Exportunternehmung, die er bis 1899 leitete. In diesem Jahr kehrte er in die Schweiz zurück und liess sich in Bern nieder.[14][15]

Vereinstätigkeit

Als Privatier engagierte sich Flückiger in zahlreichen Berner Vereinen. Er war Präsident der Geographischen Gesellschaft Bern,[16] der Photographischen Gesellschaft Bern[14.1][17][18][19][20][21] und der Museumsgesellschaft Bern[14.2]. Auch in der Vereinigung für Heimatschutz,[14.3] im Schweizerischen Aeroklub[14.4][22] und im Verkehrsverein Bern[23] übernahm er wichtige Funktionen. Besonders hervorzuheben ist seine Rolle als Mitbegründer und langjähriger Leiter der Kunsthalle Bern,[14][24] deren Bau er trotz der schwierigen Kriegszeit massgeblich vorantrieb.

Vermächtnis und Ehrungen

Flückiger hinterliess umfangreiche Vermächtnisse an zahlreiche Berner Vereine und Institutionen, darunter die Museumsgesellschaft, die Geographische Gesellschaft, die Kunsthalle,[25] die Vereinigung für Heimatschutz, den Schweizerischen Aeroklub, den Verkehrsverein, den Verschönerungsverein[26][27], der Stadtmusik Bern[28] und viele weitere.[29][30] Er vermachte auch eine umfangreiche Diapositivsammlung mit Verzeichnissen.[30]

Tod und Nachwirkung

Am 19. August 1923 starb Flückiger nach langem Leiden in Bern. Seine Leichenfeier im Krematorium wurde von vielen Freunden und Vertretern der von ihm geförderten Vereine begleitet. Sein Wirken wurde in zahlreichen Reden gewürdigt, darunter von Vertretern der Kunsthallegesellschaft, der Museumsgesellschaft, der Vereinigung für Heimatschutz und des Aeroklubs. Der Verschönerungsverein Bern würdigte seine langjährige Tätigkeit als Kassier und seine unermüdliche Unterstützung für das Gemeinwohl.[31]

Schriften

  • Nachtrag zum Rückblick auf die Geschichte der Museumsgesellschaft von 1897 und zum Bericht von 1903 und Rückblick auf die IV. Periode ihres Daseins bis zum 70jährigen Jubiläum. 1916.

Literatur

  • Maria Flückiger: Orientreise der Auguste Victoria : 15. Februar bis 26. März 1898. Bern : Druck Michel & Büchler. 1898.[17]
  • Mary Flückiger: Ex Libris Eugen Flückiger. 1902.[32]
  • Mary Flückiger: Eine September Radlerfahrt. 1904.[33]
  • G. B.: Eugen Flückiger. In: Die Berner Woche in Wort und Bild : ein Blatt für heimatliche Art und Kunst. 13, 1923. S. 485–486.
  • Philippe Bender: "… welch grossen Anteil unser Volk an dem Unglück nimmt …" : das Schweizerische Rote Kreuz und das Erdbeben von Messina. In: Actio : ein Magazin für Lebenshilfe. 97 (1988). Abbildung
  • H. Sch.-D.: † Frau Dr. Marie Bühler. In: Bulletin du Lyceum de Suisse. 18, 1939, 171, S. 9.[34]
  • Stump, Doris et al.: Deutschsprachige Schriftstellerinnen in der Schweiz : 1700–1945 : eine Bibliographie. 1994. S. 68.[35]
  • Augusta Flückiger : Orientreise 1898. Bern, Kunsthausforum. 2016.[36]
  • Bernhard Giger: Augusta Flückiger (1868–1942) – Die erste freie Fotografin. In: Referate über Fotografie, 2009–2020. Bern, Kunsthausforum. 2020. S. 47–51.[37]
  • Daniel Marc Segesser, Wolfgang Weber und Sacha Zala (Hrsg.): Sehr geteilte Meinungen : Dokumente zur Vorarlberger Frage 1918–1922. 2021.

