Ernst Wilhelm Rietzschel

Ernst Wilhelm Rietzschel (auch Ernst Wilhelm Rietschel) (* 11. Februar 1824 in Geißmannsdorf, Kurfürstentum Sachsen; † 2. Dezember 1860 in München, Königreich Bayern) war ein deutscher Porträtmaler, Landschaftsmaler und Zeichner.[1][2][3]

Leben und Wirken

Rietzschel wuchs als Sohn in einer Bauernfamilie mit weiteren sechs Geschwistern in Geißmannsdorf (heute ein Ortsteil ein Bischofswerda) auf. Auf Grund seines Zeichentalents wurde er bereits mit 14 Jahren von der Königlich Sächsischen Kunstakademie in Dresden aufgenommen. Sein Lehrer war u. a. auch Ludwig Richter (1803–1884). Dort soll er auch Kontakte zum Bildhauer Ernst Rietschel (1804–1861) gehabt haben. Trotz gleichen Namens sind keine verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Künstlern nachweisbar. Nach Abschluss seines dreijährigen Studiums kehrte er in seine Heimat in die Oberlausitz zurück und wirkte dort als Bildnismaler. Er malte u. a. Porträts für zahlungskräftige Bürger und Vertreter des Landadels. Nachdem aus Bischofswerda und Umgebung die Aufträge ausblieben, ging er 1844 nach Löbau, wo er etwa 100 Bilder gemalt hat. Trotz seiner schwierigen Lebensumstände wurde er als ein geselliger Mensch beschrieben.

Als er in den Kunstkreisen bekannter wurde, ging er zuerst nach Dresden und besuchte danach die großen europäischen Kunststädte Wien und München. Durch seinen Aufenthalt in München fand er auch bald Anschluss und Förderung durch die Vertreter des Hochadels. Von 1851 bis 1857 unternahm Rietzschel ausgedehnte Studienreisen. Er besuchte u. a. Kairo und die Pyramiden (1854) sowie Alexandria, den Libanon, Bethlehem und Jerusalem sowie Konstantinopel und Smyrna. Danach war er zwei Jahre in Rom und blieb auch zwei Jahre in Athen. Dadurch hatte er viele Kontakte zu anderen Künstlern. Neben der Porträtmalerei beschäftigte er sich auch mit Landschaftsmalerei und der Darstellung von fremden Trachten. Sein Wirken in Athen führte zu weiteren Aufträgen für König Otto von Griechenland (1815–1867) und das Königshaus. Die zwei offiziellen Staatsbildnisse für das griechische Königspaar Otto von Griechenland und Amalie von Oldenburg (1818–1875) konnte er auf Grund seiner Krankheit nicht mehr fertig stellen.

Ab 1857 siedelte er sich endgültig in München an und wurde ein Jahr später mit der Aufnahme in die Münchner Künstlergesellschaft besonders geehrt. Hier arbeitete er auch am Hof des bayerischen Königs Maximilian II. Joseph (1811–1864), wo er Bilder von den Kindern des Königspaares schuf. Den Titel eines Hofmalers erhielt er nicht.

Wegen einer Erkrankung an Tuberkulose verstarb Ernst Wilhelm Rietzschel am 2. Dezember 1860 in München und wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt. Im Jahre 2013 wurde vom Museums- und Geschichtsverein Bischofswerda e.V. ein Gedenkstein an seinem Geburtshaus in Geißmannsdorf Nr. 48 errichtet.[4]

Werke (Auswahl)

  • Der alte Papacostas (Halbfigur in griechischer Tracht, 1853) (Städtische Galerie im Lenbachhaus)[3]
  • Ansicht der Akropolis von Athen (1853/54)[5]
  • Hagia Sophia in Konstantinopel[5]
  • Ein griechisches Festmahl (1857)[5]
  • Prinzessin Hildegard Luise von Bayern mit ihren Kindern[5]
  • Alter Mann mit Wasserpfeife in der Türkei[6]
  • Marie Königin von Preußen in Wanderkleidung (Aquarell, 1847) (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Wittelsbacher Bildersammlung)[7]
  • König Otto I. von Griechenland in griechischer Nationaltracht (Aquarell, 1850)[8]
  • Italienische Weinbauern (Aquarell)[9]
  • Bildnis eines unbekannten orthodoxen Geistlichen (Hamburger Kunsthalle)[10]
  • Bildnis der Königin Marie von Bayern mit den Prinzen Ludwig und Otto an einem See mit Schwänen, um 1850 (Hamburger Kunsthalle)[11]
  • Bildnis eines Mannes mit Brille, Öl auf Pappe (Albertinum Dresden)[12]

Literatur

  • Der Maler Ernst Wilhelm Rietzschel aus Geißmannsdorf. Hrsg. vom Museums- und Geschichtsverein Bischofswerda e.V., August 2017, ISBN 978-3-00-057482-5, 176 S.
Commons: Ernst Wilhelm Rietzschel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Museumsverein erinnert an Ernst Wilhelm Rietzschel (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  2. Der Maler Ernst Wilhelm Rietzschel aus Geißmannsdorf (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  3. a b Lenbachhaus (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  4. Gedenkstein für Ernst Wilhelm Rietzschel in Geißmannsdorf (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  5. a b c d Ernst Wilhelm Rietschel auf artnet.de (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  6. Ernst Wilhelm Rietschel auf nat.museum-digital.de (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  7. Die Bergsteigerin Marie von Preußen (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  8. Otto I. - Prince of Bavaria (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  9. Italienische Weinbauern auf invaluable.com (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  10. Hamburger Kunsthalle: Ernst Wilhelm Rietzschel (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  11. Hamburger Kunsthalle: Ernst Wilhelm Rietzschel (abgerufen am 22. Oktober 2025)
  12. SKD: Ernst Wilhelm Rietschel (abgerufen am 22. Oktober 2025)