Erzeparchie Przemyśl-Warschau
| Erzeparchie Przemyśl-Warschau | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Kirche eigenen Rechts | Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche |
| Staat | Polen |
| Diözesanbischof | Eugeniusz Popowicz |
| Emeritierter Diözesanbischof | Jan Martyniak |
| Gründung | 24. Mai 1996 |
| Pfarreien | 44 (2023 / AP 2024) |
| Katholiken | 14.935 (2023 / AP 2024) |
| Diözesanpriester | 34 (2023 / AP 2024) |
| Ordenspriester | 11 (2023 / AP 2024) |
| Katholiken je Priester | 332 |
| Ständige Diakone | 4 (2023 / AP 2024) |
| Ordensbrüder | 14 (2023 / AP 2024) |
| Ordensschwestern | 36 (2023 / AP 2024) |
| Ritus | Byzantinischer Ritus |
| Liturgiesprache | Ukrainisch |
| Kathedrale | St. Johannes der Täufer in Przemyśl |
| Konkathedrale | Entschlafung der Allheiligen Gottesgebärerin in Warschau |
| Website | cerkiew.org |
| Suffraganbistümer | Eparchie Breslau-Koszalin Eparchie Olsztyn-Danzig |
| Kirchenprovinz | |
Die Erzeparchie Przemyśl-Warschau (lateinisch Archieparchia Premisliensis-Varsaviensis ritus byzantini ucraini) ist eine Diözese der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Polen.
Strukturen
Die Erzeparchie Przemyśl-Warschau umfasst die ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinden im Südosten der Republik Polen, einschließlich der Hauptstadt Warschau. Ihre Gemeindemitglieder sind vor allem Ukrainer, die in Polen leben, Arbeitsmigranten, Flüchtlinge und Einheimische.[1]
Der Ritus in der Liturgie und im geistlichen Leben gleicht im Wesentlichen dem byzantinisch-orthodoxen, in jeder Kirche gibt es eine Ikonostase. Kirchenrechtlich ist die Erzeparchie jedoch ein Glied der römisch-katholischen Kirche, ihr Erzbischof gehört der Polnischen Bischofskonferenz an.
Die Erzeparchie Przemyśl-Warschau wird von einem Erzpresbyter (2020 Eugeniusz Popowicz) geleitet. Der Sitz ist Przemyśl im südöstlichen Polen. 2016 hatte sie offiziell 30.000 Mitglieder.
Zur Metropolie der Erzeparchie Przemyśl-Warschau gehören als Suffragandiözesen die Eparchien Olsztyn-Danzig und Breslau-Koszalin.
Geschichte
Eparchie Przemyśl
Ende des 11. Jahrhunderts wurde das orthodoxe Bistum Przemyśl gegründet. In der Zeit Polen-Litauens unterstellte sich die Mehrheit der orthodoxen Bischöfe der „königlichen Republik“ mit der Kirchenunion von Brest 1596 der Jurisdiktion der römisch-katholischen Kirche und erkannten den Papst als Oberhaupt an, behielten aber die byzantinischen Riten bei. Der damalige orthodoxe Bischof von Przemyśl nahm jedoch nicht an dieser Union teil. Deshalb ernannte Paul V. 1609 einen eigenen unierten Bischof für die Eparchie Przemyśl, Sambor und Sanok der griechisch-katholischen Kirche. Bis 1691 gab es somit jeweils zwei Bischöfe in Przemyśl, dann schloss sich auch der orthodoxe Bischof Innocenty Winnicki der Union mit Rom an.
Nach der ersten Teilung Polens 1772 gehörte Galizien und damit auch das Gebiet der Eparchie Przemyśl politisch zur Habsburgermonarchie. Am 22. Februar 1807 unterstellte Papst Pius VII. die Eparchie mit der Apostolischen Konstitution In universalis Ecclesiae als Suffragandiözese der Erzeparchie Lemberg.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs und der Wiedererrichtung der Republik Polen (die auch den Westen der heutigen Ukraine beherrschte) war die ukrainische griechisch-katholische Kirche dem Verdacht separatistischer Bestrebungen ausgesetzt und wurde von polnischen Behörden verfolgt. Unter den Lemken, die im Westen des Diözesangebiets siedelten, gab es in den 1920er-Jahren Bestrebungen, die Union mit Rom zu verlassen und sich der russisch-orthodoxen Kirche anzuschließen. Um dies abzuwenden, wurden 129 Pfarreien im Siedlungsgebiet der Lemken 1934 aus der Eparchie Przemyśl ausgegliedert und bildeten seitdem die Apostolische Administratur (ab 1941 Exarchat) Łemkowszczyzna, welche direkt dem Papst unterstand. Im Jahr 1943 umfasste die Eparchie Przemyśl 640 Pfarreien mit 657 Priestern und 1,16 Millionen Gläubigen.