Archive

Einzelnachweise

  1. Das Erdbeben von Messina. In: https://geschichte.redcross.ch/. Abgerufen am 16. November 2025.
  2. Eugen Flückiger, Delegierter des Schweizerischen Roten Kreuzes.
  3. Der schweizerische Bundesrat […] wird der der schweizerischen Delegation jede mögliche diplomalische Förderung sichern.
  4. Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 27. Februar 1909: In der Museumsgesellschaft hielt […] Eugen Flückiger einen Projektionsvortrag über seine letzte Reise nach Sizilien im Auftrage des Roten Kreuzes um die für die vom Erdbeben Betroffenen gesammelten Liebesgaben zu verteilen […]. Speziell die Photographien aus Messina […] waren von unvergeßlicher Wirkung. Eine Reihe weiterer Bilder brachte uns die wunderbare Schönheit dieser südlichen Gestade nahe.
  5. Stadtarchiv Bern: SAB_D4_4: Stadtrat/ Stadträte (alphabetisch)
  6. Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 27. Oktober 1914: Leist vom Mattenhof und Umgebung: Unter dem Vorsitz seines verdienten Präsidenten, Herrn Privatier Eug. Flückiger, hielt der Leist seine ordentliche Generalversammlung ab.
  7. Flückiger, Friedrich August. Abgerufen am 16. November 2025.
  8. Augusta Flückiger
  9. Otto A. Oesterle heiratete im Habilitationsjahr Augusta Flückiger.
  10. Maria
  11. Verheiratet mit Michael Bühler
  12. a b H. Sch.-D. ehrt ihr Andenken im „Bulletin“ des Clubs und führt aus: „Zu Lebzeiten ihres Gatten, Herrn Nationalrat Dr. Bühler, war ihr Haus ein Sammelpunkt des gesellschaftlichen Lebens Berns, wo Politiker, Schriftsteller und Künstler sich gerne trafen. Ihre vielseitige Begabung ließ sie an allem regen Anteil nehmen. In literarischer Weise betätigte sie sich selber durch feine Essays und durch Malerei auf dem Gebiet der Kunst. Gerne versammelte die Verstorbene in ihrem Salon Mitglieder des Lyceum Clubs und seine auswärtigen Gäste um sich, und wurde nie müde, den Lyceumsgedanken zu fördern. Ihre große Treue für den Club, an dessen Veranstaltungen sie selten fehlte, sichert der Heimgegangenen ein ehrendes Gedenken.“ Zeitungsausschnitt aus dem Gosteli-Archiv
  13. Adresse:Brasserie Gruber (Strasbourg) – Archi-Wiki. Abgerufen am 16. November 2025.
  14. a b Eugen Flückiger † In: Der Bund, Band 74, Nummer 351, 20. August 1923
    1. Dazwischen unternahm er zahlreiche Reisen, so nach dem Orient, nach Afrika, Korsika, Norwegen usf. Die Ausbeute war stets eine Menge schöner photographischer Aufnahmen, die in lehrreichen Projektionsvorträgen Verwendung fanden. Diese Interessen führten Flückiger der geographischen und der photograpischen Gesellschaft zu, die er beide mehrere Jahre lang präsidierte.
    2. Von 1903 bis 1919 war er Präsident und bis zu seinem Tode Ehrenpräsident der Museumsgesellschaft.
    3. Zehn Jahre lang [hat er] die Finanzen der Bernischen Vereinigung für Heimatschutz mit verwaltet. Als er 1920 zurücktrat, dankte man ihm durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.
    4. Flückiger interessiert sich auch lebhaft für die moderne Entwicklung des Sportes, insbesondere des Flugsportes. So war er mehrere Jahre Präsident der Sektion Bern des Schweizerischen Aeroklubs und später Präsident des Zentralkomitees.
  15. Totentafel. In: Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1131, 20. August 1923 Ausgabe 03
