Eorykogel

Eorykogel
Eorykogel von Süden (Langeggstraße)
Höhe 483 m ü. A.
Lage Steiermark, Österreich
Gebirge Windische Bühel
Dominanz 1,6 km → Hirritschberg
Schartenhöhe 63 m ↓ L613 nordöstlich Sabathikapelle
Koordinaten 46° 39′ 8″ N, 15° 30′ 39″ O
Gestein mergelige Silsteine bis Siltmergel mit Sandsteinlagen
Alter des Gesteins Karpatium
Besonderheiten „größte Weintraube der Welt“

Der Eorykogel (auch Eory-Kogel) ist ein 483 m ü. A. hoher Hügel in den Windischen Büheln im österreichischen Bundesland Steiermark. Er befindet sich im südsteirischen Weinland und ist als Standort der „größten Weintraube der Welt“ bekannt.

Lage und Umgebung

Der Eorykogel befindet sich im nordwestlichen Teil der Windischen Bühel gut sieben Kilometer entfernt von deren höchster Erhebung, dem Kreuzberg. Er liegt im Ortsteil Pößnitz der ehemaligen Gemeinde Glanz, die heute zu Leutschach an der Weinstraße gehört. Der von Nord nach Süd verlaufende Riedel, an dem sich der Eorykogel erhebt, zieht vom Lubekogel (570 m) nach Pößnitzberg und bildet die Wasserscheide zwischen der Pößnitz (Pesnica) und dem gleichnamigen Nebenfluss der Saggau. Aus nördlicher Richtung ist der Hügel von der L613 (Grenzland-Weinstraße bzw. Südsteirische Weinstraße), aus südlicher Richtung von der L614 (Langeggstraße), jeweils über Gemeindestraßen erreichbar. Die Staatsgrenze zu Slowenien ist etwa 2,5 Kilometer entfernt.

Geologie

Das Riedelland um den Eorykogel gehört zum Tertiär der Mittelsteirischen Schwelle. Jene stratigraphische Einheit, die weite Teile der Hügel östlich von Leutschach und südlich von Gamlitz bestimmt, wird in der Literatur als „Steirischer Schlier“ oder „Gamlitzer Schlier“ bezeichnet und anhand der Foraminiferenfauna in das Karpatium datiert.[1] Weil der von Arthur Winkler-Hermaden in der Steiermark eingeführte Begriff Schlier jedoch uneinheitlich sowohl als lithologischer Begriff als auch für die lithostratigraphische Einheit gebraucht wird, bürgerte sich auch der Name Kreuzkrumpl-Formation ein. Typuslokalität ist ein Aufschluss beim gleichnamigen Hof etwa zwei Kilometer südwestlich des Eorykogels. Franz Schell beschreibt die vorwiegend aus tiefermarinen Beckenablagerungen aufgebaute Formation als eintönige Abfolge meist gering verfestigter, teilweise feinsandiger mergeliger Siltsteine bis Siltmergelsteine mit einem Wechsel von Sandsteinlagen und – selten – Konglomerateinschaltungen. Die nur lokal nachweisbaren Konglomerateinschaltungen können einen Kilometer nördlich des Eorykogels eine Mächtigkeit von mehreren Metern erreichen.[2] Östlich beginnt eine Zone mit versteilten Schichten, die sich ostnordostwärts erstreckt. Neben Schichtverkippung und -deformation treten Calcitharnische auf, die sich in mehreren Millimeter starken Plättchen äußern.[3]

Turmkeusche

Auf einem namenlosen Nachbarhügel 370 Meter südwestlich des Eorykogels stellt das Haus Pößnitz 37 eine architektonische Besonderheit dar. Die 1716 erbaute, sogenannte „Turmkeusche“ besteht aus einem langgestreckten Winzerhaus mit ziegelgedecktem Satteldach, dessen Ostteil in Holzblockbauweise ausgeführt wurde, während der Westteil gemauert ist. Auffälligstes Merkmal ist ein markantes Glockentürmchen, das ähnlich einer Kapelle ostseitig an den Holzbau angeschlossen ist.[4]

