Emma Adenauer

Emma Weyer mit Konrad Adenauer
als Verlobte, 21. Juni 1902
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Johanna Wilhelmine Caroline Emma Adenauer, geborene Weyer (* 10. September 1880 in Köln; † 6. Oktober 1916 ebenda[1]) war die erste Ehefrau Konrad Adenauers.

Leben

Emma Weyer war die Tochter von Emmanuel Weyer (1836–1884), Direktor der Kölner Rückversicherungsgesellschaft und Emilie geb. Wallraf (1849–1911), einer Schwester von Max Wallraf. Außerdem war sie die Enkelin des Architekten und Kölner Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer.[2] Von 1890 bis 1897 besuchte Emma Weyer die Höhere Töchterschule Köln. Anschließend absolvierte sie ein Jahr in der Erziehungs-Anstalt der Englischen Fräulein zu Würzburg (Mädchenrealschule). Neben der Erziehung im christlichen Glauben erhielt sie dort Unterrichtung der französischen und englischen Sprache sowie Musik- und Handarbeitsunterricht. Von 1898 bis 1901 bereitete sie sich durch ein sechssemestriges Sprachstudium auf das Lehramt vor. Am 30. September 1901 bestand sie vor der Königlichen Prüfungs-Kommission beim Provinzialkollegium in Koblenz die Prüfung und erhielt die „Befähigung zur Erteilung von Englisch- und Französisch-Unterricht an mittleren und höheren Mädchenschulen“.

Im Sommer 1901 lernte sie im Tennisclub Pudelnass Konrad Adenauer kennen, der kurz vor seiner Assessorprüfung stand. Emma Weyer ebnete dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Assessor Adenauer den Weg in die politische Kölner Gesellschaft.[3][4] Am 21. Juni 1902 verlobten sich Emma Weyer und Konrad Adenauer am Rolandsbogen. Sie heirateten am 26. Januar 1904 standesamtlich und zwei Tage später kirchlich in der Pfarrkirche St. Stephan in Lindenthal. Die Hochzeitsfeier wurde im Hotel Großer Kurfürst abgehalten. Am selben Tag trat das junge Paar eine vierwöchige Hochzeitsreise durch die Schweiz und an die französische und Italienische Riviera an.

In der Klosterstraße 70 in Köln-Lindenthal bezogen Emma und Konrad Adenauer ihre erste gemeinsame Wohnung. 1906 zogen sie in die Friedrich-Schmidt-Straße 4 um. 1911 wurde das eigene Haus in der Max-Bruch-Straße 6 bezugsfertig.

Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Am 21. September 1906 wurde Sohn Konrad († 1993) geboren, und am gleichen Tag im Jahre 1910 kam Sohn Max († 2004) zur Welt. Die Tochter Maria (Ria) († 1998) wurde am 7. Oktober 1912 geboren.

Eine leichte Rückgratverkrümmung, die nach der ersten Entbindung ihre Nierenfunktion beeinträchtigte, verschlimmerte sich über die Jahre. Als Emma Adenauer eine Pilzvergiftung erlitt, verstarb sie am 6. Oktober 1916 im Alter von 36 Jahren.

Beitrag zur Karriere des späteren Bundeskanzlers

Unter dem als Frage formulierten Titel Wegbereiterin ins Oberbürgermeisteramt? in der Biografie über Emma Adenauer, die auf der Website der Konrad-Adenauer-Stiftung hinterlegt ist,[5] heißt es: „Durch ihre familiäre Herkunft bzw. ihre Verankerung im rheinischen Großbürgertum erleichterte Emma Adenauer ihrem Mann den gesellschaftlichen und politischen Aufstieg in Köln.“ Ihre Familie war „wohlhabend“ und „tonangebend“ in der Kommunalpolitik. „Einige Biografen“ hätten sich, weil mehrere Verwandte Stadtverordnete in Köln waren und der Oberbürgermeister in der Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde, zu der Annahme veranlasst gesehen, dass „Adenauer nie auf diesen Posten gelangt wäre“, hätte er „zuvor nicht Emma Weyer geheiratet“. Dieser „narrativen Kausalität“ sei nicht „vorbehaltlos zu folgen“, um „Adenauers Eigenleistung bzw. seine persönliche Eignung für das Amt“ nicht zu schmälern. Die Ehe sei keine „Zweckehe“ gewesen, denn das Paar sei „nachweislich verliebt und einander innig zugetan“ gewesen. Davon würden unter anderem bis heute erhaltene „zahllose anrührende Liebesbriefe“ zeugen, in denen Emma ihren Konrad liebevoll ihr „Rädchen“ genannt habe. Emma habe das Naturell „einer munteren, lebensfrohen und musisch begabten jungen Dame“ besessen, die „aufgeschlossen und erwartungsvoll in die Zukunft“ geschaut habe. Und weiter: „Letztlich braucht man Zweck und Liebe hier nicht gegeneinander auszuspielen. So mag bei der Eheschließung zwischen Konrad und Emma beides entscheidend gewesen sein.“ Der Adenauer-Biograf Hans-Peter Schwarz schrieb: „…alle vorliegenden Zeugnisse deuten auf eine Liebesromanze, und zwar von beiden Seiten“.[5]

