Erich Rohde (Grafiker)
Erich Rohde (* 11. April 1926 in Berlin; † 19. Juni 2013 ebenda) war ein deutscher Gebrauchsgrafiker und Buchgestalter.
Leben und Werk
Rohde wurde als zweites Kind des Technikers Otto Rohde und seiner Ehefrau Martha geborene Schulz in Berlin geboren. 1929 zog die Familie nach Falkensee, wo er zuerst die Volksschule und später die Oberschule besuchte.
Ab Februar 1943 erfolgte parallel zum reduzierten Schulunterricht der Einsatz als Luftwaffenhelfer. Im Februar 1944 legte er die Abiturprüfung ab und wurde anschließend zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet, den er im Kreis Ortelsburg und im Regierungsbezirk Zichenau absolvierte. Am 23. Mai 1944 musste er zur Wehrmacht einrücken und er nahm somit als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil, war zunächst im besetzten Dänemark bei Esbjerg stationiert und später im Kampfeinsatz an der Ostfront in Polen. Nach raschem Rückzug seiner Einheit wurde er schließlich im Februar 1945 am Westufer der Oder bei Küstrin durch Granatsplitter schwer verwundet. Nach Operation in Seelow transportierte man ihn von Müncheberg aus in einem Lazarettzug nach Arolsen, wo er im Lazarett im nahegelegenen Helsen schließlich in amerikanische Kriegsgefangenschaft fiel. Diese verbrachte er in den Monaten April und Mai 1945 im Rheinwiesenlager bei Remagen unter freiem Himmel. Anschließend erfolgte der Transport mit Lastkraftwagen über Charleroi in Belgien nach Frankreich, zunächst nach Bolbec bei Le Havre, von dort dann nach Chartres, wo die Amerikaner ihn und seine Mitgefangenen im Sommer 1945 schließlich an die Franzosen übergaben. In französischer Kriegsgefangenschaft wurde er dem Depot 61 in Langres zugeteilt, von wo aus die Gefangenen in verschiedene Arbeitskommandos kamen. Aus der Gefangenschaft unternahm er zwei Fluchtversuche, die jedoch beide scheiterten. Im Lager lernte er die Mitgefangenen Gerhard Kurt Müller und Werner Ruhner kennen, und alle drei beschlossen Grafiker zu werden.
Nach seiner Anfang 1948 erfolgten Entlassung und anschließenden Heimkehr, arbeitete Rohde zunächst in Falkensee als Zeichner in einem Werbe- und Modellbauatelier. Von 1949 bis 1953 studierte er Schrift- und Gebrauchsgrafik an der Meisterschule für Grafik und Buchgewerbe in Berlin, der späteren Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin-Oberschöneweide. Danach arbeitete er kurzzeitig in Berlin freischaffend als Gebrauchsgrafiker, wobei er erstmals Aufträge vom Aufbau-Verlag erhielt. Noch 1954 stellte der Verlag ihn ein. Anfangs arbeitete er unter Heinrich F. S. Bachmaier in der Werbeabteilung. Dort gestaltete er u. a. die Hauszeitschrift des Verlags Der Bienenstock. Schon nach einem halben Jahr wechselte er zu Karl Gossow in das Graphische Atelier des Verlags. Er wurde bald Gossows engster Mitarbeiter und war nach dessen Ableben von 1962 bis 1964 Leiter des Ateliers. 1957 wurde er mit dem Schutzumschlag zu Hermann Hesses Narziß und Goldmund erstmals im Wettbewerb Schönste Bücher der DDR ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen folgten.
Nachdem der Verlag mit Rütten & Loening zusammengelegt worden war, wurde Rohde Stellvertreter des künstlerischen Leiters Heinz Hellmis. Er wirkte als Buch- und Schriftgrafiker maßgeblich am buchgestalterischen Erscheinungsbild der beiden Verlage mit.
Rohde war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.
1991 ging er in die Altersrente. Er gab jedoch noch einen Tag pro Woche seine Erfahrungen an Ute Henkel, die neue künstlerische Leiterin der Aufbau-Verlagsgruppe, weiter. Seine Tätigkeit für den Aufbau-Verlag beendete er endgültig 2008.
Erich Rohde war seit 1952 mit Edelgard geborene Bleck (1930–2018) verheiratet. Das Paar hatte vier Kinder. Die Familie zog 1964 von Falkensee zunächst nach Berlin-Mitte und noch im gleichen Jahr nach Berlin-Friedrichsfelde. Er verstarb am 19. Juni 2013 im Sana-Klinikum in Berlin-Lichtenberg. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Friedrichsfelder Friedhof in Berlin-Karlshorst.
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
- 1962/1963 und 1967/1968: Dresden, Fünfte und VI. Deutsche Kunstausstellung
- 1970: Berlin, Altes Museum („Im Geiste Lenins“)
- 1976, 1979 und 1986: Berlin, Bezirkskunstausstellungen (Gebrauchsgrafik)
Literatur
- Hellmut Rademacher (Einführender Text): Gebrauchsgrafik in der DDR. Verlag der Kunst, Dresden, Herausgeber Verband Bildender Künstler der DDR, 1975, S. 343
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 784
- Zum 75. Geburtstag. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Wiesbaden, 162. Heft, 2001, S. 105–106