Ernst-Hermann Ehlers
Ernst-Hermann Ehlers (* 2. Juni 1939 in Kiel; † 21. Februar 2009 in Rellingen) war ein deutscher Bauingenieur und Hochschullehrer.
Leben
Familie
Ernst-Hermann Ehlers entstammte einer norddeutschen Familie, in der sein Vater Hermann Ehlers als technischer Bundesbahnamtmann tätig war, während seine Mutter Berta als Hausfrau den Haushalt führte.
Am 18. Juli 1964 heiratete er die Lehrerin Anita (geb. Maß). Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor.
Ausbildung und akademische Karriere
Ehlers durchlief seine Schulausbildung in Sachsen-Anhalt sowie an mehreren schleswig-holsteinischen Bildungseinrichtungen. Von Herbst 1945 bis Herbst 1950 besuchte er die Volksschule in Arendsee in der Altmark. Es folgte ein kurzer Aufenthalt am Hermann-Tast-Gymnasium in Husum (November 1950 bis März 1951), bevor er zur Bismarckschule in Elmshorn wechselte, an der er von April 1951 bis Juni 1956 Schüler war. Seinen Schulabschluss mit dem Reifezeugnis erlangte er an der Herderschule in Rendsburg, die er von Juli 1956 bis Februar 1959 besuchte.
Während seiner Schulzeit sammelte Ehlers praktische Erfahrung in mehreren Bauunternehmen. Von März bis April 1959 sowie im August 1959 absolvierte er Praktika bei drei renommierten Baugeschäften in Rendsburg: L. Koth & Sohn, C. Bock sowie bis Oktober 1959 bei der H. Brandt KG[1]. Diese frühe Kontaktaufnahme mit der praktischen Seite des Bauingenieurwesens prägte sein späteres Verständnis für die Verbindung zwischen Theorie und Praxis.
Ehlers leistete seinen Wehrdienst in zwei Abschnitten ab. Von April bis August 1959 diente er beim Panzergrenadierbataillon 173[2] in Hamburg. Anschließend wechselte er zum Pionierbataillon 620[3] in Schleswig, wo er von September 1959 bis März 1960 diente.
Im Anschluss an seinen Wehrdienst begann Ehlers 1960 ein Studium der Naturwissenschaften an der Universität Kiel, das jedoch kurz darauf zugunsten eines Studiums des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität Braunschweig aufgegeben wurde. Das Studium des Bauingenieurwesens erstreckte sich über den Zeitraum von 1960 bis 1967.
Nach seinem Studienabschluss absolvierte Ehlers mehrere Positionen in der Praxis. Von Juni bis Dezember 1967 war er technischer Angestellter bei der Firma E. Wüster für Straßen- und Tiefbau in Salzgitter tätig. Bereits während des Studiums, von August bis November 1964, hatte er technische Erfahrung beim Tiefbauamt der Stadt Salzgitter gesammelt. Ein weiteres Praktikum als Angestellter absolvierte er von Februar bis März 1961 bei der Arbeitsgemeinschaft Tunnelbau in Rendsburg.
Die prägende Phase seiner wissenschaftlichen Karriere begann im Januar 1968, als Ehlers in den wissenschaftlichen Dienst am Lehrstuhl für Landstraßenbau, Erd- und Grundbau der Technischen Universität Braunschweig eintrat. Diese Position behielt er bis August 1970. Seine Spezialisierung auf Landstraßenbau und Grundbautechnik deutete bereits auf seine zukünftigen Forschungsschwerpunkte hin.
In dieser Zeit fertigte er auch umfangreiche Bodenuntersuchungen für die Straße route nationale No. 1 von Niamey - Zinder im Niger, mit einer Gesamtlänge von 113 km, für die Salzgitter Industriebau GmbH[4] durch.
Von September 1970 bis September 1972 war er als wissenschaftlicher Assistent am selben Lehrstuhl beschäftigt. Seine Leistungen führten dazu, dass er ab Oktober 1972 von Ordinarius Ernst Heinrich Wilhelm Mecke (1907–2006)[5] mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte eines Oberingenieurs beauftragt wurde. Am 1. Juni 1973 erfolgte seine offizielle Ernennung zum Oberingenieur an diesem Lehrstuhl.
In dieser Zeit fertigte er seine Dissertation mit dem Titel Möglichkeiten zu einer besseren Ausnutzung des natürlich vorkommenden Frostschutzmaterials für den Strassenbau unter besonderer Berücksichtigung der Frost-Tau-Wechsel Versuche an, die am 18. Juni 1975 abgeschlossen und mit dem Titel eines Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.) anerkannt wurde. Diese Arbeit legte den Grundstein für sein späteres Engagement in Fragen der Materialwiederverwendung und Ressourceneffizienz.
Berufliche Tätigkeit und Sachverständigentätigkeit
Ab 1973 übernahm Ehlers die Position des Laborleiters und Geschäftsführers der Firma Nordlabor GmbH[6] in Pinneberg, ein Unternehmen, das sich auf die Prüfung und Analyse von Baustoffen spezialisierte. Ab Januar 1976 war er alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer des Unternehmens.; er blieb bis 2004, bis er in den Ruhestand ging, Geschäftsführer der Firma Nordlabor.[7] Während dieser Zeit entwickelte sich Nordlabor zu einer anerkannten Einrichtung für Materialprüfungen im norddeutschen Raum.
Am 10. November 1977 wurde Ehlers zusätzlich zum Geschäftsführer der Firma Kemna Consult GmbH (siehe Kemna Bau) in Pinneberg ernannt.
