Ernst Wöhl
Ernest „Ernst“ Reinhold Wöhl (* 31. März 1913 in Kindberg; † 13. Februar 2008 in Graz) war ein österreichischer Magistratsbeamter und Ornithologe.
Leben und Wirken
Ernst Wöhl wurde am 31. März 1913 als Sohn des Tischlermeisters Josef Franz Wöhl (* 31. Mai 1883 in Friedland in Böhmen) und dessen Ehefrau, der Greißlerin Maria Franzisca (geborene Wildner; * 27. Juni 1882 in Edelsdorf bei Allerheiligen im Mürztal;[1] † 16. Jänner 1936 in Kindberg[2]), in Kindberg geboren und wurde am 2. April 1913 auf den Namen Ernest Reinhold getauft.[3] Seine Eltern hatten am 17. August 1908 geheiratet.[4][5] Seine Großeltern väterlicherseits waren Franz Wöhl, Tischler in Friedland, und dessen Ehefrau Pauline (geborene Langer); die Großeltern mütterlicherseits waren Franz Wildner, Kaufmann in Kindberg, und dessen Ehefrau Maria Philomena (geborene Wildner).[4][5] Am 24. Mai 1926 wurde der damals 13-Jährige in Graz gefirmt.[3]
Bereits als Jugendlicher zeigte er ein starkes Interesse an der Natur und beschäftigte sich vor allem mit der Tier- und Pflanzenwelt der Hochschwabgruppe, die er auf zahlreichen Klettertouren erkundete. Als 20-Jähriger kam er zum Bundesheer nach Graz und nutzte die Zeit seines Wehrdiensts vor allem zur intensiven Weiterbildung. Er legte die Externistenmatura ab und trat in weiterer Folge als Beamter ins Magistrat der Stadt Graz ein. Hier sorgte Ernst Wöhl – lediglich durch einen Fronteinsatz in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs unterbrochen – in seiner Funktion als Pilzsachverständiger und Leiter des Marktamtes dafür, dass auf den Grazer Märkten nur zum Verzehr geeignete Pilze verkauft wurden. Am 6. März 1940 hat sich Wöhl beim Standesamt Graz verehelicht; eine kirchliche Trauung fand am 20. Dezember 1947 mit einer Hildegard Halwa in der Pfarrkirche Graz-Gösting statt.[3]
Weiters galt Wöhl als musisch begabter Mensch und Anhänger klassischer Musik, die er selbst als Geiger in verschiedenen Grazer Orchestern ausübte. Neben seinem Hauptberuf widmete er sich einer Vielzahl naturwissenschaftlicher Spezialgebiete – von der Pilzkunde über Orchideen und die Alpenflora allgemein bis hin zu Geologie und Astronomie. Ebenso beschäftigte er sich intensiv mit einheimischen Reptilien und Insekten, insbesondere Schmetterlingen, sowie mit der heimischen Vogelwelt. Gerade auf diesem zuletzt genannten Gebiet machte sich Wöhl besonders verdient. Als Mitglied des Joanneum-Vereins beteiligte er sich aktiv an Exkursionen und Vorträgen der verschiedenen Abteilungen des Landesmuseums Joanneum und veröffentlichte mehrere Beiträge in den Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum.
Als eines der ersten Mitglieder gehörte Wöhl der Steirischen Vogelwarte an, der Vorläuferorganisation der späteren Landesgruppe Steiermark der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde (bis 1993; heute BirdLife Österreich – Landesgruppe Steiermark). Als solcher machte er sich besonders um die die Wiederentdeckung der als verschollen gegoltenen Zippammer (Emberiza cia) verdient. Im Jahr 1980 konnte er diese Vogelart, deren Brutplätze teilweise nur im felsigen Gelände für geübte Kletterer zugänglich sind, wieder in der Steiermark nachweisen. Allein in diesem Jahr hatte sich Wöhl mehr als vierzig Mal in schwieriges Gelände begeben, um die Fundorte genau zu untersuchen, zu dokumentieren und zu publizieren. Aufgrund seiner Erkundungen in schwer zugänglichen Gebieten kam es zu Entdeckungen zahlreicher weiterer botanischer und zoologischer Besonderheiten, wie etwa neuer Nachweise des Violetten Dingels (Limodorum abortivum), des Schwarzen Germers (Veratrum nigrum), sowie von Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena), Östlicher Smaragdeidechse (Lacerta viridis), Alpenbraunelle (Prunella collaris) und Zwergschnäpper (Ficedula parva) in der Umgebung von Graz und den Gebirgen der Obersteiermark.
