Erster Waldemarkrieg
| Erster Waldemarkrieg | |||||||||
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| Teil von: Dänisch-Hanseatischer Krieg (1361–1370) | |||||||||
Schädel eines der Opfer von Waldemar Atterdags Invasion von 1361, ausgestellt im Museum Gotlands Fornsal in Visby (Gotland). | |||||||||
| Datum | 1361–1365 | ||||||||
| Ort | Gotland & Schonen, Schweden | ||||||||
| Ausgang | Sieg Dänemarks | ||||||||
| Friedensschluss | Frieden von Vordingborg (1365) | ||||||||
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Gotland-Feldzug
Mästerby – Visby
Erster Waldemarkrieg
1. Helsingborg
Zweiter Waldemarkrieg
Kopenhagen – 2. Helsingborg – Kolding – Vordingborg – Nykøbing Falster – Lindholmen
Der Erste Waldemarkrieg, auch als Erster Hansekrieg, erster Dänisch-Hanseatischer Krieg, bzw. erster Teil des Dänisch-Hanseatischen Krieges (1361–1370) (dänisch: Dansk-hanseatiske krig) bezeichnet, war ein Handels- als auch ein Territorialkrieg hauptsächlich zwischen dem Königreich Dänemark unter König Waldemar und den Hansestädten des sog. „Wendischen Quartiers“ (auch: Wendisches Viertel) unter Führung Lübecks. Er wird als Erster Hansekrieg bezeichnet, obwohl er nicht die erste militärische Auseinandersetzung zwischen Dänemark und Hansestädten war.
Der Krieg wurde durch die Eroberung Gotlands durch Dänemark ausgelöst und breitete sich rasch auf weitere Gebiete aus, die zwischen Dänemark und der Hanse umstritten waren, etwa Schonen und der Öresund. In der Folge war gerade die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft über den Handel im seit 1360 dänischen Schonen der Grund für den Gegenangriff der Hanse.[1]
Hintergrund
Bis Anfang der 1360er Jahre hatte die Hanse mehrere Jahre lang die unangefochtene Vorherrschaft in der Ostsee inne. Deutsche Siedler hatten Teile Preußens und Livlands kolonisiert und Städte wie Riga gegründet. Diese Städte kontrollierten den Handel auf verschiedene Weise und verdienten viel Geld mit dem lukrativen Ostseehandel. Sie kooperierten auch bei der Bekämpfung von Piraten im Ostseeraum, die den Handel in der Region zuvor erschwert hatten.
Auch die Fischerei in Schonen war für die Hanse von Bedeutung. Laut dem französischen Kreuzfahrer Philippe de Mézières waren rund 300.000 Menschen in Schonen in der Fischerei beschäftigt.[2] Die Region war zudem ein wichtiges Umschlagzentrum für Güter, die von der Ostsee in die Nordsee transportiert wurden, da der Öresund als wichtige Schifffahrtsstraße zwischen Schonen und der dänischen Insel Seeland verlief. Für den Handel hatte die Hanse vom Königreich Schweden Privilegien in Schonen erhalten, weshalb die Region für sie äußerst profitabel war. Deutsche Kaufleute ließen sich in Schonen nieder und gründeten mehrere Städte.
Vorgeschichte
Der dänische König Waldemar IV. hatte sein Königreich von der Fremdherrschaft durch das Haus Schauenburg, Mecklenburg und Schweden befreit und nach der verheerenden Herrschaft Christophs II. gerade stabilisiert. Nun strebte er danach, Dänemark zu erweitern und das Land zu einer neuen nordeuropäischen Macht zu machen. 1360 eroberte er Schonen und sicherte die Region damit dänischer statt schwedischer Herrschaft. Der Hanse ließ Waldemar ihre Privilegien in der Region für hohe Tributzahlungen.[3]
1361 startete Valdemar eine Invasion Gotlands. Die gotländische Miliz versuchte, die Insel zu verteidigen, hatte aber gegen Valdemars erfahrene Söldnerarmee keine Chance. Am 27. Juli 1361 vernichtete die dänische Armee die gotländische Armee in der Schlacht von Visby. Visby, die größte und bedeutendste Stadt der Insel, ergab sich Waldemar und zahlte einen enormen Tribut, um Plünderungen zu entgehen. Nachdem Visby unter dänischer Kontrolle stand, stand die gesamte Insel de facto unter dänischer Herrschaft.
Visby war allerdings lange Zeit einer der wichtigsten Handelsposten im Baltikum und auch ein zentraler Stützpunkt der Hanse. Obwohl Waldemar auch diesmal bereit war, die hanseatischen Privilegien der Stadt zu erneuern, wurde seine Expansion von der Hanse als aggressiv empfunden, da die Hansestädte in ihrem Handel stark eingeschränkt waren.
