Erna Arnhold
Erna Arnhold (* 8. November 1881 in Berlin; † 6. März 1965 in Berlin-Lichterfelde) war eine deutsche Reiseschriftstellerin, Fotografin, Kunstsammlerin und Radiopublizistin.[1]
Leben in Berlin und Weltreisen
Erna Arnhold wurde 1881 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Julius Grabowsky und seiner Frau Margarethe in Berlin geboren. 1902 heiratete sie den Unternehmer Eduard Hermann Arnhold.[2] Zwischen 1902 und 1932 lebte das Paar in der Matthäikirchstraße 12 im Berliner Tiergartenviertel, einem Zentrum des kulturellen Lebens der Stadt. Als Nichte des bekannten Kunstmäzens Eduard Arnhold war sie in der Berliner Kulturszene des frühen 20. Jahrhunderts gut vernetzt.[3]
Arnhold unternahm zahlreiche Reisen, insbesondere nach Asien, Nordafrika und Amerika, die sie in Fotografien, Zeitungsartikeln, Sachbüchern und Radiovorträgen dokumentierte. Neben ihrer Reisetätigkeit widmete sie sich dem Sammeln ostasiatischer Kunstgegenstände. Ihre zweite große Leidenschaft war die Geschichte des alten Berlins, über die sie in Radiosendungen berichtete und publizierte. Arnhold war Mitglied in zahlreichen Wissenschaftsgesellschaften, u. a. in der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin, in der Deutschen Gesellschaft für Ostasiatische Kunst und in der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.[4]
NS-Verfolgung, Flucht in die USA, Rückkehr nach Berlin
Erna Arnhold wurde in der NS-Zeit aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und zur Emigration gezwungen. Ihre Wohnung in der Matthäikirchstraße im Berliner Tiergartenviertel musste sie 1932 aufgeben, kurz bevor das Viertel systematisch „arisiert“ und kulturell zerstört wurde.[4] 1939 flüchtete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann über die Schweiz, Großbritannien und Jamaika in die USA, wo sie bis Mitte der 1950er Jahre in Los Angeles im Exil lebten. Ihr Umzugsgut wurde 1941 von der Gestapo im Hamburger Hafen beschlagnahmt und dann versteigert.[5] In den Kriegsjahren setzte sie sich vergeblich dafür ein, dass auch ihr Bruder Adolf Grabowsky, der mit seiner Familie in die Schweiz geflüchtet war, in die USA kommen konnte.[6] Mitte der 1950er Jahre kehrte Erna Arnhold nach Berlin zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1965 in Lichterfelde lebte.[7]
Werk und Wirkung
Erna Arnhold gehört zu den Frauen, die vor und nach dem Ersten Weltkrieg in verschiedenen Medien öffentlich als Weltreisende auftraten und sich als Kulturvermittlerinnen verstanden. Besonders bedeutend ist ihr Buch „Goethes Berliner Beziehungen“, das für die Goetherezeptionsforschung Maßstäbe gesetzt hat und auch ihre Liebe zu Berlin bezeugt.
Nachlass und Rezeption
Erna Arnholds Nachlass ist nicht erhalten. Einzelne briefliche Dokumente finden sich im Deutschen Exilarchiv, im Deutschen Literaturarchiv Marbach, im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar und im Theatermuseum Düsseldorf. Im Jahr 2025 widmete das Peter-Szondi-Institut der Freien Universität Berlin ihr eine Ausstellung unter dem Titel „Erna Arnhold (1881–1965): Eine Berlinerin auf Reisen“.[7]
Publikationen (Auswahl)
- Eine Hochzeit auf den Philippinen. In: Berliner Tageblatt. 8. Beiblatt: Frauenrundschau. Nr. 654, 15. Dezember 1909, S. 33 (Deutsches Zeitungsportal [abgerufen am 16. November 2025]).
- Über das Familienleben der Chinesen und Japaner. In: Berliner Tageblatt. 4. Beiblatt: Frauen-Rundschau. Nr. 127, 11. März 1911, S. 17 (Deutsches Zeitungsportal [abgerufen am 16. November 2025]).
- Alt-Berlins Tore. Zum Vortrag am 27. August 1925 in der Funk-Stunde. In: Die Funkstunde. Zeitschrift der Berliner Rundfunksendestelle. Nr. 34, 23. August 1925, S. 674.
- Goethes Berliner Beziehungen. L. Klotz, Gotha 1925 (455 S., Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften [PDF; abgerufen am 16. November 2025]).
- Die deutsche Frau auf den Philippinen. In: Honnefer Volkszeitung. Unpaginierte Wochenbeilage: Aus dem Reich der Frau. Nr. 198, 29. August 1927 (Deutsches Zeitungsportal [abgerufen am 16. November 2025]).
- Was ich in China sah (= Draußen in fernen Ländern. Band 1). Hirt, 1927, ZDB-ID 2135626-9 (30 S.).
- Was ich in Ägypten sah (= Draußen in fernen Ländern. Band 2). Hirt, 1927, ZDB-ID 2135626-9 (38 S.).
- Was ich in Palästina sah (= Draußen in fernen Ländern. Band 3). Hirt, 1927, ZDB-ID 2135626-9 (39 S.).
- Was ich in Spanien sah (= Draußen in fernen Ländern. Band 4). Hirt, 1928, ZDB-ID 2135626-9 (39 S.).
- Was ich in Ceylon sah (= Draußen in fernen Ländern. Band 5). Hirt, 1927, ZDB-ID 2135626-9 (39 S.).
- Was ich in Japan sah (= Draußen in fernen Ländern. Band 6). Hirt, 1927, ZDB-ID 2135626-9 (46 S.).
Einzelnachweise
- ↑ Arnhold, Erna. In: Deutsche Biographie. Abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849–1925). Eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-05-003748-6, S. 329, Anm. 38 (413 S.).
- ↑ Michael Dorrmann: Eduard Arnhold (1849–1925). Eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-05-003748-6, S. 209.
- ↑ a b Erna Arnhold – Weltreisende und Kunstsammlerin aus dem Tiergartenviertel. In: Staatliche Museen zu Berlin. 12. Oktober 2025, abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ LostLift Datenbank - Deutsches Schifffahrtsmuseum. Abgerufen am 8. November 2025.
- ↑ Erna Arnhold. In: archivportal-d.de. Abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ a b Ausstellung: "Erna Arnhold(1881–1965): Eine Berlinerin auf Reisen". In: Freie Universität Berlin. Abgerufen am 2. November 2025.