Erhard von Schmidt

Erhard Franz Albrecht Ferdinand Remus Erich von Schmidt (* 2. April 1903 in Thorn; † 27. Januar 1994 in Bergisch Gladbach) war ein deutscher Politiker (NSDAP).

Leben

Erhardt von Schmidt entstammte einer jüngeren Familie des Briefadels, die direkten Vorfahren wurden 1834 nobilitiert, hier der kgl. preuß. Oberstleutnant Karl von Schmidt, verheiratet mit Charlotte von Zychlin-Zychlinsky a. d. H. Röhrsdorf. Zu ihren Kindern gehörte der gleichnamige spätere Generalmajor Karl von Schmidt, dessen Namen das Ulanen-Regiment (1. Pommersches) Nr. 4. ab 1889 trug. Schmidts Großeltern waren dessen zweites Kind, der Generalleutnant Karl von Schmidt (General, 1840) (1840–1917) und Elisabeth Freiin von Canitz und Dallwitz, die Eltern wiederum der 1918 gefallene Regimentskommandeur im Rang eines Oberstleutnants Rudolf von Schmidt, verheiratet mit Margarete von Massow. Erhard von Schmidt hatte einen älteren Bruder Rudolf, geboren 1900. Die Familie lebte 1920 in Potsdam. Sein Großonkel Franz von Schmidt (General) (1842–1929) war ebenfalls Generalmajor.

Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Halberstadt, Potsdam und Danzig von 1909 bis 1914 gehörte Schmidt von 1914 bis 1920 dem Kadettenkorps in Potsdam und Berlin-Lichterfelde an. Anschließend erlernte er den Beruf des Landwirts, den er schließlich in Kölzow, Tschechen bei Königzelt/Kreis Schweidnitz, Schlesien und in Sadewitz/Landkreis Breslau (heute poln. Sadowice, Woiwodschaft Wrocław), Schlesien ausübte. Später verdiente er seinen Lebensunterhalt als Kaufmann in Berlin, Königsberg, Halberstadt, Hamburg, Leipzig und Köln. Zum 1. Oktober 1930 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 356.737)[1] und wohnte 1931 in der Kölner Domstraße 43.

In Köln war er, inzwischen Mitglied der SA und nach der Aufhebung des reichsweiten SA- und SS-Verbotes am 14. Juni 1932, mit Wirkung vom 1. Juli 1932 zum Standartenführer (in etwa Oberst) ernannt, von diesem Tag bis zum 14. September 1933 Stabsführer der SA-Untergruppe Köln-Aachen. Nachdem diese Untergruppe ab 15. September 1933 im Zuge einer reichsweiten Umorganisation der SA, in „SA-Brigade 71“ »Köln« umbenannt worden war, hatte er diese Dienststellung noch bis zum 25. September 1933, dem Tag seiner Versetzung zur SA-Gruppe Pommern inne. Zuvor war er im August 1933 noch zum Stadtverordneten in Köln gewählt worden. Am 9. November 1933 wurde Erhardt von Schmidt zum SA-Oberführer befördert und anschließend vom 10. bis zum 30. November mit der Führung der SA-Brigade 16 »Schleswig« der SA-Gruppe Nordmark beauftragt. Seine SA-Karriere fand ihre Fortsetzung mit seiner Versetzung zur SA-Gruppe Hansa. Vom 1. Dezember 1933 bis zum 28. Februar 1934 war er mit der Führung der SA-Brigade 11 »Mecklenburg« (Sitz Schwerin) beauftragt, bevor er ab 1. März 1934 zum Führer dieser SA-Formation ernannt wurde. Am 20. April 1934 zum SA-Brigadeführer befördert, hatte er die Führung der SA-Brigade 11 über die Wirren des sogenannten „Röhm-Putsches“ hinweg noch bis zum 30. November 1936 inne. Ab diesem Zeitpunkt übte er in der SA keine Kommandofunktion mehr aus, war aber bis 31. Januar 1937 SA-Führer z.V. der SA-Gruppe Hansa, bevor er ein weiteres Mal versetzt wurde, nunmehr ab dem 1. Februar 1937 zur SA-Gruppe Berlin-Brandenburg und z.V. der SA-Brigade 30 »Berlin-West« (Sitz Berlin-Grunewald) gestellt.

