Erispoë

Erispoë (lateinisch: Herispoius, Herispogius, Respogius; † 2. oder 12. November 857 in Talensac) war von 851 bis zu seinem Tod Herrscher der Bretagne. Nach dem Tod seines Vaters Nominoë führte er einen erfolgreichen Feldzug gegen die Franken, der in seinem Sieg in der Schlacht von Jengland gipfelte.

Zu den überlieferten Titeln Erispoës gehören provinciæ Brittaniæ princeps („Fürst der Provinz Bretagne“), dux Brittonum („Herzog der Bretonen“) und Rex tyrannicus Brittonum („Usurpator der Bretonen“). Wenn Erispoe jedoch zu dieser Zeit (857) die Königswürde in der Bretagne usurpierte, ist dies in anderen Quellen nicht belegt. Es könnte auf eine anhaltende Ablehnung des Titels durch die Franken hindeuten.[1] Er wurde von Regino von Prüm (gest. 915) als „rex Brittonum“ („König der Bretonen“) bezeichnet.

Leben

Erispoë war der Sohn von Nominoës Frau Argentaela, sein Geburtsdatum ist jedoch nicht bekannt. Er war an den Feldzügen seines Vaters beteiligt, um die fränkischen Grafschaften Rennes und Nantes unter seine Kontrolle zu bringen. Im Jahr 843 übernahm Erispoe in Zusammenarbeit mit Lambert II. von Nantes das Kommando über die bretonische Armee, während sein Vater krank war. Lambert war als Herrscher von Nantes durch Karl den Kahlen, König des Westfrankenreichs, verdrängt worden, der Renaud d'Herbauges an seiner Stelle eingesetzt hatte. Erispoe wurde von Graf Renaud in einen Hinterhalt gelockt und erlitt bei der ersten Schlacht bei Messac eine schwere Niederlage. Die Bretonen sammelten jedoch ihre Truppen und überraschten die selbstgefälligen Franken kurz darauf in der Schlacht von Blain, wo sie ihnen eine schwere Niederlage zufügten, die zum Tod von Graf Renaud führte.

Nachdem Nominoë wieder gesund war, übernahm er erneut das Kommando. Der Sieg bei Blain sicherte ihm die Kontrolle über Nantes und Rennes, woraufhin er in fränkisches Gebiet einfiel und die Franken 845 in der Schlacht von Ballon besiegte. Es folgte ein Waffenstillstand, aber nachdem Karl die Kontrolle über Nantes zurückerlangt hatte, starteten Nominoë und sein Sohn 849 eine neue Offensive. Als Nominoëauf einem Feldzug gegen das Heer Karls des Kahlen fiel, wurde Erispoë wurde zum neuen Anführer der Bretonen[2], doch unmittelbar nach dem Tod seines Vaters wurde seine Macht von Karl dem Kahlen, der weiterhin sein nomineller Lehnsherr war, infrage gestellt. Erispoë überquerte schließlich mit einer Armee den Fluss Vilaine und besiegte Karl in der entscheidenden Schlacht von Jengland am 22. August 851.

Erispoë traf Karl in Angers (möglicherweise im geheimen)[3] in den Tagen nach der Schlacht und schloss einen Friedensvertrag, als Gegenleistung dafür, dass ihm die Grafschaften Rennes und Nantes übertragen wurden. Südlich der Loire wurde das Pays de Retz von der Grafschaft Poitou abgetrennt und ihm ebenfalls übertragen.[4] Karl und Erispoë schlossen auch ein Taufbündnis, wobei Karl bei der Taufe von Erispoës kleinem Sohn Conan als Pate fungierte, aber ob dies 851 oder 856 geschah, ist unbekannt. Schließlich schenkte Karl im Jahr 851 Erispoë die königlichen Insignien (zumindest die Roben), und Erispoë schwor Karl im Gegenzug mit Handschlag und Treueeid seine Treue. Anschließend überaß sich Erispoë bei dem zu seinen Ehren gegebenen Bankett.[3]

Erispoë lebte während der gesamten Regierungszeit Karls nach Jengland in Frieden mit ihm und regierte wie ein typischer karolingischer Regionalbeamter, mit der zusätzlichen Würde eines consors regni (königlicher Gemahl). Erispoës Verwendung eines königlichen Siegels hat zu der Annahme geführt, er sei ein König (rex) gewesen.[5] Laut den Annales Bertiniani wurde im Februar 856 in Louviers Erispoës Tochter (in den Quellen nicht namentlich genannt) mit Karls jungem Sohn Ludwig dem Stotternden verlobt, dem als Unterkönig von Neustria mit Le Mans als Hauptstadt das ducatus Cenomannicus übertragen wurde.[6]

Erispoë musste sich auch gegen die Wikinger verteidigen, die 853 Nantes plünderten. Er ging ein Bündnis mit dem Wikingeranführer Cedric ein und lieferte sich erbitterte Schlachten. Einige der Invasoren verließen daraufhin die Bretagne und zogen zur Seinemündung, während andere flussabwärts von Redon zur Vilaine zogen und das Hinterland verwüsteten.[2] Erispoë war wie schon sein Vater ein Wohltäter der Abtei von Redon; seine Machtbasis lag im Vannetais und im Südosten der Bretagne (noch östlicher als die seines Vaters).[7]

Tod

Die Verkündung der Verlobung von Erispoës Tochter mit dem Sohn Karls des Kahlen im Jahr 856 ließ den ehrgeizigen Fürsten Salomon um seine Pfründen fürchten. Diese Verbindung missfiel auch einem Teil des bretonischen Adels, der das Bündnis mit den Franken mit Argwohn betrachtete. Im November 857 wurde er am Altar einer Kirche, die damals als Ort der Asylgewährung galt, von seinem Cousin und Nachfolger Salomon ermordet, unterstützt von einem unbekannten Almarchus (Almarus).[8][2] Er wurde in der Abtei von Redon beigesetzt.

Familie

Mit seiner Frau Marmohec (die vor ihm verstarb) hatte er mindestens zwei Kinder, den bereits erwähnten Conan und eine Tochter, die später Gurvand von Rennes heiratete.

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Einzelnachweise

  1. Julia M. H. Smith (1992), Province and Empire: Brittany and the Carolingians (Cambridge: Cambridge University Press).
  2. a b c Érispoë premier roi de Bretagne | Histoire de la Bretagne. Abgerufen am 18. November 2025.
  3. a b Julia M. H. Smith (1992) S. 110 –111
  4. Julia M. H. Smith (1992) S. 87
  5. Julia M. H. Smith (1992) S. 117
  6. Julia M. H. Smith (1992) S. 112–113
  7. Julia M. H. Smith (1992) S. 130/35
  8. Julia M. H. Smith (1992) S. 103