Erich von Woedtke

Erich Felix Franz Viktor von Woedtke (* 9. April 1847 in Sydow; † 22. Februar 1902 in Wiesbaden[1]) war ein deutscher Jurist und Verwaltungsbeamter.

Werdegang

Woedtke entstammte dem pommerschen Adelsgeschlecht Woedtke. Seine Eltern waren der Gutsherr auf Sydow A Franz von Woedtke (1818–1853) und dessen Ehefrau Anna Freiin von Roberts (1820–1904), Tochter der Fanny Charlotte Auguste von Saint Julien und des Majors August Freiherr von Roberts. Die Eltern heirateten in Schwedt. Erich von Woedtke hatte Geschwister, der preußische Generalleutnant[2] Axel von Woedtke (1848–1920) war sein jüngerer Bruder.

Erich von Woedtke studierte Rechtswissenschaft an der Königlichen Universität zu Greifswald, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, ehe er 1874 als Staatsanwalt und Gerichtsassessor in Mohrungen seine erste Anstellung antrat. Ab 1876 war er als Regierungsassessor in Köslin, Bromberg und Königsberg tätig. 1881 wurde er in das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe berufen, wo er 1882 zum Regierungsrat aufstieg. 1884 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt und damit Vortragender Rat im Reichsamt des Innern. 1889 wurde er zum Oberregierungsrat befördert und 1896 übernahm er als Direktor die Leitung der Sozialpolitischen Abteilung im Reichsamt des Innern.

Von Woedtke arbeitete an der Ausarbeitung des am 6. Juli 1884 erlassenen Unfallversicherungsgesetzes mit. Begleitend veröffentlichte er einen Gesetzeskommentar und war damit Begründer des Typus des sogenannten Referentenkommentars im Sozialversicherungsrecht. In Folge von Anordnungen, Erlassen und Rundschreiben des Reichsversicherungsamts veröffentlichte er innerhalb von drei Jahren bis 1889 vier erweiterte Auflagen des Kommentars. 1889 war er zuständiger Referent – und damit hauptverantwortlich – für das Gesetz, betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung, mit dem die weltweit erste gesetzliche Rentenversicherung eingeführt und geregelt wurde. Gemeinsam mit Robert Bosse veröffentlichte er hier 1891 ebenso einen Referentenkommentar.

Unter von Woedtkes Leitung wurde 1899 die sogenannte Zuchthausvorlage, ein unter dem Titel „Gesetz zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses“ geplantes Gesetz zur Verfolgung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung, ausgearbeitet. In diesem Zusammenhang wurde finanzielle Unterstützung durch die Industrie ersucht, dabei nahm er 12.000 Reichsmark für eine Propagandakampagne entgegen. Im Zuge des durch die Presse aufgedeckten Skandals musste er seinen Posten im Ministerium räumen – in der Presse wurde er dabei sinngemäß als Bauernopfer für seinen Vorgesetzten Arthur von Posadowsky-Wehner gesehen[1] – und wurde zum Gründungspräsidenten des durch Erlass des Reichsgesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901 neu geschaffenen Kaiserlichen Aufsichtsamts für Privatversicherung. Franz Erich Caspar wurde zu seinem Nachfolger als Direktor im Reichsamt des Innern.

Nach von Woedtkes überraschendem Tod während eines mehrwöchigen Kuraufenthalts aufgrund eines Nierenleidens Anfang 1902 übernahm Ernst Gruner die Nachfolge an der Spitze des Aufsichtsamts.

Familie

Erich von Woedtke heiratete 1878 in Elditten Elisabeth von Hatten (1855–1905), Tochter des Offiziers und Fideikommissherrn Kasimit von Hatten-Lemitten und der Adelheid von Strachowski. Elisabeth und Erich von Woedtke hatten vier Kinder. Der älteste Sohn war Franz (1880–1944), die Töchter Erika und Anni blieben unverheiratet, der Sohn Alexander von Woedtke (* 1889) wurde Erbe von Gut Sydow A,[3] baute ab 1931 die SS in Ostbrandenburg[4] mit auf und war nachfolgend u. a. SS-Führer in Pommern und Schlesien,[5], als SS-Standartenführer beim Selbstschutz, zuletzt[6] mit dem Dienstgrad eines SS-Oberführers.[7] Zeitweise agierte dieser als Polizeipräsident.

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Literatur

  • Fußnote 54, In: Florian Tennstedt: „Franz Caspar und die Reichsversicherungsordnung“ aus: Die Sozialgerichtsbarkeit. 22 (1975), Heft 13, Chmielorz, Wiesbaden 1975, S. 522–530.
  • Walter von Hueck, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1971. Band XI, Band 49 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1971, ISSN 0435-2408, S. 480–481.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1939. Jg. 38, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 628–629. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1923. Jg. 24, Justus Perthes, Gotha 1922, S. 727–728. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).

Einzelnachweise

  1. a b Münchner Neueste Nachrichten: „Präsident v. Woedtke †“ vom 24. Februar 1902, S. 2.
  2. Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres auf Grund der Ranglisten von 1914 mit den inzwischen eingetretenen Veränderungen. 1926. In: Deutscher Offiziers-Bund (Hrsg.): Ranglisten. Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1. Mai 1925, S. 695–1258 (d-nb.info).
  3. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern. 1914. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz mit Angaben der Guts-Eigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Handbuch der Königlichen behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: GAB: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Verlag der Reichenbach’schen Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 200–201.
  4. Gerd Rühle: Kurmark. Geschichte eines Gaues. Verlag Alfred Lindemann, Berlin 17./18. Juni 1934, u. a. S. 54, u. S. 68.
  5. Personalabteilung des Reichsführers = SS (Hrsg.): Dienstaltersliste der Schutzstaffel der N.S.D.A.P. (SS). Stand 1. Oktober 1934. Reprint Auflage. Privates Institut für Deutsche Phaleristik und Militärgeschichte. Druck: Buchdruckerei Birkner, vorm. Hermes, Berlin, München, Osnabrück 1934, ISBN 3-95868-056-9, S. 8–9 (d-nb.info).
  6. Christian Jansen, Arno Weckbecker: Der "Volksdeutsche Selbstschutz" in Polen 1939/1940. Auflage Online-Ressource, R. Oldenbourg, München 1992. ISBN 3-486-64564-1. Reprint: Walter de Gruyter, Berlin 2010. S. 205.
  7. Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP. Stand 9. November 1944. In: SS-Personalamt. Nur für den Dienstgebrauch (Hrsg.): SS DAL. Auszug SS-Oberst-Gruppenführer bis SS-Standartenführer Auflage. Reprint Privates Institut für Deutsche Phaleristik und Militärgeschichte, Osnabrück, Berlin Reichsdruckerei 2016, ISBN 978-3-95868-060-9, S. 29 (d-nb.info).