Der Künstler und Schriftsteller Paul Weymar[6] verfasste die von Adenauer autorisierte Biografie und widmete sein viertes Kapitel den Anfängen von Adenauers kommunalpolitischer Tätigkeit in Köln, der ersten Ehe und dem Tod seiner ersten Ehefrau Emma.[7] Die Biografie erschien 1955 im Kindler Verlag und wurde ins Englische,[8] Italienische und Spanische übersetzt. Sie verschaffte Weymar, der aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und vom Ullstein Verlag „fristlos entlassen“ worden war, nach dem Krieg einige Bekanntheit. Er hatte Berlin verlassen, sich auf Sylt zurückgezogen und verdiente dort seinen Lebensunterhalt, indem er fortan anonym für andere schrieb. Nach seiner Heirat einer Gasthofswirtin blieb er in Kampen sesshaft und engagierte sich „für die Einführung eines Progymnasiums auf Sylt“. Weymar starb 1971.[6] Aus Anlass des Erscheinens der englischsprachigen Ausgabe wurde im Nachrichtenmagazin Der Spiegel unter dem Titel Tadel aus Kalifornien bezugnehmend auf Gordon A. Craig im April 1957 Kritik an Sorgfalt, Glaubwürdigkeit und Vollständigkeit dieser Biografie geübt. Weymar habe „bedenkenlos und unkritisch“ alles angenommen, was Adenauer ihm erzählt oder aufgeschrieben haben mag.[9]

Literatur

Commons: Emma Adenauer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Personenstandsregister, Standesamt Lindenthal, Sterbefälle, 1916, Urk. Nr. 1167.
  2. Tempel der Erinnerungen. In: Der Spiegel 52/1975. 19. Dezember 1975, abgerufen am 27. Dezember 2025: „Aus der Heirat mit Emma Weyer, Enkelin des Kölner Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer, der seine Bodenspekulationsgewinne in Kunst anlegte, erbte er zahlreiche schwere Gemälde, von denen er zwei bis zu seinem Tode für echte Rembrandts hielt – sie stammen aus der Rembrandt-Schule.“
  3. Sebastian Sasse: Studenten von früher: Konrad Adenauer, Student ohne Exzesse. In: Die Zeit. 8. Juli 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  4. Günter Buchstab: Konrad Adenauer. Kölner Oberbürgermeister und erster deutscher Bundeskanzler (1876-1967). In: rheinische-geschichte.lvr.de. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  5. a b Carsten Sick: Wegbereiterin ins Oberbürgermeisteramt? In: Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.): Emma Johanna Wilhelmine Caroline Adenauer (geb. Weyer). (konrad-adenauer.de [abgerufen am 28. Dezember 2025]).
  6. a b Kunststele Paul Weymar. In: sylt.de. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  7. Paul Weymar: Konrad Adenauer. Die autorisierte Biographie. Kindler, München 1955, DNB 455499861 (Inhaltsverzeichnis – Unter Mitwirkung von Roswitha Theile-Schlüter).
  8. Paul Weymar: Konrad Adenauer. The Authorized Biography. In: Collections: Internet Archive Books. Andre Deutsch, London 1957 (englisch, archive.org [abgerufen am 29. Dezember 2025] deutsch: Konrad Adenauer. Stuttgart 1955. Übersetzt von Peter de Mendelssohn).
  9. Tadel aus Kalifornien. Adenauer-Biographie. In: spiegel.de. 9. April 1957, abgerufen am 29. Dezember 2025: „Craig stellt fest, dieses Buch, das wegen des »großen, wenn auch äußerlich nicht sichtbaren Anteils des Kanzlers ... als eine Art von Selbstbiographie« bezeichnet werden kann, sei weder sorgfältig ("accurate") noch glaubwürdig ("truthful") noch gar vollständig ("complete").“