Vom 29. März 1936 bis Mai 1938 saß Erhard von Schmidt[2][3] als Abgeordneter für den Wahlkreis 35 (Mecklenburg) im nationalsozialistischen Reichstag. Im April 1938 kandidierte er auf Platz 569 des „Reichswahlvorschlags“ erneut für den Reichstag, ohne jedoch gewählt zu werden. Zu diesem Zeitpunkt war er in Berlin-Lichtenrade, Wolziger Zeile 15, wohnhaft.[4]

Etwa von Februar 1938 bis in das Jahr 1942 hinein fungierte Schmidt, im Wechsel mit einigen Honorationen aus der Evangelischen Kirche, als Vorsitzender[5][6] einer Finanzabteilung beim Bevollmächtigten des Preußischen Staatskommissars.

Ab Juli 1942 war Erhardt von Schmidt für die Kriegsdauer Ehrenamtlicher Richter am Volksgerichtshof in Berlin.

Familie

Erhard von Schmidt heiratete bereits 1934 Ulla Elisabeth Hedwig (Charlotte Lea Augusta Ernstine) von von Both, aus mecklenburgischem Uradel stammend. Ulla von Schmidt wurde 1903 in Posen als Tochter des damaligen Regierungsrates Heinrich von Both und der Gutsbesitzerstochter Klara Weber geboren.[7] Der Schwiegervater war später Ministerial-Rat[8] im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie Mitglied im Johanniterorden. Schmidt wurde Schwager vom Arzt Friedrich Wilhelm Bock und vom Bankier und Juristen Hans-Ehrenreich von Nussbaum. Die Schwiegereltern starben 1945 und 1946 in Schwerin. In den 1950er Jahren lebte Schmidt mit Familie in Immekeppel bei Köln.[9] Um 1970 lebte Erhard von Schmidt mit seiner Frau in Heiligenhaus bei Overath. Seine Berufsbezeichnung war Kaufmann.[10]

Archivalien

  • Bundesarchiv (BArch) R 9361-IX KARTEI/38001014. (Vgl. ehem. BDC).

Literatur

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. 1921. Fünfzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1920, S. 746. Siehe FamilySearch.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Zugleich Adelsmatrikel der vereinigten Adelsverbände. 1931. Dreiundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1930, S. 589. Siehe FamilySearch.
  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4, S. 568.

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/38001014.
  2. Amtsblatt der Preußischen Regierung Potsdam. Sonderausgabe. Stück 14, Verlag Dr. W. Brönner, Ausgegeben Potsdam, den 25. März 1936, Nr. 769. S. 74.
  3. Regierungsblatt für Mecklenburg. Nr. 14-1936, Verlag Hofbuchdruckerei Bärensprung, Schwerin, Mittwoch, den 25. März 1936, Nr. 769. S. 72.
  4. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der DAG. Teil A (Uradel). 1938. Siebenunddreißigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1937, S. 40 ff. Siehe FamilySearch.
  5. Hauke Marahrens: Praktizierte Staatskirchenhoheit im Nationalsozialismus. Die Finanzabteilungen in der nationalsozialistischen Kirchenpolitik und ihre Praxis in den Landeskirchen von Hannover, Braunschweig und Baden. V & R, Göttingen 2014, S. 101.
  6. Vgl. Siegfried Hermle, Harry Oelke: Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949. Organe - Ämter - Personen. Band 2: Landes- und Provinzialkirchen. Auflage-Online-Ressource, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, S. 102.
  7. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922. Dreindzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 123.
  8. Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. Auflage-Online-Ressource, Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 161 f.
  9. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel). 1953. Band I, Band 5 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1953, S. 30–31.
  10. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel). Band XI, Band 49 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1971, S. 13–14.