Emmanuel de Neckere
Emmanuel Antoine Gérard Hubert Ghislain de Neckere (* 2. November 1898 in Mesen, Westflandern; † 11. November 1942 im Tilligem-Wald (Tilligembos) in der Nähe von Loppem, später zu Sint-Michiels, heute Stadtteil von Brügge) war ein Priester und im Zweiten Weltkrieg ein belgischer Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische, deutsche Besatzungsmacht. Er war zweisprachig mit Französisch und Niederländisch.
Eltern und Beruf
Er war der Sohn des Friedensrichters Alfred Ghislain und der Jeanne Leunenschloss (* 1897 in Berlin). Er war Präses der „Katholischen Studentischen Jugend“ für den wallonischen Teil Flanderns, dann Generalpräses der „Christlichen Arbeiterjugend“.[1] Als er verhaftet wurde, arbeitete er als Vikar in der St.-Bartholomeus-Pfarrei in Mouscron, wo er auch wohnte.
Widerstand
Am 18. Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht kampflos Brüssel und der belgische König Leopold III. unterzeichnete die Kapitulation der belgischen Armee. Es bildeten sich mehrere Widerstandsgruppen heraus. De Neckere schloss sich der Gruppe „Lejeune“ an, wurde Redakteur und Verbreiter der illegalen Zeitung Le Patriote Mouscronnois und leistete Verbindungsaufgaben und Kurierdienste innerhalb Belgiens[1] und zu den geflohenen Kämpfern, die in Frankreich festsaßen. Er half auch bei der Beschaffung falscher Papiere zur Ausreise aus Belgien und bei den dazu nötigen Personentransporten.[2]
Die Gruppe um den Patriote Mouscronnois machte sich 1941 und insbesondere 1942 auch durch kleinere Sabotageakte, brennende Strohwagen und Angriffe auf Eisenbahnen und andere Kommunikationsmittel bemerkbar. Sie wurde durch die Verhaftung und Hinrichtung ihrer Anführer, darunter auch de Neckere, ausgelöscht.[3]
Verhaftung und Hinrichtung
Er wurde am 31. August 1942 verhaftet und im Brügger Gefängnis inhaftiert, wo er auch verurteilt wurde. Das Kriegsgericht der Oberfeldkommandantur 570, Zweigstelle Brügge[4], machte ihm zwischen dem 23. und 30. Oktober 1942 zusammen mit neunzehn weiteren Angeklagten den Prozess und verurteilte ihn wegen ständiger Spionage und Hilfe für den Feind zum Tod. Am 11. November 1942 wurde er zusammen mit neun anderen Kameraden im Wald von Tilligem, in der Nähe von Loppem, erschossen. Sein Leichnam wurde nach der Befreiung nach Mouscron überführt und dort auf dem Friedhof am 22. Februar 1945 feierlich beerdigt.
Gedenken
- Grabstein mit Name auf dem Friedhof Mouscron.
- Gedenkkreuz mit Name auf dem Friedhof der Widerstandskämpfer, dem „Geheimen Friedhof“ in Hechtel, Grab 99, Kurzbiographie mit Bild auf hechtel-eksel.be.
- Gedenkkreuz mit einer daneben aufgestellten Tafel der Namen der Erschossenen am Hinrichtungsplatz im Tilligem-Wald, an erster Stelle de Neckere, Bilder auf bel-memorial.org.
- Gedenktafel in der Église Saint-Barthélém, Sankt-Bartholomäus, in Mouscron, siehe Bild.
- Platz, „Place Emmanuel de Neckere“ in Mouscron, Belgien.
- Straße in Brügge, „Em. de Neckerestraat“.
- Abschiedsbrief vom 31. Oktober an seinen Vater, in dem er es bedauert, dass er ihm zukünftig keine Stütze mehr sein kann, denn „der Herr hat es anders beschlossen und erweist mir die Gnade, im voraus Tag und Stunde meines Todes zu kennen und mich bewusst darauf vorzubereiten während meiner zweimonatigen Haft; zwei Monate Gebete und Buße zur Reinigung meiner Seele.“[1]
Literatur
- Lettere di condannati, Turin 1954, übersetzt: Und die Flamme soll euch nicht verbrennen, Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer. Verlag Volk und Welt, Berlin-Ost 1956, Seite 41–43.
Weblinks
- Kriegsregister der Toten mit Kurzbiographie auf wardeadregister.be.
- Kurzbiographie mit weiteren Informationen aufgelistet auf bel-memorial.org.
- Bildersammlung mit Dokumenten auf bel-memorial.org.
- Geheimer Friedhof mit Begleittext und Bild in Hechtel, hechtel-eksel.be.
- Staatsarchiv Belgien mit grundlegenden Angaben auf data.arch.be.
- Gedenkseite der Kirchengemeinde in Mouscron, paroisse-mouscron.be.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Lettere di condannati, Seite 41–43 siehe Literatur.
- ↑ Kurzbiographie auf bel-memorial.org.
- ↑ Ausführliche Informationen auf paroisse-mouscron.be
- ↑ Es war die Oberfeldkommandantur 570, die für die Rechtsprechung in Brügge zuständig war und dem NS-Militärjustizsystem unterstand.