  16. W. Schüle: Bericht über das Jahr 1923. In: Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern Herausgeber: Geographische Gesellschaft Bern. Band 26 (1923–1925), S. VII (e-periodica.ch): „Besonders schmerzlich traf uns der Hinschied von Herrn Flückiger, der seit Anfang 1907 [bis 1923] dem Vorstande angehörte, in der Periode von 1910 bis 1914 die Präsidentschaft inne hatte und sich bei allen Gelegenheiten durch geschäftliche Gewandtheit und ein natürliches Organisationstalent auszeichnete. Er wird uns unvergessen bleiben.“
  17. a b Der Bund, Band 55, Nummer 83, 23. März 1904: Bernischer Verein für Handel und Industrie: „[…] An die Verhandlung schloß sich ein Vortrag mit Projektionen, gehalten von Hrn. Eug. Flückiger, über: ‚Eine Mittelmeerreise auf der ‚Augusta Viktoria‘, (Genua. Alexandrien, Jaffa, Jerusalem. Konstantinopel, Athen, Suda-Bay, Kandia [Kreta] usw.). Seine interessanten Schilderungen fanden großen Beifall.“
  18. Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 21. März 1907 Der zweite Projektionsabend der Museumsgesellschaft [am 14.3.1907] […] Der Präsident der Gesellschaft, Herr Eugen Flückiger, schilderte […] seine Reiseerlebnisse auf Mallorca und Korsika. Die Zuhörer begleiteten ihn nach Südfranlreich, machten einen Abstecher nach Barcelona, und dann ging' s hinüber auf die Balearen, auf die Insel Mallorca. Eingehend wurden hierauf Land und Leute von Korsika geschildert. Der Vortragende hat größere Reisen ins Innere des Landes unternommen,[…]. Herr Flückiger hat auf jenen Reisen eifrig photographiert und konnte daher eine große Zahl sehr gelungener Aufnahmen in Lichtbildern vorführen.
  19. Der Bund, Band 59, Nummer 575, 5. Dezember 1908 Bernische Kunstgesellschaft […] unternahm Herr Eugen Flückiger im Sommer 1901 eine Reise nach Norwegen und Spitzbergen. Mit farbigen Lichtbildern und begleitenden Worten verschaffte nun Herr Flückiger den Mitgliedern und Gästen den Genuß einer solchen Nordlandreise. Sie führte, mit einem Abstecher in das Geiranger Fjord, nach RomsdalTrondhjemTromsöHammerfest - Nordkap und Spitzbergen. Besonderes Interesse bot die um 11 Uhr nachts bei Mitternachtssonne gewonnene photographische Aufnahme einer norwegischen Strandlandschaft. Mit einer Rheinreise beschloß Herr Flückiger seine dankbar entgegengenommenen Darbietung.
  20. Photographische Gesellschaft Bern | fotoCH. In: https://foto-ch.ch/. Abgerufen am 18. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch): „Präsidenten der Photographischen Gesellschaft Bern […] 1910–1911 Eugen Flückiger“
  21. Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 4. Februar 1911 Photographische Gesellschaft Bern. Nach Abwicklung der Traktanden erfreute der zurücktretende Gesellschaftspräsident Herr Eugen Flückiger die Anwesenden mit einer Projektionsdarbietung das Thema behandelnd "Sommer und Winter in Graubünden".
  22. Neue Zürcher Nachrichten, Nummer 25, 27. Januar 1913: Die Generalversammlung des Schweizer. Aeroklubs […] wählte als Zentralkassier an Stelle des zurücktretenden Kehrli in Bern Eugen Flückiger in Bern. Die übrigen Mitglieder des Zentrakomttees wurden bestätigt.
  23. Der Bund, Band 61, Nummer 79, 16. Februar 1910 Ausgabe 02: "Der Vorstand wurde hierauf neu bestellt wie folgt: Präsident: Eugen Flückiger, bish. […]."
