Ernst Mierig

Ernst Mierig (* 1. Juli 1896 in Emden; † 27. Mai 1975 in Werther (Westf.)) war ein deutscher Politiker (NSDAP).

Leben

Ernst Mierig wurde als Sohn eines Tiefbauunternehmers geboren und absolvierte nach dem Realschulbesuch (Obersekundareife) von 1914 bis 1916 eine Landwirtschaftslehre im Harz. Ab Herbst 1916 musste er Kriegsdienst leisten und kam als Artillerist sowohl an der Westfront wie auch an der Ostfront zum Einsatz. Zuletzt war er Unteroffizier und wurde einmal verwundet. Nach dem Krieg kehrte er in die Landwirtschaft zurück, wurde in Angerburg und Königsberg als landwirtschaftlicher Berater tätig. Nach dem Besuch eines wirtschaftlichen Seminars in Helmstedt war er seit April 1921 Staatlich geprüfter Landwirt und arbeitete bis 1927 als Inspektor auf verschiedenen Güter in Westpreußen sowie in Mittel- und Westdeutschland. Anschließend führte er das Hofgut seiner Frau in Niederjöllenbeck bei Bielefeld bis zum Verkauf im Jahre 1931. Er übersiedelte nach Halle und wirkte dort bis 1935 als Grundstücksmakler.

Mierig gehörte in den Jahren 1923/1924 dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten an und trat zum 1. Oktober 1930 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 335.465).[1] Dort war er Bereichsleiter und ab 1942 Oberbereichsleiter. Er war Mitbegründer der Ortsgruppe Halle und war vom 23. Januar 1932 bis Herbst 1936 NSDAP-Kreisleiter in Halle.[2] Als Mitglied des Stadtrats Halle war er zugleich Deputierter im Kreistag Halle.

Das NSDAP-Gaugericht Münster erteilte Mierig am 24. Januar 1935 eine Verwarnung unter gleichzeitiger Aberkennung der Fähigkeit zur Führung von Parteiämtern für 1 Jahr. Dies hatte seine Beurlaubung zur Folge. Er soll in zwei Fällen Wucherzinsen erhoben haben. Gegen dieses Urteil legte er am 5. März 1935 mit Erfolg Beschwerde ein. Das Oberste Parteigericht sprach ihn frei. Mierig übernahm am 17. November 1936 die NSDAP-Kreisleitung in Münster-Stadt und wechselte am 4. März 1939 in die Kreisleitung Münster-Warendorf. Am 15. Juli 1941 wurde das Kloster Vinnenberg von den Nazis gestürmt, erheblich beschädigt und gänzlich geräumt, unter dem Vorwand notwendiger Wohnraumbeschaffung. Bereits nach kurzer Zeit der Nutzung der Räumlichkeiten als „nationalsozialistisches Volksheim“ standen das Kloster wieder leer. Mierig hatte diese Maßnahme als Verantwortlicher organisiert.

Am 19. November 1941 wurde in Münster die Deportation von 50.000 Juden aus dem Münsterland in das Ghetto Riga geplant, wobei neben Kreisleiter Mierig und anderen hochrangigen NS-Funktionären auch Münsters Oberbürgermeister Albert Hillebrand anwesend waren[3]. Zu diesem pflegte Mierig ein gutes Verhältnis. Im März 1944 hielt Mierig in Münster bei mehreren Großveranstaltungen Reden, die den Durchhaltewillen der Bevölkerung stärken sollten[4]. Am 14. Februar 1945 wurde er bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Am 27. April 1945 wurde er durch die Engländer in Lager Staumühle interniert und blieb dort bis zum 21. Dezember 1946, als er wegen eines schweren Magenleidens entlassen und in ein Krankenhaus überführt wurde. Im Entnazifizierungsverfahren verurteilte ihn die 1. Spruchkammer Hiddesen am 14. Oktober 1948 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die durch die Internierung verbüßt waren. Dazu kam eine Geldstrafe von 5000 DM. Nach mehreren erfolglosen Gesuchen auf Erlass bzw. Ermäßigung der Geldstrafe gewährte der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen am 16. August 1952 die bedingte Aussetzung der Restgeldstrafe sowie der Gerichtskosten. Der Hauptausschuss des Regierungsbezirks Münster stufte ihn am 24. Juni 1949 in die Kategorie III B 1 ein. Die gleiche Kammer bestätigte am 28. Mai 1950 diese Einstufung mit dem Ausschluss vom passiven Wahlrecht aller Stufen und von aktiver Teilnahme an der Regierung sowie Ausschluss von allen öffentlichen und privaten Stellungen leitenden oder aufsichtführenden Charakters.

Gegen Mierig waren mehrere Strafverfahren anhängig. So sprach ihn das Schwurgericht Münster vom 11. Februar 1949 von der Anklage wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit mangels Beweisen (Mittäterschaft bei der Denunziation eines Geistlichen im Jahre 1942, der daraufhin in das KZ Dachau kam und dort im März 1945 verstarb) frei. Wegen seiner Erkrankung war er bis 1952 erwerbsunfähig. Später war er als Kaufmann tätig, baute eine Speditionsfirma auf und kam zu Wohlstand.[5]

Mitgliedschaften

  • NSKK 1940 bis 1945, Staffelführer ehrenhalber
  • SA, SA-Sturmbannführer ehrenhalber

Literatur

  • Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 205f. (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/28670200
  2. Nationalsozialismus in Halle Digitalisat
  3. Transport am 13.12.1941 ab Münster Digitalisat
  4. Stadtarchiv Münster, NSDAP-GroßveranstaltungenDigitalisat
  5. Münster-Stadtgeschichte, Münsterische Zeitung vom 22. September 2015Digitalisat