Die wendischen Städte waren auf Grund ihrer Lage an den schonischen Märkten interessiert, die preußischen aber mehr an der freien Sunddurchfahrt in die Nordsee. Die westfälischen Städte hingegen fühlten sich nur indirekt betroffen. Die Hanse erklärte in Verhandlungen in Greifswald unter Leitung des Lübecker Bürgermeisters Johann Wittenborg, an denen auch der Deutsche Ritterorden sowie Gesandte Schwedens und Norwegens teilnahmen, den Dänen im September 1361 den Krieg.[3]
Kriegsverlauf
Zur Vorbereitung erhoben die beteiligten Städte einen Pfundzoll zur Finanzierung des Krieges. Die Hansen und die Könige sollten jeweils Schiffe und 2000 bewaffnete Männer stellen. Vertraglich fixiert waren auch die Ziele der Kampfhandlungen: Schonen und Gotland sollten an Schweden fallen, die hansischen Privilegien wiederhergestellt und den Städten Pfandbesitz in den eroberten Gebieten geboten werden. Lübeck stellte 600 Bewaffnete, Stralsund und Rostock jeweils 400, je 200 Wismar, Greifswald und Stettin, 100 Kolberg, je 50 Stargard und Anklam und 40 Kiel. Weitere 300 kamen jeweils aus Bremen und Hamburg. Im April 1362 versammelte sich die Flotte von 48 Schiffen, darunter 27 Koggen, mit 2240 Bewaffneten vor dem Hiddenseer Dornbusch.
Zwölf Wochen lang belagerten die hanseatischen Truppen unter Führung von Johann Wittenborg die Stadt Helsingborg und ihre befestigte Zitadelle. Die vereinbarte Unterstützung aus Schweden und Norwegen blieb aus. In dieser Zeit stellte Waldemar eine eigene Flotte zusammen. In der Schlacht bei Helsingborg am 8. Juli 1362 besiegte die dänische Flotte die hanseatische, weil deren Besatzungen sich zum größten Teil zur Belagerung an Land aufhielten. Die Hanse verlor 12 ihrer Koggen. Wittenborg floh, wurde aber später wegen seines Versagens hingerichtet.
Ein Waffenstillstand wurde vereinbart und im November 1362 in Rostock bis zum 6. Januar 1364 verlängert, wobei sich die Bedingungen für die Hansestädte verbesserten. Trotzdem war die Hanse nach dieser Niederlage sehr geschwächt. Pläne für eine neue Invasion wurden diskutiert, führten aber zu nichts Konkretem. Es folgten drei Jahre unruhigen Friedens, in denen die noch im Krieg verwickelten wendischen Städte begannen, sich untereinander über die Finanzierung zu streiten. Zu diesem Zeitpunkt schien die Hanse kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen.[3][4] Der 1365 schließlich geschlossene Frieden von Vordingborg blieb für sie wertlos, da die Dänen weiterhin den Handel der Hanse stark behinderten.
Folgen
Kurze Zeit später versuchte die Hanse die Niederlage gegen Dänemark zu überwinden, indem sie sich im November 1367 in Köln zu einem Bündnis, der Kölner Konföderation, die aus bis zu 57 Hansestädten bestand, zusammenschloss, dem sich im Februar 1368 in Lübeck auch König Albrecht von Schweden und weitere norddeutsche und dänische Adlige anschlossen. Im April 1368 kam es zum Zweiten Waldemarkrieg gegen Dänemark, der September 1369 mit der Einnahme von Helsingborg endete, und in den Frieden von Stralsund mit König Waldemar von Dänemark im Mai 1370 mündete, und zu einer fast vollständigen Restaurierung der uneingeschränkten Macht der Hanse im Ostseeraum führte.[5]
Literatur
- Walter Stein: On the Origin and Significance of the Hanseatic League. Duncker & Humblot. Leipzig. 1911. Transkribiert vom deutschen Original für den Verein für Hanseatische Geschichte. Übersetzt von A. Copeland und Erik T. Wolf. 1940.
- Philippe Dollinger: The German Hansa. Stanford University Press. Stanford. 1970. ISBN 978-0-8047-0742-8.
Einzelnachweise
- ↑ Gisela Graichen, Rolf Hammel-Kiesow: Die deutsche Hanse: eine heimliche Supermacht (= Rororo). 3. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2015, ISBN 978-3-499-62786-6.
- ↑ Vivian Etting: Queen Margrete I, 1353-1412: And the Founding of the Nordic Union. BRILL, 2004, ISBN 978-90-04-13652-6 (englisch, google.com).
- ↑ a b c Philippe Dollinger: The German Hansa. Stanford University Press. Stanford. 1970. ISBN 978-0-8047-0742-8.
- ↑ Hanseatic League - Medieval Trade, German Cities, Baltic Sea | Britannica Money. In: www.britannica.com. Abgerufen am 8. Januar 2024 (englisch).
- ↑ Dieter Zimmerling: Die Hanse - Handelsmacht im Zeichen der Kogge. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und Wien, 1976, S. 165–182.