Emil Pfersche

Emil Pfersche (* 18. Dezember 1854 in Preßburg, Komitat Pressburg; † 11. März 1916 in Prag, Böhmen) war ein österreichischer Rechtswissenschaftler und Politiker. Er lehrte ab 1893 als Professor für römisches Recht und österreichisches Zivilrecht an der Deutschen Universität Prag. Von 1897 bis 1900 war er Abgeordneter zum österreichischen Reichsrat.

Leben

Als Sohn eines Advokaten erhielt Pfersche zunächst Privatunterricht und besuchte dann Gymnasien in Schulpforte (in der preußischen Provinz Sachsen) und in Graz, wo er 1873 die Matura ablegte. Zuvor konvertierte er vom Katholizismus zur evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.). Ab 1873 studierte er Rechtswissenschaft an der Universität Graz, 1875 wechselte er an die Universität Wien, wo er 1878 zum Dr. iur. promoviert wurde.[1] Nach weiteren Studienaufenthalten in Leipzig, Berlin und Göttingen habilitierte er sich 1880 in Graz für Römisches Recht.

Nach neun Jahren als Privatdozent wurde Pfersche 1889 zum unbesoldeten außerordentlichen Professor in Graz ernannt. Als Nachfolger von Gustav Hanausek ging er 1893 als planmäßiger Extraordinarius an die Karl-Ferdinands-Universität, die ihn 1895 als ordentlichen Professor berief. 1906/07 war er Rektor der Universität und 1909/10 Dekan der Juristischen Fakultät. Seine Rektoratsrede befasste sich mit Recht und Krieg.[2][3]

Mit Joseph Ulbrich veröffentlichte Pfersche 1897 den Entwurf eines böhmischen Sprachengesetzes, der an radikalen Kräften beider Seiten scheiterte. Für den Wahlkreis der nordböhmischen Städte Aussig, Karbitz, Teplitz und Dux wurde er im selben Jahr in den österreichischen Reichsrat gewählt, dem er bis Ende 1900 angehörte. Dort saß er im Klub der Deutschen Fortschrittspartei, deren Mitgründer Pfersche war. Ab Oktober 1914 war er Obmann der Deutschen Fortschrittspartei in Böhmen.[1] Er starb im 62. Lebensjahr.

Schriften

  • Die Irrtumslehre des Österreichischen Privatrechts (1891), Neudruck Kessinger (2010). Google Books
  • Das Problem des Gewohnheitsrechtes (1895), Neudruck Kessinger (2010). Google Books
  • Methodik der Privatrechtswissenschaft, Neudruck BiblioLife (2010). Google Books
  • Grundriss der allgemeinen Lehren des Bürgerlichen Rechts (1907), Neudruck Kessinger (2010). Google Books
  • Die Parteien der Deutschen in Österreich vor und nach dem Weltkrieg, Duncker & Humblot, München und Leipzig 1915. (Online)

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b Kurzbiografie Pfersche, Emil Dr. iur. In: Parlamentarierinnen und Parlamentarier ab 1848, Parlament der Republik Österreich
  2. Rektoratsrede (HKM)
  3. ÖBL 1815–1950