Erg Tiffernine
| Erg Tiffernine | ||
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Erg Tiffernine vom NASA Space Shuttle aus gesehen (Norden ist rechts) | ||
| Höchster Gipfel | unbenannt (870 m) | |
| Lage | Provinz Illizi, Algerien | |
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| Koordinaten | 26° 45′ N, 6° 40′ O | |
| Gestein | Dünen | |
| Fläche | 4.800 km² | |
| Besonderheiten | bis 420 m hohe Dünen | |
Der Erg Tiffernine (auch Erg Tifernine oder Issaouane n'Tiffernine) ist eine Sandwüste (Erg) der Sahara in der südalgerischen Provinz Illizi.
Entstehung und Entwicklung
Während des späten Pliozäns, vor etwa 2,5 Mio. Jahren, als in der Sahara ein feuchttropisches Klima herrschte, führten die Gewässer des Tassili n'Ajjer-Gebirges viel Gesteinsmaterial an seiner Nordabdachung in das Becken des späteren Erg Tiffernine, wo es als Sand abgelagert wurde. Im Pleistozän, vor etwa 1,6 Mio. Jahren, begann sich der Erg während Trockenperioden zu bilden. Dies geschah auch während den Trockenzeiten des Holozäns, bis vor etwa 3000 Jahren.[1] Die Dünenbildung war ein Werk des Windes, der in früheren Epochen zum Teil viel stärker wehte als heute und dabei im Erg Tiffernine Megadünen bildete, was bei heutigen Windverhältnissen nicht mehr möglich ist.[2][3] Während diesen Zeiten wurden auch beträchtliche Mengen Sand aus dem Norden, vor allem aus dem südwestlichen Teil des Östlichen Großen Ergs herangetrieben. In einer ersten Phase entstanden Längsdünen entlang der vorherrschenden Windrichtung aus Nord. Später wechselte das Windregime, und darauf entstanden auf den Längsdünen Sterndünen, die sich bei weniger starken, wechselnden Winden bilden. An den Flanken dieser Megadünen oder Draa entstanden Sekundärdünen, die im Gegensatz zu den Megadünen nicht ortsfest sind.[4] In den Räumen zwischen den Längsdünen bildeten sich weitere Dünen, unterbrochen von Sebkhas, so dass in der Südhälfte eine netzartige Struktur entstand.[5]
Topografie
Der Erg Tiffernine ist mit einer Fläche von rund 4800 km²[6] ein Ausläufer des östlich anschließenden und deutlich größeren Erg Issaouane, mit dem er über eine etwa 16 km breite Engstelle verbunden ist.
Der Erg Tiffernine weist eine charakteristische Amphorenform auf, weshalb er auf Satellitenbildern leicht identifizierbar ist. In Nord-Süd-Richtung erstreckt er sich über rund 150 km Länge, die Breite erreicht maximal 47 km. Im Südwesten, Süden und Osten wird der Erg von den westlichsten Ausläufern des Tassili n’Ajjer-Gebirges umrahmt. Im Nordosten setzt er sich in den Erg Issaouane fort. Die Nordwestgrenze wird vom breiten Oued Igharghar gebildet.
Die Umrahmung und die Festgesteinsbasis des Erg Tiffernine weisen Höhen von 400 bis 530 m auf. Die darüber aufgebauten Dünen sind die höchsten der gesamten Sahara und erreichen Höhen bis zu 420 m.[7][8][3] Ältere, jedoch veraltete Quellen geben die Dünenhöhe des Erg Tiffernine mit bis zu 465 m an.[9] Das Sandvolumen des Ergs beträgt etwa 340 Kubikkilometer.[10] Gleichmäßig verteilt auf die ganze Fläche des Ergs ergäbe das eine Höhe von etwa 70 m. Dass sich hier so große Mengen von Sand angesammelt haben, hat auch damit zu tun, dass die Bergflanken, die den Erg von Südwesten bis Nordosten einrahmen, wie ein Trichter ohne Ausfluss wirken und eine Staulage erzeugen, in der der Sand gefangen ist.[Anmerkung 1] Deshalb ist seine Sedimentbilanz positiv.[5]
Die höchsten Dünenkämme liegen bei 870 m. Innerhalb des Ergs sind zahlreiche tiefe abflusslose Senken (Sebkhas) ohne Sandbedeckung ausgebildet, deren Höhenlage jener der Umrahmung des Ergs entspricht. Daraus ist ersichtlich, dass unterhalb der Sanddünen des Erg Tiffernine keine Aufragungen des festen Untergrundes bestehen.
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Abhang der Megadüne am Ostrand des Ergs, bedeckt mit mobilen Sekundärdünen. Rechts der Oued Essaoui Mellene.
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Blick von der Megadüne am östlichen Rand des Ergs nach Süden
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Blick von der östlichen Megadüne nach Nordwesten
Besiedelung
Innerhalb des Ergs gibt es keinerlei Siedlungen und Verkehrswege. Entlang der Ostseite des Erg Tiffernine verläuft die Gräberfeld-Piste.
Im Südteil des Ergs finden sich auf der Festgesteinsbasis der Sebkhas einzelne Hügelgräber als Zeugen einer neolithischen Besiedlung. Am Fuß der Ostflanke wurden Reibschalen und Läufersteine gesichtet, hier wurde also Korn gemahlen.
Vegetation
Der Erg Tiffernine ist mit Ausnahme einzelner Bäume in den Sebkhas vollkommen vegetationslos.
Weblinks
- Nicholas Lancaster: [5] Dune Morphology and Dynamics, ResearchGate, 2009 (englisch)
Anmerkungen
- ↑ Die gleiche Situation wie im Erg Tiffernine herrscht im Becken des Erg Tinya, östlich des Erg Tiffernine, nur in kleinerem Maßstab.
Einzelnachweise
- ↑ Christopher Swezey: Eolian sediment responses to late Quaternary climate changes: Temporal and spatial patterns in the Sahara, ResearchGate, 2001, S. 119, 121, [1], abgerufen am 6. November 2025
- ↑ Nicholas Lancaster: Low latitude dune fields, ResearchGate, 2007, S. 1, [2], abgerufen am 6. November 2025
- ↑ a b Francis Tack, Paul Robin: Dünen, Sandmeere der Wüsten. National Geographic Deutschland, 2003, ISBN 978-3-934385-96-2. S. 23, 28, 51, 100 (Dünenhöhe)
- ↑ Michael Martin: Das Wesen der Wüste. Ludwig Verlag, München, 2009, ISBN 978-3-453-28121-9. S. 81
- ↑ a b Monique Mainguet et al: Sédimentation éolienne au Sahara et sur ses marges, Travaux de l'Institut Géographique de Reims, 1984, S. 18, Skizzen S. 20, 22, 24 [3] abgerufen am 4. Dezember 2025
- ↑ Flächenmessung gemäß OpenStreetMap; abgerufen am 4. Dezember 2025
- ↑ Messung auf Basis der Höhenschichtenlinien in OpenTopoMap; abgerufen am 4. Dezember 2025
- ↑ faz vom 4. September 2018: Wunder aus Sand und Physik; abgerufen am 14. Januar 2020
- ↑ 10 Tallest Sand Dunes on Earth Scribol, 3. Oktober 2011.
- ↑ Berechnung anhand der Höhendaten von konvertierten SRTM1-Rasterkarten [4] mit der Kartensoftware QGIS