Eugène Gabritschevsky

Eugène Gabritschevsky (russisch Евгений Георгиевич Габричевский; * Dezember 1893 in Moskau; † 5. April 1979 in Haar (bei München)) war ein russischer Biologe und Art-Brut-Künstler. Sein Werk umfasst Tausende von Zeichnungen und Malereien, die er während eines jahrzehntelangen Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik in Haar bei München schuf.

Leben

Gabritschevsky stammte aus einer angesehenen Moskauer Familie. Ebenso wie sein Vater, ein Mikrobiologe, der mit Louis Pasteur und Robert Koch zusammengearbeitet hatte, verschlug es Gabritschevsky in die Naturwissenschaft. Nach einem Studium der Biologie in Moskau und Forschungen in den Bereichen Entomologie, Vererbung und Mutationen führte ihn sein Weg 1924 an die Columbia University in New York, 1926 an das Institut Pasteur in Paris und schließlich nach Deutschland. 1929 wurde er in die Psychiatrische Klinik in Haar bei München eingewiesen, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Vor seiner Erkrankung hatte Gabritschevsky als Biologe publiziert. Nach der Einweisung begann er, sich intensiv der Malerei zu widmen. Sein behandelnder Arzt sowie sein Bruder ermutigten ihn, künstlerisch tätig zu sein. Bereits in den 1930er-Jahren zog seine Bildproduktion die Aufmerksamkeit psychiatrischer Fachkreise auf sich.

Werk

Gabritschevsky arbeitete mit unorthodoxen Techniken wie Frottage und Décalcomanie. Seine frühen Werke erinnern an biologische Strukturen wie Korallenmuster. Später entstanden fantasievolle Tierwesen, symmetrische Figuren nach dem Prinzip des Rorschachtests und schließlich geisterhafte Gesichter, die aus abstrakten Farbflächen auftauchen.

Er verwendete unterschiedliche Bildträger wie Kalenderblätter oder Krankenhausformulare und reagierte jeweils auf deren formale Gegebenheiten. Das Spiel mit dem Zufall war ein zentrales Prinzip seines Schaffens. Inhaltlich beschäftigte er sich u. a. mit Insekten, Früchten, Dinosauriern, menschlichen Gestalten und imaginären Geistwesen.

Kunsthistorisch wird Gabritschevsky häufig mit den Surrealisten – insbesondere Max Ernst – verglichen. Im Gegensatz zu diesen arbeitete er jedoch isoliert und unabhängig von künstlerischen Bewegungen. 1950 wurde sein Werk von Jean Dubuffet in die Collection de l’Art Brut aufgenommen.

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1950: Sainte Anne Hospital, Paris (im Rahmen des 1. Weltkongresses für Psychiatrie)
  • 1995: Passions privées, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris
  • 2001: ABCD: A Collection of Art Brut, American Folk Art Museum, New York
  • 2016: Eugène Gabritschevsky, La Maison Rouge, Paris; Collection de l’Art Brut, Lausanne; American Folk Art Museum, New York
  • 2017: Eugène Gabritschevsky: Theater of the Imperceptible, American Folk Art Museum, New York

Sammlungen

  • Collection abcd, Montreuil
  • Collection de l’Art Brut, Lausanne
  • Centre Georges Pompidou, Paris
  • Antoine de Galbert Collection, Paris

Literatur

  • Luc Debraine, Geneviève Roulin, Michel Thévoz: L’Art Brut, Fascicule 16, Vol. 24, Lausanne 1990.
  • Michel Thévoz: L’Art Brut. Éditions Skira, 1975.
  • Charles Flamand, Georges Limbour: Eugène Gabritschevsky’s Inner Vision. Éditions Bayer, 1965.