Ernst Kelter

Ernst Heinrich Kelter (* 11. Dezember 1900 in Gelsenkirchen; † 31. Dezember 1991) war ein deutscher Wirtschaftsgeograph, Wirtschaftshistoriker, Volkswirt, Kommunalpolitiker während der Zeit des Nationalsozialismus und Hochschullehrer.

Leben

Nach dem Besuch der Oberrealschule in Homberg und dem Notabitur 1919 absolvierte Kelter zunächst eine Banklehre und arbeitete als Bankangestellter. Anschließend studierte Kelter Volkswirtschaft sowie Wirtschaftsgeschichte in Bonn und München und schloss dieses Studium 1931 als Diplom-Volkswirt und mit einer Promotion ab. Er wurde wissenschaftlicher Assistent am Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bonn.

Zum 15. Dezember 1925 trat Kelter der NSDAP bei.[1] Später wurde er Mitglied der SA. Vermutlich auf Vermittlung seines Bruders Will Kelter, der Ortsgruppenführer der NSDAP in Duisburg war, wurde er am 11. Mai 1933 als Nachfolger von Karl Jarres zum kommissarischen Oberbürgermeister der Stadt Duisburg-Hamborn ernannt.[2] Am 16. Mai wurde er offiziell in sein Amt eingeführt und am 10. August 1933 von der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Am 3. Dezember 1934 legte er sein Amt nieder.[3] Am 1. Januar 1935 wurde Just Dillgardt sein Nachfolger.

Ab dem 1. Januar 1935 war Kelter Lehrbeauftragter an der Universität Bonn und nach der Habilitation 1936 dort Dozent. Am 1. Oktober 1937 nahm Kelter einen Ruf als Professor für Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftsgeografie an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München an. Daneben war er auch Mitglied des Verwaltungsausschusses der Universität sowie anderer Universitätsgremien.[4]

Zugleich war er als Nachfolger von Jakob Strieder auch Direktor am Seminar für Wirtschaftsgeschichte an der Universität. Während seiner Lehrtätigkeit beschäftigte er sich insbesondere mit wirtschaftlichen Grundlagen historischer Ereignisse wie den Bauernkriegen und legte seinen Forschungsschwerpunkt auf das Spätmittelalter sowie die Frühe Neuzeit.

1938 wurde Kelter auch Mitglied des Universitätsausschusses für die Aberkennung der Doktorwürde.[5]

Im September 1939 wurde er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft, die die im Rahmen der Expansion des NS-Regimes erfolgte Ausdehnung ihres Machtbereichs auf andere europäische Länder durch eine Konzeption der „Neuordnung Europas“ und der Herausbildung von Methoden zur Bildung eines europäischen „Großwirtschaftsraums“ unter deutscher Führung untermauern sollte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er 1945 entlassen und verlor 1947 seinen Lehrstuhl an Friedrich Lütge. Im Rahmen der Entnazifizierung wurde er in den sogenannten „Franklin D. Roosevelt Office Files 1933-1945“ als Schlüsselfigur des NS-Regimes eingeordnet.[6]

Später kehrte er an den Niederrhein zurück und beschäftigte sich dabei mit Heimatforschung sowie historischen lokalgeschichtlichen Persönlichkeiten wie Emil Wilhelm Krummacher.[7]

Veröffentlichungen

  • Die Wirtschaftsgesinnung des mittelalterlichen Zünftlers. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reiche ; 56.1932,4. 1932.
  • Die obrigkeitliche Preisregelung in der Zeit der mittelalterlichen Stadtwirtschaft. Fischer, Jena 1935.
  • Die Juden in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. In: Abhandlungen zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte : Festschrift. 1941, S. 581–588.
  • Die wirtschaftlichen Ursachen des Bauernkrieges. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft.65 (1941) 1941, S. 641–682.
  • Das deutsche Wirtschaftsleben des 14. und 15. Jahrhunderts im Schatten der Pestepidemien. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik.165, Nr. 2/3 1953, S. 161–208.
  • Chronik der Gemeinde Rheinkamp. Geschichte einer niederrheinischen Gemeinde. Brendow und Sohn, Duisburg 1960.

Einzelnachweise

  1. Horst Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816–1945. Droste, Düsseldorf 1994, S. 565. Mitgliedsnummer 25.501 laut Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/19750393.
  2. Georg Holländer: Kunstpolitik und „Modernisierung“ in Duisburg, 1927–1934. In: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Kaufmann (Hrsg.): Moderne und Nationalsozialismus im Rheinland. Vorträge des Interdisziplinären Arbeitskreises zur Erforschung der Moderne im Rheinland, Schöningh, Paderborn 1997, S. 361–376, hier S. 375.
  3. Günter von Roden: Geschichte der Stadt Duisburg. Teil 2. Die Ortsteile von den Anfängen, die Gesamtstadt seit 1905. Braun, Duisburg 1974, S. 385f.
  4. Universität München: Personenstand zum 31. Oktober 1941 (PDF; 6,0 MB)
  5. Stefanie Harrecker: Degradierte Doktoren: die Aberkennung der Doktorwürde an der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2007, S. 70, ISBN 3-8316-0691-9 (Vorschau in der Google-Buchsuche)
  6. „Franklin D. Roosevelt Office Files 1933–1945“, S. 50
  7. Uwe Eckardt: KRUMMACHER, Emil Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 713–714.