Ernst Ebbinghaus

Ernst Ebbinghaus (geboren am 23. Dezember 1889 in Holzwickede; gestorben am 26. November 1958 in Lünen) war ein deutscher Oberbergrat, der im Auftrag des militärischen Geheimdienstes Abwehr beim Überfall auf Polen 1939 ein Freikorps in Schlesien führte.

Werdegang

Zwischen 1913 und 1925 war Ebbinghaus beim Oberbergamt in Dortmund, von 1925 bis 1934 beim Handelsministerium in Berlin und von 1935 bis 1938 Oberbergrat beim Oberbergamt Breslau. 1938 wurde er vorübergehend für Sonderaufgaben bei der Abwehr aus dem Staatsdienst entlassen.

Abwehr und Wehrmacht

Ernst Ebbinghaus war bereits 1938 Beauftragter der Abwehr im „Sudetenland“. Er kam dort aber nicht zum Einsatz. Im Rahmen der Vorbereitungen auf den Krieg mit Polen hatte Hitler Anfang 1939 grünes Licht für den „Fall Weiß“ gegeben. Darauf begann die Abwehr mit geheimen Rekrutierungen. Einer davon war der Oberbergrat Ernst Ebbinghaus in Beuthen (heute Bytom) im Januar 1939, der dort zum Leiter der örtlichen Grubenrettungsstation ernannt wurde.[1] Ebbinghaus gelangte so an detailliert Pläne der auf polnischer Seite gelegenen Bergwerke, da er mit dem polnischen Bergwerksdienst zusammenarbeitete.

Zusammen mit Hauptmann Maximilian Fleck von der Abwehrstelle Breslau warb Ebbinghaus mehrere Hundert Mann an, um bei Kriegsbeginn die polnischen Gruben in Oberschlesien vor Zerstörung zu sichern. Darunter waren etliche Sudetendeutsche aus der Zeit von Ebbinghaus 1938 im Sudetenland.

Im August 1939 wurde Ebbinghaus als Reserve-Hauptmann zur Wehrmacht einberufen und übernahm das „Freikorps Ebbinghaus“. Seine insgesamt 500 bis tausend Mann starke Streitmacht war mit Armbinden kenntlich gemacht und Teil der regulären Truppe und sollte die polnischen Bergwerke einnehmen, um Sabotageakte der Polen zu verhindern. Am 1. September morgens überschritten Ebbinghaus’ Einheiten unter dem Codewort „Falke“ die polnisch-deutsche Grenze und griffen ausgewählte Industrieanlagen im polnischen Teil von Schlesien an.

Teileinheiten attackierten Industrieanlagen in Chorzów und das Bergwerk „Michał“ (ehemals „Max“) in Michałkowice an. Eine andere Teileinheit operierte in den Regionen Brzeziny Śląskie und Piekary Śląskie und griff dortige Bergwerke an, während eine weitere Einheit das Bergwerk und das Stahlwerk im nahegelegenen Buchacz attackierte. Eine weitere Einheit griff das Stahlwerk in Łagiewniki an. Eine von SA-Standartenführer Hans Otto Ramdohr befehligte Einheit führte mit mehreren Untereinheiten einen Angriff auf Anlagen in Ruda Śląska aus.

Bei den Kämpfen gab es viele Tote auf beiden Seiten. Das „Freikorps Ebbinghaus“ wurde am 8. September 1939 wieder aufgelöst. Viele der Freikorpskämpfer gelangten später in die Sondereinheit Brandenburger der Abwehr.

Weiterer Werdegang

1939 kehrte Ebbinghaus in das Bergamtswesen zurück und war bis Kriegsende 1945 Direktor beim Grubenrettungswesen in Beuthen. Von 1946 bis mindestens 1950 war er als Oberbergrat im Dienst der Bergwirtschaftlichen Versuchsstrecke beim Oberbergamt Dortmund-Derne.

Literatur

  • Grzegorz Bębnik: Sokoły kapitana Ebbinghausa (Die Falken des Hauptmann Ebbinghaus), Libron, Warschau, 2014 (in Polnisch), 567 Seiten, ISBN 978-83-6514-806-3
  • Grzegorz Bębnik: Die Abwehrstation Breslau und ihre Aktivitäten im August und September 1939, S. 213–218 in Dariusz Gregorczyk: Nachrichtendienst und Spionageabwehr der Zweiten Polnischen Republik angesichts der Kriegsgefahr im Jahr 1939, Kattowitz/Warschau, 2020, 413 Seiten, ISBN 978-83-8183-059-1

Einzelnachweise

  1. Bębnik: Die Abwehrstation Breslau, S. 198.