  24. [s.n.]: Neue Kunsthalle In Bern. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 59, Nr. 5, 1912, S. 66, doi:10.5169/seals-29929 (e-periodica.ch [abgerufen am 18. November 2025]): „Diese wählte als Präsident Eugen Flückiger; Vizepräsident Adolf Tièche, Kunstmaler.“
  25. Der Bund, Band 74, Nummer 499, 22. November 1923: Nicht nur die Künstler, sondern der Kunsthallebeverein selbst hat unter den schweren Zeiten zu leiden. Trotz dem hochherzigen Legat des Herrn Eugen Flückiger selig ist es fraglich, ob die Kunsthalle ohne Unterstützung der Gemeinde weiter bestehen könne.
  26. Der Bund, Band 67, Nummer 125, 14. März 1916 Ausgabe 02 Flückiger, Eugen, Rentner. Kassier.
  27. Der Bund, Band 76, Nummer 84, 25. Februar 1925 Ausgabe 02 Dem Verein ist von Herrn Eugen Flückiger, Rentier, in Bern, ein Legat von Fr. 2000 gestiftet worden.
  28. Der Bund, Band 75, Nummer 75, 19. Februar 1924 Ausgabe 02: Sodann gab der Vorsitzende den Anwesenden Kenntnis vom Legat des verstorbenen Herrn Eugen Flückiger, das zur musikalischen Ausbildung jüngerer Mitglieder verwendet werden soll. Diese hochherzige Gabe wurde vom Präsidenten bestens verdankt.
  29. Der Bund, Band 75, Nummer 153, 9. April 1924: Verband der Haus- und Grundeigentümer von Bern und Umgebung […] Im Berichtsjahr floß dem Verband das Legat des Herrn Eugen Flückiger im Betrage von Fr. 2000 zu das herzlich verdankt wird.
  30. a b Vermächtnisse von Eugen Flückiger. In: Berner Tagwacht, Band 31, Nummer 212, 13. September 1923
  31. Leichenfeier für Eugen Flückiger. In: Der Bund, Band 74, Nummer 355, 22. August 1923 Ausgabe 02
  32. Mary Flückiger, R. Fretz: Ex Libris Eugen Flückiger (= William Augustus Brewer Bookplate Collection. University of Delaware). JSTOR:community.296862.
  33. Der Bund, Band 55, Nummer 96, 5. April 1904 Eine September-Radlerfahrt. "Bern-Leipzig-Bern per Rad! — Das Programm lag vor mir. Jeder Tag mit seiner Kilometerzahl."
  34. Der Lyceum-Club betrauert den Hinschied von Frau Dr. Bühler, die zu seinen ältesten und treuesten Mitgliedern zählte. Sie trat dem Club bald nach dessen Gründung bei und gehörte bis vor zwei Jahren dem Comité central und bis zu ihrem Tode dem Comité local bernois an. Zu Lebzeiten ihres Gatten, Herrn Nationalrat Dr. Bühler, war ihr Haus ein Sammelpunkt des gesellschaftlichen Lebens Berns, wo Politiker, Schriftsteller und Künstler sich gerne trafen. Ihre vielseitige Begabung liess sie an allem regen Anteil nehmen. In literarischer ‘Weise betätigte sie sich selber durch feine Essais und durch Malerei auf dem Gebiete der Kunst. Gerne versammelte die Verstorbene in ihrem Salon Mitglieder des Lyceum-Clubs und seine auswärtigen Gäste um sich, und wurde nie müde, den Lyceumsgedanken zu fördern. Ihre grosse Treue für den Club, an dessen Veranstaltungen sie selten fehlte, sichert der Heimgegangenen ein ehrendes Gedenken.
  35. Flückiger, Maria
  36. Im Frühjahr 1898 ging Augusta Flückiger mit ihren Geschwistern Eugen und Maria […] auf eine zweimonatige Orientreise — die Kamera immer dabei.
  37. S. 51: °Ihr Urenkel, der Kulturjournalist Konrad Tobler, hat den Nachlass gesichert und aufgearbeitet." Siehe Burgerbibliohtek Bern: FA Tobler-Liermann 176: Augusta Oesterle-Flückiger (1868–1942)
  38. Volltextsuche Eugen Flückiger
  39. Flückiger, Eugen (1859-1923). In: https://archives-quickaccess.ch/. Abgerufen am 18. November 2025.
  40. https://dodis.ch/55228