Erich Haase (Jurist)

Erich Haase (* 5. September 1896 in Znaim, Österreich-Ungarn; † 12. November 1976 in Wien) war ein österreichischer Jurist und deutscher Kommunalpolitiker. Er gehörte der Sudetendeutschen Partei (SdP) an und war in der Tschechoslowakei von 1936 bis 1938 in der Stadtverwaltung von Znaim tätig. Nach dem Münchner Abkommen übernahm er im Oktober 1938 kurzzeitig das Amt des Bürgermeisters von Znaim.

Leben und Wirken

Nach dem Schulbesuch studierte er 1920/21 Rechtswissenschaften an der Deutschen Universität Prag und promovierte. 1924 wurde er Advokaturskonzipient und 1930 Rechtsanwalt in seiner Geburtsstadt. 1929 erfolgte seine Wahl von den Stadtrat von Znaim. Er kandidierte auf einer gemeinsamen Liste mehrerer deutschnationaler Parteien, darunter der Bund der Landwirte (BdL), die Deutsche Christlich-Soziale Volkspartei (DCV), die DNSAP, die Deutsche Nationalpartei (DNP), die Deutsche Gewerkschaftspartei (DGP), die Sudetendeutschen Landbündler und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft der Gewerkschaften.

Bei den Kommunalwahlen am 20. Oktober 1935 wurde Haase als Kandidat der SdP erneut in den Znaimer Stadtrat gewählt. Seine Partei erreichte dort 13 von 42 Sitzen. Haase kritisierte öffentlich andere deutsche Gruppen, die eine Zusammenarbeit mit der sich SdP ablehnten und forderte mehr „Lebensraum“ für die deutsche Bevölkerung in Znaim.

Am 11. März 1936 wurde Haase zum ersten stellvertretenden Bürgermeister der Stadt ernannt. Nach dem Münchner Abkommen wurden die tschechischsprachigen Lokalpolitiker, darunter Bürgermeister Valentin Skurský, am 6. Oktober 1938 abgesetzt und Haase übernahm kommissarisch das Amt des Bürgermeisters von Znaim. Zwei Tage später begrüßte er gemeinsam mit weiteren sudetendeutschen Politikern deutsche Truppen bei deren Einmarsch an der Grenze bei Haid. Während der offiziellen Feierlichkeiten auf dem Unteren Marktplatz in Znaim hielt er eine Begrüßungsrede. Am 11. Oktober 1938 konstituierte sich dort der neue Stadtrat. Haase schlug eine Reihe von Umbenennungen öffentlicher Plätze und Straßen vor, die umgesetzt wurde. So entstanden u. a. die Namen „Adolf-Hitler-Platz“ und „Konrad-Henlein-Platz“. Als Adolf Hitler am 26. Oktober 1938 Znaim besuchte, ließ dieser die Abstammung von Haase von der Gestapo untersuchen, danach vom Bürgermeisteramt ablösen und durch den SA-Sturmbannführer Rudolf Urban ersetzen, da dieser ein „Mann der reinen Rasse“ war.[1][2] Haase arbeitete fortan wieder als Rechtsanwalt.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs ging Haase nach Retz in Niederösterreich. Von hier aus wurde er im Herbst 1945 an die wieder entstandene Tschechoslowakei ausgeliefert. Zunächst wurde er festgenommen, später als Minderbelasteter eingestuft und letztendlich nach weiteren Untersuchungen seiner Tätigkeit für die SdP aus der Tschechoslowakei ausgewiesen. Er ging zurück nach Österreich, wo er 1976 in Wien starb.

Literatur

  • Martin Kudláček: Vývoj česko‑německých vztahů ve Znojmě v letech 1918–1938. Diplomarbeit, Masaryk-Universität, Brno 2011 (Link zu theses.cz).
  • Nicole Kollmannová: Znojmo a okolí v době okupace nacistickým Německem. Diplomarbeit, Masaryk-Universität, Brno 2014 (Link zu theses.cz).

Einzelnachweise

  1. Jiří Padalík: Češi a Němci v regionu Znojemska v letech 1918-1946. Diplomarbeit, Praha 2009, S. 74 f.
  2. Bob Martens: Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge in Znaim. Diplomarbeit. TU Wien, 2015, S. 5.