Ernest Ludwig Stahl

Ernest (Ernst) Ludwig Stahl (* 10. Dezember 1902 in Senekal/Südafrika; † 14. September 1992 in Oxford) war ein deutsch-britischer Germanist, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer.[1]

Leben und Wirken

Der als Sohn deutscher Einwanderer in Südafrika geborene Ernest Ludwig Stahl besuchte bis 1920 das Gymnasium in Senekal. Nach seiner Reifeprüfung studierte er Anglistik, Germanistik und Latinistik und zwar von 1920 bis 1924 an der Universität Kapstadt, von 1925 bis 1927 an der University of Oxford (Wadham College) und anschließend von 1927 bis 1930 an den Universitäten Köln, Berlin und Heidelberg. Von 1930 bis 1932 studierte er an der Universität Bern. An der Universität Kapstadt erwarb er 1923 den Bachelor- und 1924 den Magistergrad. An der University of Oxford erwarb er 1927/28 einen Bachelor- und 1933 einen Magistergrad. Seine Promotion erfolgte 1932 an der Universität Bern bei Fritz Strich mit einer Arbeit über den deutschen Bildungsroman im 18. Jahrhundert.

Von 1930 bis 1932 war Stahl als Lektor für englische Sprache an der Universität Bern tätig. Bis 1935 arbeitete er als Assistent an der University of Birmingham und bis 1959 als Dozent für deutsche Sprache und Literatur an der University of Oxford. Von 1959 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand lehrte er als Professor an dieser Universität. Gastprofessuren hatte er an der Yale University (zwischen 1966 und 1977), der University of Kansas, Lawrence (1968) und der University of California, Davis (1969/70) inne.

Im Jahre 1980 verlieh ihm die University of Oxford die Ehrendoktorwürde.

Als Wissenschaftler beschäftigte sich Ernest Ludwig Stahl vor allem mit den Werken von Friedrich Hölderlin, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich von Kleist.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die religiöse und humanitätsphilosophische Bildungsidee und die Entstehung des deutschen Bildungsromans im 18. Jahrhundert (= Sprache und Dichtung, Bd. 56). Haupt, Bern 1934 (= Dissertation Universität Bern) (Reprint: Kraus, Nendeln/Liechtenstein 1970).
  • The genesis of Schiller's theory of tragedy. In: German studies. Presented to H.G. Fiedler by pupils, colleagues, and friends on his 75. birthday 28. April 1937. Clarendon Press, Oxford 1938, S. 403–423.
  • Hölderlin's symbolism. An essay. Blackwell, Oxford 1943.
  • Heinrich von Kleist's dramas. Blackwell, Oxford 1948 (Rev. ed. 1961).
  • Friedrich Schiller's drama. Theory and practice. Clarendon Press, Oxford 1954.
  • Schiller and the composition of Goethe's Faust. In: The Germanic review, Bd. 34 (1959), H. 3, S. 185–199.
  • Goethe: Iphigenie auf Tauris (= Studies in German literature, Bd. 7). Arnold, London 1961.
  • Creativity. A theme from Faust and the Duino Elegie. Clarendon Press, Oxford 1961.
  • (Hrsg.): The Oxford book of German verse from the 12th to the 20th century. 3. Aufl. Clarendon Press, Oxford 1967.
  • Hölderlin's "Friedensfeier" and the structure of mythic poetry. In: Oxford German studies, Bd. 2 (1967), S. 55–74.
  • (Hrsg., mit William E. Yuill): German literature of the eighteenth and nineteenth centuries (= Introductions to German literature, Bd. 3). Cresset Press, London 1970.
  • Hölderlins Auffassung von Dichtung. In: Ulrich Gaier/Werner Volke (Hrsg.): Festschrift für Friedrich Beißner. Rotsch, Bebenhausen 1974, S. 391–405, ISBN 3-87674-005-3.

Festschrift

  • Peter F. Ganz (Hrsg.): The discontinouus tradition. Studies in German literature in honour of Ernest Ludwig Stahl. Clarendon Press, Oxford 1971 (Bibliographie Ernest Ludwig Stahl S. 273f.)

Einzelnachweise

  1. Jill Hughes: Stahl, Ernest Ludwig. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 3. De Gruyter, Berlin 2003, S. 1778f., ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).