Im Juli 1980 verlieh ihm die Industrie- und Handelskammer zu Kiel den Status eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für bituminöse Baustoffe. Er fertigte unter anderem Gerichtsgutachten für Amtsgerichte, Landgerichte sowie einem Oberlandesgericht an.
Internationale Facharbeit und Lehrtätigkeit
Neben seiner Tätigkeit in der Privatwirtschaft war Ehlers international tätig. So wirkte er bei mehreren Projekten der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mit, darunter Studien zum Ausbau von Straßen in Westafrika, insbesondere in der Republik Niger, in Mali und Kamerun.
Am 27. September 1994 verlieh ihm der Präsident der Fédération Européenne d'Associations Nationales d'Ingénieurs (FEANI) (siehe Föderation Europäischer Nationaler Ingenieurverbände) den Titel Europäischer Ingenieur (EUR ING), eine international anerkannte Qualifikation, die sein hohes fachliches Niveau bestätigte.
Ab dem Sommersemester 1995 erhielt Ehlers einen Lehrauftrag von der Universität Rostock für das Fachgebiet Bituminöse Baustoffe. Diese Lehrtätigkeit ermöglichte es ihm, seine umfangreiche praktische und theoretische Erfahrung an die nächste Generation von Ingenieuren weiterzugeben. 2000 wurde er an der Universität Rostock Honorarprofessor.
Schriften und wissenschaftliche Publikationen
Ehlers veröffentlichte mehrere Fachbeiträge und Studien, die sich mit innovativen Baustoffen und Umweltschutz im Straßenbau befassten. Seine Arbeiten behandelten unter anderem die Beurteilung teerhaltiger Ausbaumaterialien und die Entwicklung neuer Baustoffe für Straßen- und Hausbau. Ein Beitrag zum Thema Umweltschutz im Straßenbau wurde 1993 auf der East-West European Road Conference in Warschau präsentiert. Zudem verfasste er verschiedene geotechnische Berichte und Studien für internationale Infrastrukturprojekte.
Berufsverbandsmitgliedschaften und Ausschussarbeit
Ehlers war aktives Mitglied in mehreren berufsständigen Organisationen und Vereinigungen, die sein Engagement für die berufliche Weiterentwicklung und den kollegialen Erfahrungsaustausch dokumentierten, so war er unter anderem in:
- Vereinigung der Straßen- und Verkehrsingenieure, Schleswig-Holstein (VSVI)[8];
- Vereinigung zur sinnvollen Verwendung von Ausbauasphalt und Straßenaufbruch unter Berücksichtigung der Umweltschutzbelange e.V. (VSVA);
- Bundesverband unabhängiger Institute für bautechnische Prüfungen e.V. (BUP)[9];
- Verband der Prüfstellen in Schleswig-Holstein (VPSH)[10];
Darüber hinaus war er aktives Mitglied in mehreren Arbeitsausschüssen und Arbeitskreisen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV).
Schriften (Auswahl)
- Vol. Ill - Etude des sols Financement; Fonds europeen de developement Proj. No. 212 - 113 -16, für Rep. du Niger, Ministère des travaux publics, des transports, des mines et de l'urbanisme. 1969.
- Möglichkeiten zu einer besseren Ausnutzung des natürlich vorkommenden Frostschutzmaterials für den Strassenbau unter besonderer Berücksichtigung der Frost-Tau-Wechsel Versuche. 1975.
- Studie über den Ausbau der Straße Sevare - Gao, Sektion B Dr. Ing. Walter KG Essen und Denzinger KG Gelsenkirchen, für Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) mbH, Eschborn, 1975.
- Geotechnischer Bericht, Studie über den Ausbau der Straße Vaunde – Bafia Denzinger KG Gelsenkirchen, für Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) mbH, Eschborn. 1976.
- Geotechnische Probleme beim Straßenbau in Afrika. In: Schriftenreihe des Lehrstuhls für Bauwirtschaft und Baubetrieb der TU Braunschweig, Heft 7, 1979.
- Ein neuer Baustoff für den Straßen- und Hausbau. In: Schriftenreihe Lehrstuhl für Straßenwesen und Erdbau, Heft 6. 1982.
- Umweltschutz im Straßenbau, Beurteilung teerhaltiger Ausbaumaterialien. Environment protection in road construction, Assessment of recycled materials containing tar. In: The East-West European road Conference, Proceedings Volume 1, 22.–24. September 1993, Warschau.
Weblinks
- Eintrag im Katalogeintrag und Anhang/Dokumente zu Ernst-Hermann Ehlers im Catalogus Professorum Rostochiensium.
Einzelnachweise
- ↑ Geschichte. In: Heinrich Brandt GmbH & Co. KG. Abgerufen am 26. November 2025 (deutsch).
- ↑ Panzergrenadierbataillon 173 - 6. Panzergrenadierdivision. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Pionierbataillon 620 - 6. Panzergrenadierdivision. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Historie. In: ITS Salzgitter. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Ernst Heinrich Wilhelm Mecke. In: Technische Universität Braunschweig. 2. Oktober 2024, abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Geschichte. In: HNL - Ingenieur- und Prüfgesellschaft mbH. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Nordlabor 40 Jahre in Pinneberg. 2004, abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Startseite. In: VSVI. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Startseite. In: Bundesverband unabhängiger Institute für bautechnische Prüfungen e.V. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Historie. In: Vereinigung der Prüfingenieure für Standsicherheit und Brandschutz. Abgerufen am 26. November 2025.