Ernst Koch (Philologe)

Gustav Ernst Koch (22. Dezember 1839 in Zittau; † 8. Januar 1920 in Dresden) war ein deutscher klassischer Philologe, Germanist, Historiker, Schriftsteller, Lehrer und kaiserlich russischer Staatsrat.

Leben

Koch wurde in Zittau geboren und besuchte in den Jahren 1853 bis 1859 das Gymnasium in Zittau. Nahezu mittellos schrieb er sich in Philologie und Theologie auf der Universität Leipzig ein. Später konzentrierte er sich auf klassische und germanistische Philologie.[1][2]

1862, mit 22 Jahren, war er erstmals Lehrer in Zwickau und wurde im Folgejahr nach Grimma berufen[1], wo er 1863 bis 1881 als Lehrer an der Fürstenschule in Grimma amtierte. Im Jahr 1872 habe er den Professorentitel erworben,[2] nähere Hintergründe sind nicht genannt. 1881 wandte er sich nach Russland zu: er wurde Direktor des neu eröffneten Landesgymnasiums Birkenruh in Livland und leitete seit 1885 das Knabengymnasium der Petri-Pauli-Gemeinde in Moskau.[3]

Im Jahr 1901 kehrte er unter anderem aus gesundheitlichen Gründen in seine Heimat zurück und wohnte bis zu seinem Lebensende in Dresden. Am 2. Oktober 1901 wurde er Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Im April 1908 unternahm er eine Reise nach Italien.[3]

In seinen letzten Lebensjahren, bereits im Ruhestand, wandte sich Koch der Heimatforschung zu, besuchte wiederholt Oybin und das Lausitzische-Böhmische Gebirge. Mit dem Sekretär der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften (Richard Jecht) bzw. mit der Gesellschaft im Allgemeinen war er im regelmäßigen Briefkontakt. Für die Gesellschaft sei er von hohem Nutzen gewesen.

Jechts und Kochs Schriften und Briefe vereint betrachtet, so der Autor Kochs biographischer Darstellung, hätten sich würdig in Hermann Knothes Werk eingereiht.[3] Kochs Aufsätze wurden hauptsächlich im Neuen Lausitzischen Magazin und im Neuen Archiv für sächsische Geschichte veröffentlicht aber auch in den Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursions-Klubs, Mitteilungen des Vereins für sächsische Volkskunde, Zittauer Geschichtsblättern, Zeitschrift Bayerland und im Dresdner Anzeiger. Er sei einer der fleißigsten Benutzer der Sächsischen Landesbibliothek gewesen.[1]

Von Kochs Werken ist besonders seine zwischen 1868 und 1898 in 16 Auflagen erschienene Griechische Schulgrammatik bekannt geworden. Außerdem verfasste er um das Jahr 1871 eine Schrift, die die Öffentlichkeit auf die Uraufführung Richard Wagners Oper Der Ring des Nibelungen in Bayreuth vorbereiten sollte.[3] Koch erzählte aus den ältesten Überlieferungen der Nibelungensage und analysierte sie zugleich.[1] Auf Friedrich Nietzsches, Karl Simrocks und Moritz Heynes Urteil hin, wurde Koch für dieses Werk ausgezeichnet. Außerdem forschte er im Speziellen über Bartholomäus Scultetus und das Görlitzer Franziskanerkloster.[3]

Später untersuchte Koch auch die Sage vom Kyffhäuser um Kaiser Friedrich.

Er war lutherischer Konfession.[2]

Werke (Auswahl)

  • Griechisches Elementarbuch zur Vorbereitung auf die Anabasislektüre. B. G. Teubner, Leipzig 1894.[4]
  • Griechische Schulgrammatik auf Grund der Ergebnisse der vergleichenden Sprachforschung. 16 Auflagen (1868–1898). (Volltext: 11. Auflage).
  • De H sive litera sive nota Latina Germanica Romanica observationes: Carlo Hermanno Loewe – Illustris apud Grimam Moldani Professoi II. collegae conjunctissimo die XXIV. Ym. Februar. Anni MDCCCLXXI. feliciter peracta muneris scholastici quinque lustra Rectoris et Collegarum nomine gratulaturus scripsit Dr. Ernestus Koch. Grimae, C. Roesserli (Volltext).
  • Richard Wagner’s Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen in seinem Verhältnis zur alten Dage wie zur modernen Nibelungendichtung. C. F. Kahnt, Leipzig 1875 (Volltext).
  • Die Sage vom Kaiser Friedrich im Kiffhäuser nach ihrer mythischen, historischen und poetischnationalen bedeutung erklärt. Grimma 1880 (Volltext).

Literatur

  • Dr. Ernst Koch in: Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin 96. Görlitz 1920. S. 147–149 (Online).
  • Hubert Ermisch: Ernst Koch in: Hubert Ermisch (Hrsg.): Neues Archiv für sächsische Geschichte und Altertumskunde, Band 41. Dresden 1920. S. 192 (Online).
  • Karl Zimmermann: Prof. Dr. Ernst Gustav Koch in: Mittheilungen des Nordböhmischen Vereines für Heimatforschung und Wanderpflege (früher: Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursions-Klubs), 43. Jahrgang. Leipa 1920. S. 40 (Online).
  • Professor Dr. Koch, Ernst Gustav in: Rückblicke auf das livländische Landesgymnasium Kaiser Alexander II zu Birkenruh. Riga 1892. S. 139–140 (Online).

Einzelnachweise

  1. a b c d Hubert Ermisch: Ernst Koch. In: Hubert Ermisch (Hrsg.): Neues Archiv für sächsische Geschichte und Altertumskunde. Band 41. Dresden 1920, S. 192 (slub-dresden.de).
  2. a b c Rückblicke auf das livländische Landesgymnasium Kaiser Alexander II zu Birkenruh. Riga 1892, Professor Dr. Koch, Ernst Gustav, S. 139 (google.de).
  3. a b c d e Dr. Ernst Koch. In: Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin. Band 96. Görlitz 1920, S. 147–149 (slub-dresden.de).
  4. Ernst Koch: Griechisches Elementarbuch zur Vorbereitung auf die Anabasislehre von Dr. Ernst Koch, Inspektor am Petri-Pauli-Gymnasium zu Moskau. In: Mitteilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in Leipzig. 27. Jahrgang, 1894, S. 11 f. (Digitalisat in der Google-Buchsuche).