Emil Seidel (Politiker)

Emil Seidel (* 13. Dezember 1864 in Ashland, Schuylkill County, Pennsylvania; † 24. Juni 1947 in Milwaukee, Wisconsin) war ein US-amerikanischer Politiker der Socialist Labor Party of America (SPA). Von 1910 bis 1912 war Seidel Bürgermeister der Stadt Milwaukee und damit der erste sozialistische Bürgermeister einer Großstadt in den Vereinigten Staaten. Zudem war er bei der US-Präsidentschaftswahl 1912 Running Mate der Sozialistische Partei Amerikas unter dem Präsidentschaftskandidaten Eugene V. Debs.

Leben

Emil Seidel wurde 1864 in Ashland, Pennsylvania, geboren. 1910 wurde er Bürgermeister von Milwaukee und blieb dies bis 1912.[1] Während dieser Zeit war Carl Sandburg sein Sekretär. Er setzte sich als Bürgermeister der Stadt Milwaukee für strenge Vorschriften in Bars ein. Im Vorfeld seiner Ernennung warb die SPA etwa damit, die Verpachtung öffentlicher Einrichtung an Bedingungen zu knüpfen.[2.1] Bei der US-Präsidentschaftswahl 1912 schlug Eugene V. Debs ihn als Running Mate vor.[3] Sie verloren die Wahl. Seidel starb 1947 in Milwaukee, Wisconsin.

Rezeption

Seidels Erfolg mitunter auf den „wachsenden politischen Pragmatismus“ seiner Partei zurückgeführt, „die sich glaubhaft für die Lösung städtischer Probleme einzusetzen schien“.[2.2]

Nach Seidel und Daniel Hoan schloss Frank Paul Zeidler von 1948 bis 1960 erneut deutschstämmiger Sozialist als Bürgermeister in Milwaukee an Seidels Werk an, was jüngst etwa aufgrund der in der Wählerwanderung Deutschstämmiger zu Donald Trump Beachtung fand.[4]

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Einzelnachweise

  1. Emil Seidel, Encyclopedia of Milwaukee, University of Wisconsin-Milwaukee, abgerufen am 8. Oktober 2025
  2. Anke Ortlepp: "Auf denn, Ihr Schwestern!": deutschamerikanische Frauenvereine in Milwaukee, Wisconsin, 1844 - 1914 (= Transatlantische historische Studien. Nr. 17). Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-515-08405-5.
    1. S. 187; „Eine Neuformulierung des Parteiprogramms im Jahr 1906, in dem die Vergabe von Lizenzen zur Betreibung öffentlicher Einrichtungen an Privatfirmen nicht unmöglich gemacht, sondern lediglich an spezielle Bedingungen geknüpft wurde“
    2. S. 187/188; „Der Erfolg der Sozialisten wird vor allem auf ihren wachsenden politischen Pragmatismus zurückgeführt sowie auf eine Wählerschaft, die, ohne wirklich sozialistisch zu sein, in den Sozialisten dennoch eine annehmbare politische Alternative zu den etablierten Parteien erkannte, die sich glaubhaft für die Lösung städtischer Probleme einzusetzen schien.“
  3. Debs and Seidel nominated. Socialists Also Adopt Platform Denouncing Violence In Strikes. New York Times, 18. Mai 1912, abgerufen am 8. Oktober 2025
  4. Per Urlaub, David Huenlich: Why are the German-Americans Trump’s most loyal supporters? In: Darren Lilleker et al. (Hrsg.): US Election Analysis 2016. Media, Voters and the Campaign. Early Reflections from Leading Academics. Bournemouth University, Poole 2016, S. 65.