Emily Arnesen
Emily Arnesen (* 14. Juni 1867; † 13. August 1928) war eine norwegische Zoologin. Sie war die zweite Norwegerin, die einen Doktortitel erhielt, und ist vor allem für ihre Studien über Schwämme bekannt.
Studium
Arnesen begann 1891 ihr Studium an der Königlichen Friedrichs-Universität in ihrer Heimatstadt Kristiania (heute Oslo). Sie studierte Naturwissenschaften, konnte jedoch nur ein Jahr lang bis 1892 bleiben, bevor sie nach Stockholm ging, wo sie Gouvernante der Familie von Ministerpräsident Otto Blehr wurde. Während ihrer Zeit in Stockholm besuchte sie Kurse, die ihr Interesse an Zoologie und Botanik weckten. Nach ihrer Rückkehr an die Universität von Kristiania begann Arnesen Unterricht zu geben und Privatschüler zu unterrichten. Während ihres Studiums kehrte Arnesen regelmäßig als Gouvernante zu verschiedenen Familien zurück, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihr Zoologiestudium bei Johan Hjort dauerte drei Jahre, bis sie die Universität verließ und begann, in Laboren zu arbeiten.[1]
Arnesen versuchte 1894 zunächst, in einem Labor in Berlin Zoologie weiter zu studieren, wurde jedoch abgelehnt. Danach unterrichtete sie an Schulen in Kristiania, arbeitete während des Schuljahres im zoologischen Labor der Stadt und studierte im Sommer die Küstenfauna an den norwegischen Küstenbiologiestationen.
1901 erhielt Arnesen ein Stipendium, das ihr eine Reise nach Zürich in der Schweiz ermöglichte. Dort schloss sie 1903 unter der Leitung des Zoologen Arnold Lang ihre Doktorarbeit über die Struktur des Blutgefäßsystems von Blutegeln ab.[2] Nach ihrer Promotion verbrachte Arnesen vier Monate im Zoologischen Museum in Amsterdam. Hier war sie unter Max Carl Wilhelm Weber für eine Sammlung von Schwämmen verantwortlich. 1905 wurde sie Konservatorin des Zoologischen Museums in Kristiania. Diese Position behielt sie bis 1926, bis sie aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging. Von 1906 bis 1913 hielt sie Vorlesungen über Wirbellose an der Königlichen Friedrichs-Universität.[1]
Soziales Engagement
Neben ihren biologischen Interessen war Arnesen auch in vielen gesellschaftlichen Kreisen präsent und engagierte sich aktiv im politischen Leben, insbesondere in Bezug auf Frauenrechte und das Wahlrecht. So wie Jane Addams und Thora Daugaard nahm sie 1915 am Internationalen Frauenkongress in Den Haag teil. Dazu war sie Mitglied des Vorstands der Norwegischen Frauenunion und schrieb regelmäßig für Zeitungen zu Themen, die von beruflichen Angelegenheiten bis hin zu sozialen Fragen reichten.[1]
Werke
Arnesen veröffentlichte 1898 ihre erste Arbeit über die Anatomie von Korallen, ist heute jedoch vor allem für ihre Beiträge zur Erforschung von Schwämmen bekannt. Sie war wahrscheinlich die erste Norwegerin, die sich mit Schwämmen befasste. Sie veröffentlichte zwischen 1901 und 1920 mehrere Arbeiten über Schwämme, wobei ihre Arbeit von 1903 über die geografische Verbreitung von Schwämmen besonders wichtig war. Dazu verfasste sie ein Lehrbuch für den Zoologieunterricht. 1912 veröffentlichte sie den ersten Führer für das zoologische Museum. Dieser behandelte die vielen verschiedenen Gruppen von Wirbellosen und erklärte die ausgestellten Exponate.[1]
Arnesens Beitrag zur Erforschung von Schwämmen wird in den Namen einer Reihe von Schwammspezien gewürdigt: Haliclona arnesenae, Anchinoe arneseni (synonym für Phorbas perarmatus) und Clathrina arnesenae.[3]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Arne Semb-Johansson: Emily Arnesen. In: Store norske leksikon. 19. Mai 2025 (snl.no [abgerufen am 3. Dezember 2025]).
- ↑ Matrikeledition. Abgerufen am 3. Dezember 2025.
- ↑ Hans Tore Rapp: Calcareous sponges of the genera Clathrina and Guancha (Calcinea, Calcarea, Porifera) of Norway (north-east Atlantic) with the description of five new species. In: Zoological Journal of the Linnean Society. 147. Jahrgang, Nr. 3, 2006, S. 331–365, doi:10.1111/j.1096-3642.2006.00221.x (englisch, zenodo.org [PDF; abgerufen am 3. Dezember 2025]).