Unter der kommunistischen Herrschaft wurde die griechisch-katholische Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg in der Ukraine, aber auch in der Volksrepublik Polen unterdrückt und verfolgt. Bischof Josaphat Kocylovskyj wurde 1946 in Polen verhaftet, an die Sowjetunion ausgeliefert und starb dort im Folgejahr in einem Gulag. Er zählt ebenso wie Weihbischof Hryhorij Lakota, der 1950 in einem sowjetischen Arbeitslager an Unterernährung starb, zu den 25 Märtyrern der ukrainischen Kirche, die Papst Johannes Paul II. 2001 seligsprach. Nach Kocylovskyjs Tod blieb das Amt des griechisch-katholischen Bischofs von Przemyśl bis 1964 vakant. Die meisten ethnischen Ukrainer und Lemken (welche die meisten griechisch-katholischen Gläubigen in Polen stellten) wurden – soweit sie nicht in die sowjetische Ukraine gezogen waren – im Zuge der Aktion Weichsel 1947 aus ihrem angestammten Siedlungsgebiet im Südosten Polens in die ehemals deutschen Gebiete in Westen und Norden des Landes zwangsumgesiedelt, wo sich viele in die ethnisch-polnische und römisch-katholische Mehrheitsbevölkerung assimilierten.
Papst Johannes Paul II. richtete 1981 ein Ordinariat für die in Polen lebenden Katholiken östlicher Riten (sowohl armenisch als auch griechisch) ein, das vom römisch-katholischen Erzbischof von Gnesen und Warschau Józef Glemp (dem Primas von Polen) geleitet wurde. Zu dessen Weihbischof ernannte er im Juli 1989 Jan Martyniak, sodass erstmals seit dem Tod Kocylovskyjs wieder ein ukrainischer griechisch-katholischer Bischof in Polen wirkte.
Erzeparchie Przemyśl-Warschau
Nach dem Übergang Polens zur Demokratie konnte sich die ukrainische griechisch-katholische Kirche im Land wieder offen betätigen. Die ehemalige Eparchie Przemyśl, Sambor und Sanok wurde im Januar 1991 unter dem kürzeren Namen Eparchie Przemyśl wiederbelebt und Jan Martynika als Diözesanbischof eingesetzt. Auf Geheiß des Papstes wurden die griechisch-katholischen Gemeinden in Polen 1996 in zwei Diözesen eingeteilt: die Eparchie Breslau-Danzig für die westlich des Flusses Weichsel gelegenen Gebiete und die Eparchie Przemyśl-Warschau für die Gebiete östlich davon. Letztere wurde dann am 24. Mai 1996 durch Papst Johannes Paul II. mit der Apostolischen Konstitution Ad aptius providendum zur Erzeparchie erhoben.[2]
Während des Pontifikats von Franziskus wurde am 25. November 2020 eine dritte ukrainische griechisch-katholische Diözese in Polen eingerichtet. An diese neue Eparchie Olsztyn-Danzig gab die Erzeparchie Przemyśl-Warschau ihre nördlich gelegenen Gemeinden ab.[3]
Persönlichkeiten
Siehe auch
Weblinks
- Erzeparchie Przemyśl-Warszawa Offizielle Website (ukrainisch und polnisch)
- Eintrag zu Erzeparchie Przemyśl-Warschau auf catholic-hierarchy.org (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Griechisch-orthodoxe Kirche in Polen Renovabis, 2018, über Besuch von Erzbischof Eugeniusz Popowicz
- ↑ Ioannes Paulus II: Const. Apost. Ad aptius providendum, AAS 88 (1996), n. 10, S. 793f.
- ↑ Erezione dell’Eparchia di Olsztyn-Gdańsk (Polonia) di rito bizantino-ucraino, rendendola suffraganea dell’Arcieparchia di Przemyśl-Warszawa, nomina del Primo Vescovo e modifica del nome dell’Eparchia di Wrocław-Gdańsk. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 25. November 2020, abgerufen am 25. November 2020 (italienisch).