Emilie van Kerckhoff
Emilia Maria Francisca (Emilie) van Kerckhoff (* 26. Januar 1867 in Zwolle; † 24. Oktober 1960 in Blaricum[1]) war eine niederländische Kunsthandwerkerin, Aquarellmalerin, Illustratorin und Autorin. Sie ist bekannt für ihre reich illustrierte Reiseliteratur.
Biografie
Van Kerckhoff wurde als sechstes von sieben Kindern des Richters Henricus Emilius Carolus von Kerckhoff und der Emilia Antonia Henrica van Dooren geboren. Die Familie gehörte zur oberen Mittelschicht. Van Kerckhoff studierte zwischen 1885 und 1891 an der Akademie der Schönen Künste in Den Haag.[2]
Nach ihrer Ausbildung war sie als Textilkünstlerin tätig und entwarf Exlibris und Buchumschläge. Sie stellte 1898 auf der Nationale Tentoonstelling van Vrouwenarbeid in Den Haag drei Bucheinbände, bestickte Kissen, eine Tafel für einen Kaminschirm und einen Entwurf für einen Kaminsims aus. Van Kerckhoff verkaufte ihre Bucheinbände in Den Haag bei De Wekker, einem von Frauen gegründeten Geschäft für Hausarbeits- und Gesundheitskleidung. Unmittelbar nach der Gründung im Jahr 1900 engagierte sie auch kurzzeitig als Dekorationskünstlerin für das Amsterdamer Kunsthandwerksgeschäft ’t Binnenhuis. Während dieser Zeit lernte Van Kerckhoff ihre Lebensgefährtin, die Bildhauerin Saar de Swart, kennen. Ende 1901 verließen sie und einige andere Künstler aus Unzufriedenheit dieses Haus wieder.[2]
Im Mai 1898 ließ sie sich mit ihrer Partnerin in der Villa „De Hoeve“ im Künstlerdorf Laren nieder. Sie empfingen dort prominente Schriftsteller, Komponisten und Künstlerfreunde ihrer Zeit. Dazu gehörten Elsa und Alphons Diepenbrock, Gustav Mahler und Lodewijk van Deyssel. Das Ehepaar Singer und Henriette Roland Holst waren Nachbarn.
Anfang des Jahrhunderts war Van Kerckhoff vor allem als Schriftstellerin tätig. Ab 1906 beteiligte sie sich an den ersten Ausgaben der Zeitschrift De vrouw en haar huis (Die Frau und ihr Haus) und veröffentlichte ab 1909 mehrere Artikel in Elseviers Geïllustreerd Maandschrift (Illustrierte Monatszeitschrift) über Museen, Tanz und Volkskunst. Van Kerckhoff war außerdem im Künstlerkreis Hilversum aktiv.[2] Aus den Jahren 1907 und 1908 sind Entwürfe für Damenkleider bekannt.[3]
Van Kerckhoff reiste 1910/11 nach Niederländisch-Indien, wo sie Aquarelle und Zeichnungen der Menschen, der Flora und Fauna anfertigte. Nach ihrer Rückkehr verarbeitete sie ihre Reiseerlebnisse in dem Buch Java: Beelden van volksleven en bedrijfs (Java: Bilder aus dem Volksleben und dem Geschäftsleben). Vermutlich wurde sie aufgrund dieser Buchveröffentlichung gebeten, dem Kolonien-Ausschuss der Ausstellung De Vrouw 1813–1913 beizutreten. Diese Ausstellung wurde von Frauen aus der Frauenbewegung organisiert und präsentierte die Fortschritte, die die Stellung der niederländischen Frau im Laufe des letzten Jahrhunderts erzielt hatte. Van Kerckhoff reichte selbst Arbeiten für die Abteilung Bildende Kunst ein.[2]