Am 13. Februar 2008 starb Wöhl, der bis ins hohe Alter als außergewöhnlich körperlich rüstig und geistig wachsam beschrieben wurde, im Alter von 94 Jahren und hinterließ seine Ehefrau, mit der er über sechs Jahrzehnte verheiratet war, sowie einen gemeinsamen Sohn. Seine Bestattung fand am 25. April 2008 am Katholischen Stadtfriedhof St. Peter in Graz statt.[6]
Werke (Auswahl)
- Die Alpenbraunelle, Prunella modularis (SCOPOLI), als Wintergast an der Burgruine Graz-Gösting. Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum, 6, S. 105, Graz 1977.
- Die Zippammer, Emberiza cia L., als Wintergast an der Burgruine Gösting bei Graz. Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum, 9, S. 137–140, Graz 1980.
- Ein beachtliches Brutvorkommen der Zippammer, Emberiza cia L., am Pfaffenkogel bei Kleinstübing in der Steiermark. Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum, 10, S. 81–89, Graz 1981.
- Weiteres über Brutvorkommen der Zippammer, Emberiza cia L., in der Steiermark. Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum, 29, S. 65–67, Graz 1983.
- Die Zippammer, Emberiza cia L., als Brutvogel in der Steiermark. Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum, 34 S. 65–68, Graz 1985.
- Die Zippammer (Emberiza cia L.) als Brutvogel in der Steiermark. Egretta, 32, S. 12–16, Wien 1989.
- Artkapitel für Heckenbraunelle (S. 236–237), Alpenbraunelle (S. 238–239), Fichtenkreuzschnabel (S. 380–381), Goldammer (S. 388–389), Zippammer (S. 392–393), Rohr- (S. 394–395) und Grauammer (S. 402). In: Peter Sackl, Otto Samwald: Atlas der Brutvögel der Steiermark. Landesmuseum Joanneum-Zoologie und Austria Medien Service, Graz 1997.
Literatur
- Christian Zechner: Ernst Wöhl 1913–2008. In: Joannea Zoologie, 10, S. 191–193, Graz 2008 (zobodat.at [PDF]).
- Christian Zechner, Hartwig W. Pfeifhofer: Nachruf • Obituary – Ernst Wöhl (1913–2008). In: Egretta. Nr. 50, 2008, S. 103–104 (zobodat.at [PDF]).
Weblinks
- Ernst Wöhl. In: ZOBODAT.at. OÖ Landes-Kultur GmbH
Einzelnachweise
- ↑ Taufbuch Allerheiligen im Mürztal, tom. VI, fol. 260 (Faksimile), abgerufen am 6. Dezember 2025
- ↑ Sterbebuch Kindberg, tom. X, fol. 34 (Faksimile), abgerufen am 6. Dezember 2025
- ↑ a b c Taufbuch Kindberg, tom. XII, fol. 148 (Faksimile), abgerufen am 6. Dezember 2025
- ↑ a b Trauungsbuch Kindberg, tom. IX, fol. 20 (Faksimile), abgerufen am 6. Dezember 2025
- ↑ a b Trauungsbuch Graz-Mariahilf, tom. XIV, fol. 252 (Faksimile), abgerufen am 6. Dezember 2025
- ↑ Ernst Wöhls Grab auf Caelum – Verstorbenen- und Gräbersuche, abgerufen am 6. Dezember 2025