Emilie Schmitz (Widerstandskämpferin)
Emilie Schmitz, nach Melderegister-Eintrag Vorname Marie-Th.-Emilie[1], (* 20. Juni 1908 in Ulflingen, Luxemburg; † 26. März 1945 bei Hirzenhain) war eine Luxemburger Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg.
Leben
Als drittes von acht Kindern des Eisenbahners Michel Schmitz und Marie Bands betrieb Emilie Schmitz mit ihren Schwestern Luise und Berthe sowie anderen Familienmitgliedern einen Laden der Eisenbahnerkooperative (Coopérative des Cheminots) in Ulflingen - Ëlwen -Troisvierges, Grand Rue 74 in Luxemburg. Im Dachgeschoss des Anwesens wurden während der deutschen Besetzung von Luxemburg im Zweiten Weltkrieg bis zur Befreiung im September 1944 Deserteure, Passeure, Refraktäre (sich der Einberufung zur Wehrmacht verweigernde Luxemburger) und abgeschossene alliierte Flieger versteckt oder ihnen bei der weiteren Flucht geholfen.[2] Nach der Wiederbesetzung Luxemburgs durch die Deutschen während der Ardennenoffensive im Winter 1944/1945 wurde Emilie Schmitz mit anderen Familienangehörigen am 12. Januar 1945 von der Gestapo wegen Widerstandes und Fluchthilfe in Ulflingen verhaftet und über Zwischenstationen in das Polizeigefängnis nach Frankfurt/Main, Klapperfeldstraße 5, verschleppt.
Vor dem Einrücken der Amerikaner in Frankfurt wurde Emilie Schmitz am 23. März 1945 mit 49 anderen Frauen in das 50 km entfernte Arbeitserziehungslager Hirzenhain überstellt. Eine Aufnahme von neuen Gefangenen in dem sich in Auflösung befindenden Lager war in keiner Weise mehr vorgesehen.
Am Morgen des 26. März 1945, 4 Tage vor Eintreffen der Amerikaner in Hirzenhain, wurde sie als eine unter 76, meist westeuropäischen, aber auch polnischen, ukrainischen oder russischen weiblichen Gefangenen, und elf Männern durch ein SS-Kommando der Gestapo ermordet und in einem Massengrab verscharrt. Der Leiter des Exekutionskommandos war Emil Fritsch.
Nach einer von der Militärregierung verfügten würdevollen Beisetzung am 10. Mai 1945 in einer zentral gelegenen Gedenkstätte in Hirzenhain wurden die Opfer 1959 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Hessen, nach Kloster Arnsburg erneut umgebettet. Emilie Schmitz ruht dort in Grab 320. Sie ist das einzige identifizierte Opfer der Hirzenhainer Morde. Die Zuordnung ist durch forensische Studien 1959 (Zahnbild) erfolgt.[3]
Ehrungen
- Emilie Schmitz erhielt auf Initiative des "Conseil de l’Ordre de la Résistance, Luxembourg" vom 27. Oktober 1947 posthum das "Croix de la Résistance".[4]
- In Ulflingen trägt seit 1994 eine Straße die Bezeichnung "Cité Emilie Schmitz".
- Die Emilie Schmitz überlebende jüngere Schwester Louise Schmitz (1914–1988) wurde von Dwight D. Eisenhower mit einer Urkunde geehrt: The President of the United States of America has directed me to express to Louise Schmitz the gratitude and appreciation of the American people for gallant service in assisting the escape of Allied soldiers from the enemy. Dwight D. Eisenhower, General of the Army, Commanding General United States Forces European Theater‘[5]
Literatur
- Michael Keller: »Das mit den Russenweibern ist erledigt« – Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg. 1943-1996. 2. durchges. und stark erw. Aufl. Bindernagel, Friedberg 2000, ISBN 3-87076-087-7 (Wetterauer Geschichtsblätter 47).
Einzelnachweise
- Soweit nicht anders belegt aus Keller, Michael: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“ – siehe Literatur
- ↑ Abschrift aus dem Melderegister der Gemeinde Ulflingen - Ëlwen - Troisvierges 2023
- ↑ Jean-Claude Muller. Vor 80 Jahren - das tragische Schicksal der Resistenzlerin Emilie Schmitz aus Ulflingen. Zeitschrift De Cliärrwer Kanton I/2025, S. 3–12, hier S. 12
- ↑ Götz Hartmann: Kriegsgräberstätte Kloster Arnsburg. In: Projekte aus dem Landesverband Hessen. 15. Januar 2024, abgerufen am 29. November 2024.
- ↑ Archives Nationales de Luxembourg, Dossier Croix, Emilie Schmitz 95/2990, C47 / 334
- ↑ https://nara.com, Dokument ohne direkte Referenz und Datum. U.S. National Archives and Records Administration (NARA), Record Group 498: Records of Headquarters, European Theater of Operations, United States Army (World War II), Series: Certificates of Appreciation to Luxembourg Helpers, File Unit: Certificates of Appreciation, Item Louise Schmitz, NAID: 24902217, zuletzt abgerufen am 23. Mai 2024