Ersilia Fossati
Ersilia Fossati (* 25. März 1921 im Veneto; † 9. Oktober 1999 in Lugano) war eine Schweizer Politikerin, Präsidentin der Tessiner Sektion des Frauenhilfsdiensts und Kämpferin für das Frauenstimmrecht. Sie war eine der ersten elf Frauen, die 1971 in den Grossen Rat des Kantons Tessins gewählt wurden.
Leben
Kindheit und Ausbildung
Ersilia Fossati war das älteste von elf Kindern der Rosa, geborene Scala, und des Ingenieurs Andrea Fossati.[1] Seine Familie stammte aus Meride im Kanton Tessin. Ersilia wurde in einem Ort in der Nähe des Flusses Piave im Veneto geboren, wo ihr Vater eine Kooperative leitete. Sie besuchte die Grundschule und das Gymnasium des von den Ursulinen von San Carlo geführten Istituto Ghislanzoni in Mailand. Fossati verbrachte ihre Sommerferien häufig im väterlichen Haus im Tessin und pflegte ihre Kontakte dorthin. Der bevorstehende Zweite Weltkrieg führte dazu, dass die Familie Fossati 1939 in die Schweiz nach Meride umzog.
Fossati besuchte das Lehrerinnenseminar in Locarno und schloss die Ausbildung 1941 mit dem Patent als Primarschullehrerin ab.
Berufsleben
Fossati wirkte von 1941 bis 1942 als Italienischlehrerin am Schwesterninstitut Ingenbohl, wo sie Deutsch lernte.[1] Von 1942 bis 1971 arbeitete sie als Assistentin von Silvio Sganzini am mehrbändigen Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana (VSI) mit.
1940 folgte Fossati dem nationalen Aufruf von General Henri Guisan und meldete sich als Freiwillige zum Frauenhilfsdienst (FHD) der Schweizer Armee.[2] Sie diente als Bürohilfskraft und arbeitete im Bereich Fürsorge zuerst in Bern und dann in Cugnasco. Dort wurde sie später für ihre Verdienste ausgezeichnet. Von 1951 bis 1964 leitete sie die Tessiner Sektion des FHD, die Associazione SCF Ticino, und organisierte Wiederholungskurse in Deutsch und Italienisch. Sie blieb bis 1978 Mitglied des FHD.
Ab 1963 leitete Fossati die Volkshochschule in Lugano, arbeitete von 1971 bis 1975 als Sekretärin beim Beratungsunternehmen Fidinam und war anschliessend bis 1983 für den Hauspflegedienst in Lugano und Umgebung tätig.
Politische Karriere
Fossati war Mitglied des Movimento sociale femminile (ab 1962 Associazione ticinese per il voto alla donna). Sie setzte sich vor allem für das Frauenstimmrecht ein, indem sie als Rednerin an Veranstaltungen vor Abstimmungen auf kantonaler (1969) und nationaler Ebene (1971) auftrat. Sie war Mitglied der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) und präsidierte in den 1970er Jahren die Frauengruppe der CVP Lugano. Sie wurde 1971 als eine der ersten elf Frauen zur Grossrätin des Kantons Tessin gewählt[3][4] und hatte das Amt bis 1983 inne. Sie war ausserdem die erste Kassiererin der 1985 gegründeten kantonalen Frauenorganisation der CVP.[1]
Weitere Engagements
Fossati war Mitglied sowie 1987 bis 1990 Präsidentin des katholischen Kantonalvereins Pro Filia und Mitgründerin sowie von 1964 bis 1966 und 1970 bis 1971 Präsidentin des Zonta Clubs Lugano[5]. Ausserdem präsidierte sie den Blutspendedienst Lugano und war Mitglied des Stiftungsrats der Pro Senectute Tessin und Misox.[1]
Ehrungen
2021 benannte die Gemeinde Mendrisio eine Strasse im Quartier Meride nach Ersilia Fossati.[6] Im selben Jahr wurde Fossati in einem Porträt anlässlich der Ausstellung «Frauen ins Bundeshaus! 50 Jahre Frauenstimmrecht» in Bern vorgestellt.[7]
Weblinks
- Roberta Sciortino: Ersilia Fossati. In: archividonneticino.ch. 31. Januar 2014 (italienisch).
- Sulla paglia per la patria. In: lanostrastoria.ch, Radiotelevisione Svizzera. 16. September 1997 (Interview mit Emilia Fossati ab 10:58 min; italienisch).
- Porträts von Frauen aus der ganzen Schweiz. In: hommage2021.ch. Ausstellung in Bern zu 50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht, 2021.
- Schweizer Heldinnen an der Fassade des Bundeshauses. In: Tagesschau SRF. 6. August 2021.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Roberta Sciortino: Ersilia Fossati. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 21. November 2022, abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Roberta Sciortino: Ersilia Fossati (1921–1999) Gran Consigliera. Città di Mendrisio, 2014, abgerufen am 12. Januar 2026 (italienisch).
- ↑ Sorengo dà la cittadinanza onoraria a Marili Terribilini-Fluck. In: laRegione. 19. Dezember 2022, abgerufen am 13. Januar 2026 (italienisch).
- ↑ Corinne Zaugg: Svizzera: quelle cinque «prime donne» uscite dal mondo cattolico. In: catt.ch. 8. Februar 2021, abgerufen am 13. Januar 2026 (italienisch).
- ↑ Keri Gonzato: Club femminili. I circoli virtuosi della sorellanza. Ticino Welcome, 2. Mai 2022, abgerufen am 13. Januar 2026 (italienisch).
- ↑ Lidia Travaini: Ecco la (prima) targa che svela le tracce indelebili delle donne. In: Corriere del Ticino. 8. März 2021, abgerufen am 12. Januar 2026 (italienisch).
- ↑ Berne: plus de 50 portraits de femmes accrochés sur des murs. In: SWI swissinfo.ch. 5. Februar 2021, abgerufen am 12. Januar 2026 (französisch).