1914 reiste Van Kerckhoff mit Saar de Swart nach Rom. Das Paar trennte sich, lebte aber in den folgenden Jahren nah beieinander.[4] Emilie van Kerckhoff ließ sich 1918 auf Capri nieder, wo sie in Anacapri die Villa Casa Surya erbauen ließ. Nach einer Reise durch das italienische Festland veröffentlichte sie 1923 ihr zweites Buch Oud-Italiaansche villa’s, tuinen en parken (Alte italienische Villen, Gärten und Parks). In den folgenden Jahren kehrte sie nach Niederländisch-Indien zurück und bereiste Ägypten, Indien, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und Malaysia. Während dieser Reisen hielt Van Kerckhoff ihre Eindrücke in Skizzenbüchern und Reisetagebüchern fest, die sich heute in der Sammlung des Nationaal Museum van Wereldculturen (Nationalmuseums der Weltkulturen) befinden.[2]
Im Zweiten Weltkrieg lebten Van Kerckhoff und De Swart bei den deutschen Diakonissen in Rom. Sie kehrten nach dem Krieg nach Capri zurück.[4] Nach dem Tod von Saar de Swart im Jahr 1951 zog Van Kerckhoff 1954 in ein Altersheim in den Niederlanden. Sie starb im Oktober 1960 im Alter von 93 Jahren.[5]
Auf Initiative von Anna Brugh Singer wurde Van Kerckhoff 1957 anlässlich ihres 90. Geburtstags durch eine Einzelausstellung im Hotel Hamdorff in Laren geehrt. Aus Anna Singers Nachlass befinden sich fünfzehn Werke von Van Kerckhoff in der Sammlung Singer Laren, darunter die Stickerei Die wilden Schwäne, die sie 1913 für die gleichnamige Villa des Ehepaars Singer anfertigte.[2]
Werke (Auswahl)
- Anna Ekker: Afgoden (Bucheinband), Martinus Nijhoff, 's Gravenhage 1897[2]
- Java: Beelden van volksleven en bedrijfs, Scheltma & Holkema's Boekhandel, Amsterdam 1912.
- Die wilden Schwäne, Stickarbeit 1913.[2]
- Oud-Italiaansche villa’s, tuinen en parken, W. L. & J. Brusse's Uitgeversmaatschappij, Rotterdam 1923.
- Bouwwerken en tuinen der Groot-Mogols, Elseviers Geïllustreerd Maandschrift, Jahrgang 34, 1924, S. 303–315 Digitalisat
Ausstellungen (Auswahl)
- 1898 Nationale Tentoonstelling van Vrouwenarbeid, Den Haag[3]
- 1902 Tentoonstelling, Amsterdam[3]
- 1913 De Vrouw 1813–1913, Amsterdam (Abteilung Bildende Kunst)[2]
- 1920 Tentoonstelling van oude en nieuwe boekkunst in de Vederlanden, Gemeentemuseum Den Haag, Stedelijk Museum Amsterdam[2][3]
- 1957 Einzelausstellung, Laren[2]
Literatur
- Marjan Groot: Vrouwen in de vormgeving in Nederland 1880–1940, 010 Publishers, Rotterdam 2007, ISBN 978-90-6450-521-8, S. 36, 496.
- Jaap Versteegh: De karmische band tussen Emilie van Kerckhoff en Sara de Swart, in: Tijdschrift voor biografie, Jahrgang 4, Nr. 3, 2015, S. 14–22.
- Jaap Versteegh: „Pruikeling“ op reis. Emilie Kerckhoff, illustratrice, grafisch ontwerpster en schrijfster, in: De Boekenwereld. Magische Miniaturen, Jahrgang 34, Nr. 1, 2018, S. 52–55.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Coret Genealogie: Sterben Emilia Maria Francisca van Kerckhoff am 24. Oktober 1960 in Blaricum (Niederlande). Abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ a b c d e f g h i j k Kerckhoff, Emilia Maria Francisca (Emilie) van – Vereniging Vrienden Nieuwe Kunst 1900. Abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ a b c d Marjan Groot: Vrouwen in de vormgeving in Nederland 1880–1940. 010 Publishers, Rotterdam 2007, ISBN 978-90-6450-521-8, S. 36, 496.
- ↑ a b Saar de Swart: nl. Bildhauerin der Moderne. In: ARTinWORDS. Abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ queerplaces - Emilie van Kerckhoff. Abgerufen am 30. Dezember 2025.