The Ethiopians
| The Ethiopians | |
|---|---|
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Port Antonio, Jamaika |
| Genre(s) | Ska, Reggae, Rocksteady |
| Gründung | 1965 |
| Auflösung | 2011 |
| Gründungsmitglieder | |
| Leonard Dillon (1942–2011) | |
| Stephen Taylor († 1975) | |
| Aston Morris | |
| Ehemalige Mitglieder | |
| Albert Griffiths | |
| Melvin „Mellow“ Reid | |
The Ethiopians war eine der einflussreichsten jamaikanischen Gesangsgruppen. Sie waren nicht nur Vorreiter beim Übergang vom Ska über Rocksteady zum Reggae. Die stark vom Rastafarianismus geprägten Texte des Lead-Sängers und Songwriters Leonard Dillon ebneten außerdem den Weg für die sozialkritische Roots-Reggae-Ära in den 1970er Jahren. Diese Band ist nicht mit der Band The Abyssinians zu verwechseln, obwohl die Bandnamen Synonyme sind.
Bandgeschichte
Leonard Dillon, der Gründer der Band, wurde 1942 im jamaikanischen Port Antonio geboren. Wie viele jamaikanische Musiker sammelte er erste musikalische Erfahrungen im Kirchenchor. Er zog in die Hauptstadt Kingston, wo er Peter Tosh kennenlernte. Unter dem Pseudonym „Jack Sparrow“ und mit den Wailers als Background-Chor veröffentlichte er 1965 zwei Singles: Ice Water und Suffering on the Land. Produzent war Clement Dodd.[1]
Zu dieser Zeit schloss Dillon Bekanntschaft mit einem Gesangsduo, bestehend aus Sänger Stephen Taylor und Sänger/Gitarrist Aston Morris, das sich auf der Straße sein Geld verdiente. Sie gründeten das Trio „The Ethiopians“. 1966, in der Spätphase des Ska, nahmen sie im Studio One eine Reihe von Singles auf, dann verließ Morris, selbst ein Songwriter, die Gruppe. Als Ersatz für ihn kam Albert Griffiths, der später die Gladiators gründen sollte. In der neuen Besetzung schafften sie den Durchbruch mit einem der bekanntesten Ska-Hits überhaupt: Train To Skaville, ein Riesenerfolg in Jamaika, der auch in England noch die Top 40 erreichte. Die Ethiopians sollten von ihrem Erfolg nie viel Geld erhalten.
Im Jahr 1967, der Blütezeit des Rocksteady, arbeitete die Gruppe mit der Produzentin Sonia Pottinger und auch teilweise mit Lee Perry. Ein großer Erfolg wurde The Whip, ein Song, der durch das lange Bläser-Intro und die in den Vordergrund gemischte Perkussion auffällt. Ein weiterer Hit war Engine 54.
Im Jahr 1968 schlossen die Ethiopians sich dem Produzenten J. J. Johnson an, mit dem sie ihre künstlerisch vielleicht produktivste Phase haben sollten. Für Albert Griffiths kam Melvin „Mellow“ Reid in die Gruppe, in der Folgezeit arbeiteten Dillon und Taylor jedoch auch gelegentlich als Duo. Ihre erste LP „Engine 54“ erschien. Ein großer kommerzieller Erfolg wurde ihre Single Everything Crash. Im Text geht es um die wirtschaftliche und politische Instabilität, die nach der Unabhängigkeit Jamaikas von der britischen Kolonialisierung entstanden war. Die Regierung hatte Rationierung von Trinkwasser verordnet. Das Telefonnetz war marode. Die Polizei hatte im Ablauf eines Jahres 31 Personen getötet und war dann selbst in den Streik getreten. Unter der Arbeiterschaft entstanden Unruhen. Leonard Dillon beschrieb die Situation und wies darauf hin, dass viele Probleme noch aus der englischen Kolonialzeit stammten:
- Look deh now – everything crash
- Look deh now – everything crash
- Firemen strike
- Watermen strike
- Telephone company too
- Down too the policeman do
- What damn bad a morning can’t come good a evening, woy
- Every day yuh carrying bucket to the well – one day the bucket bottom mus’ drop out
- Everything crash
Doch die Ethopians konnten auch sanftere Töne anschlagen, so z. B. bei Long Time Now, einem Love-Song.