Das Gebäude diente den Grundbesitzern und später auch Keuschlern als Wohnsitz sowie als Presshaus. Die Turmglocke wurde an hohen Feiertagen und zu Gebetszeiten geläutet, erfüllte aber auch die Funktion einer Wetterglocke, um die Weinbauern vor von der Koralpe oder aus dem Drautal heranziehenden Gewittern zu warnen. 1917 musste die Glocke im Zuge des Ersten Weltkrieges abgetreten werden. 1919 befand sich in dem Gebäude ein Gendarmerieposten zur besseren Überwachung des neuen, im Vertrag von Saint-Germain festgelegten Grenzverlaufes. 1960 wurde die Turmkeusche umfassend renoviert. Sie befindet sich nach wie vor in Privatbesitz.[4]

„Größte Weintraube der Welt“

Anlässlich der Vorstellung des neuen Rundwanderweges „Glanzer Hoftour“ wurde am 28. April 2001 auf dem Eorykogel die Skulptur einer übergroßen Weintraube feierlich eröffnet.[5] Das etwa fünf Meter hohe und vier Meter breite Kunstwerk aus Edelstahl und verschmolzenem Glas wurde in neunmonatiger Arbeit vom Pößnitzer Glaskünstler Willibald Trojan († 2010) in seiner Werkstatt geschaffen. Die 366 farbigen Glasperlen symbolisieren die Tage des Jahres, 52 Teile aus Edelstahl (Blätter, Stamm und Traube) die Wochen, davon 31 kleine Blätter die Tage des Monats, zwölf mittelgroße Blätter die Monate selbst und sieben große Blätter die Wochentage.[6] Auf diese Weise versinnbildlicht der Künstler die Existenzgrundlage der Region unter Berücksichtigung des für den Weinbau wichtigen Jahreslaufes. Die Weintraube zierte außerdem das Gemeindewappen der bis Ende 2014 eigenständigen Gemeinde Glanz an der Weinstraße.

2025 wurde der Eorykogel mit der – laut Guinness World Records – „größten Weintraube der Welt“ als steirischer Vertreter für die jährliche ORF-Sendung 9 Plätze – 9 Schätze ausgewählt.[7]

Literatur und Karten

  • Alexander Wilhelm, Martina Edler, Josef Ertl & Gernot Fournier: Rebenland-Chronik. Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße, Leutschach, Schloßberg. Hrsg.: Alexander Wilhelm. Classic Verlag, Graz 2004, ISBN 978-3-902344-05-2, S. 469, 505.
  • Österreichische Karte 1:50.000, Blatt 207 Arnfels (UTM). Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen.
  • Freytag & Berndt Wien, Wanderkarte 1:50.000, WK 411, Steirisches Weinland – Südwest-Steiermark. ISBN 978-3-85084-321-8.
Commons: Eorykogel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Geofast 1:50 000, Kartenblatt 207 – Arnfels. Geologische Bundesanstalt, Februar 2009. Online-PDF, abgerufen am 23. Oktober 2025.
  2. Franz Schell: Die Geologie der südlichen Windischen Büheln. Unveröffentlichte Inaugural-Dissertation an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz, Graz 1994, S. 92–94.
  3. Franz Schell: Die Geologie der südlichen Windischen Büheln. Unveröffentlichte Inaugural-Dissertation an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz, Graz 1994, S. 157–158.
  4. a b Heimo Kaindl: Profane Baukunst in den vier Rebenlandgemeinden. In: Rebenland-Chronik. Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße, Leutschach, Schloßberg. Classic Verlag, Graz 2004, ISBN 978-3-902344-05-2, S. 468.
  5. Die größte Weintraube. In: Kleine Zeitung, Ausgabe von 28. April 2001, S. 12.
  6. Paul Jaunegg: Was die riesige Weintraube am Eory-Kogel so besonders macht. Kleine Zeitung, 24. Oktober 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025.
  7. Eory-Kogel: Die größte Traube der Welt. ORF Steiermark, 26. September 2025, abgerufen am 25. Oktober 2025.