1969 hatte ein neuer Musikstil den Rocksteady abgelöst, die Ethiopians besangen ihn in Reggae Hit The Town. Ihre Zusammenarbeit mit Johnson führte zu zwei weiteren Alben: „Reggae power“ und „Woman Capture Man“. Die Ethiopians begonnen mit einer ganzen Reihe weiterer Produzenten zu arbeiten. Melvin Reid erschien weniger auf den Platten, und die Ethiopians arbeiteten immer öfter als Duo. 1974 verließ Reid die Gruppe endgültig. Obwohl sie weiterhin hervorragende Musik machten, blieb doch der kommerzielle Erfolg aus, und Dillon und Taylor mussten „normale“ Jobs annehmen. Taylor arbeitete an einer Tankstelle, wo er im September 1975 von einem vorbeifahrenden Lkw erfasst und getötet wurde. Nach dem tragischen Verlust seines engsten Freundes zog sich Dillon in seinen Heimatort Port Antonio zurück. Erst 1977 wurde er wieder aktiv und veröffentlichte gemeinsam mit dem früheren Ethiopians-Mitglied Aston Morris das Album „Slave Call“. Im darauf folgenden Jahr erschien unter dem Namen „Ethiopians“ Dillons Solo-Album „Everything Crash“ (unter dem gleichen Namen existiert allerdings auch eine Ethiopians-„Best Of“). Vom damaligen jamaikanischen Premierminister Edward Seaga bekam er das „Certificate for Appreciation for Pop Music Development“ verliehen.
Nach einigen Solo-Aktivitäten formierte Dillon in den Achtzigern die Ethiopians mit Harold Bishop und Neville Duncan (früher bei Burning Spear) und absolvierte in dieser Besetzung einige Tourneen. Gegen Ende des Jahrtausends bestand das Ethiopians-Lineup neben Dillon aus den Background-Sängerinnen Jennifer Lara und Merlene Webber, die auch auf dem Album von 1999, „Tuffer Than Stone“, mitwirkten. Zuletzt hat die Gruppe eine großartige Tournee mit Max Romeo unternommen.
Diskografie (Auswahl)
Singles/Songs
- 1966: Dun Dead A’ Ready, For You, Free Man, I Am Free, I’m Gonna Take Over Now, Live Good, Owe Me No Pay Me, Why You Gonna Leave Me Now
- 1967: Cool It Amigo, Do It Sweet, Engine '54, I Need You, Stay Loose Mama, The Whip, The World Goes Ska, Train to Glory, Train To Skaville
- 1968: Come On Now, Everything Crash, Fire A Mus Mus Tail, Give Me Your Love, Long Time Now, My Love, Reggae Hit the Town, Unchanged Love, Woman's World, You Got The Dough
- 1969: Big Splish Splash, Buss Your Mouth, Clap Your Hands, Contention, Everyday Talking, Feel The Spiritv, Gun Man, Hong Kong Flu, I'm Not A King, My Testimony, Not Me, One Heart, One Love, One, Well Red, What A Big Surprise, What A Fire, Woman Capture Man, You, Wreck It Up
- 1970: Condition A Bad A Yard, Don't Let It Go, Drop Him, Mek You Go On So, Mother's Tender Care, Good Ambition, Hang On, I'll Never Get Burnt, No Baptism, Praise Far I, (Things A Get) Bad To Worse, What A Pain, Your promise
- 1971: He's Not A Rebel, I Need Someone, Jennie, Lot Wife, Pirate, Promises, Sad News, Solid As A Rock, Sound Of Our Forefathers, Starvation, The Selah
- 1972: Israel Want Be Free
- 1973: Hail Brother Rasta, Hail, The Ring, The Word Is Love
- 1974: (I Want To Be) A Better Man, Conquering Lion,
- 1975: Band Yu Belly, Knowledge Is Power
- 1976: Another Moses
- 1977: Culture, Ethiopian National Anthem, Guilty Conscience, Hurry On, I Love Jah, Let It Be, Nuh Follow Babylon, Obeah Book, Slave Call
- 1986: Pirate
Alben
- 1968: Engine 54
- 1969: Reggae Power
- 1970: Woman Capture Man
- 1977: Slave Call
- 1978: Everything Crash
- 1994: Owner Fe De Yard
- 1999: Tuffer Than Stone
Weblinks
- The Ethiopians bei 45cat.com (englisch)
- The Ethiopians bei AllMusic (englisch)
- The Ethiopians bei Discogs
- The Ethiopians bei Trojan Records
Musikbeispiele
- The Ethiopians: Train To Skaville (Original Version) auf YouTube
- The Ethiopians: The Whip auf YouTube
- The Ethiopians: You Got to Be Clean auf YouTube