Emil Artur Longen

Emil Artur Longen, eigentlich Emil Artur Pittermann, in Tschechien oft auch E. A. Pitterman, (* 29. Juli 1885 in Pardubitz, Böhmen, Österreich-Ungarn; † 9. Oktober 1936 in Beneschau, Tschechoslowakei) war ein tschechischer Drehbuchautor, Dramaturg, akademischer Maler, Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller. Sein richtiger Name war Emil Václav František Pitterman. Seinen bürgerlichen Namen nutzte er hauptsächlich für die Signatur der Gemälde, die er bis 1919 anfertigte. Ansonsten verwendete er das Pseudonym „Longen“ für seine dramatischen und theatralischen Werke und für Zeichnungen mit Theatermotiven. Später setzte sich das Pseudonym für all seine Schaffensbereiche durch. Zeitungsartikel signierte er jedoch überwiegend mit den Pseudonymen „Chvostík“, „L. Ongis“ oder „A. Longhen“.[1]

Leben

Longen war der älteste von vier Söhnen des Juristen Václav Pitterman, der in Vlašim als Rechtsberater von Erzherzog Franz Ferdinand d’Este arbeitete. Er besuchte das Gymnasium in Beneschau oder das Realgymnasium in Vlašim, wo er auch mit dem Malen begann und im Amateurtheater mitspielte. Er beendete das Gymnasium 1902 und riss mit fünfzehn Jahren von zu Hause aus und schloss sich einer Wandertheatergruppe an. Unter einem Vorwand wurde er von seiner Familie in das Sanatorium Kramer für Geisteskranke eingewiesen und verließ mit sechzehn endgültig seine Familie. Ab 1901 war er künstlerisch aktiv und arbeitete zeitweise im Zirkus und im Varieté. Von 1902 bis 1906 studierte er Malerei bei Vlaho Bukovac und Franz Thiele an der Akademie der bildenden Künste in Prag. Er zeigte sich schon damals als Aktivist. 1906 trat er gemeinsam mit Eduard Bass unter dem Pseudonym Longen im ersten Prager Kabarett auf. 1907 beteiligte er sich gemeinsam mit Otakar Kubín, Emil Filla und Bohumil Kubišta an der Gründung und der ersten öffentlichen Ausstellung der Malergruppe Osma. An der zweiten Ausstellung in Topičů nahm er jedoch nicht teil. Von 1909 bis 1910 reiste er mit einem Zirkus durch Frankreich und arbeitete für die Filmgesellschaft Pathé Frères. Nach seiner Rückkehr schloss er sich der Prager Bohème-Szene an, die sich im Café Union traf und wo er auch Egon Erwin Kisch und der Schauspielerin Polyxena Marková (1891–1928) begegnete, die er 1910 heiratete.

Seit 1910 trat er mit seinem Kabarettprogramm auf den Bühnen der Theater Lucerna, Montmartre, Červená sedma und Rokoko auf, machte sich aber auch einen Namen in Paris und Berlin. 1913 gründete er ein eigenes Wanderkabarett, in dem er mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar auftrat. Nach finanziellem Misserfolg fuhr er nach Berlin und Triest und trat auf den dortigen Bühnen erfolgreich auf.

1918 arbeitete Longen im Nationaltheater in Slowenien unter anderem als Regisseur. Nach seiner Rückkehr nach Prag ging er zurück zu Červená sedma (Rote Sieben) unter der Leitung von Eduard Bass. 1920 gründete er in Prag das Kabarett BUM, in dem berühmte Prager Komiker wie Ferenc Futurista, Vlasta Burian, Eman Fiala, Saša Rašilov, Josef Rovenský und Karel Noll auftraten. Sein zweites Standbein wurde die Revoluční scéna (Revolutionäre Bühne), die er im September 1920 gründete und in der er das erste Mal Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk seines Freundes Jaroslav Hašek auf der Bühne aufführte. 1922 scheiterten beide Projekte. Longen fuhr nach Deutschland und wurde Direktor der Wilden Bühne in Berlin, wechselte dann nach Brünn und kurz darauf in das Prager Rokoko. Hier begann eine jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit mit Vlasta Burian, die bis 1934 andauerte. Nachdem die ersten Tonfilme entstanden, trat er 1931 als Hauptdarsteller im Spionagedrama Aféra plukovníka Redla auf. In den 1930er Jahren entstanden Komödien mit Vlasta Burian, geschrieben von Longen. Daneben gab er Memoiren über seine Frau heraus und schrieb für diverse Zeitschriften und Feuilletons Artikel aus dem Theaterleben.

Osma

Im Frühjahr 1907 wurde von Emil Fila die expressionistische Künstlergruppe, die sich Osma (Die Acht) nannte, gegründet. Diese Gruppe bestand aus den acht jungen tschechischen und deutsch-böhmischen Künstlern: Emil Filla, Friedrich Feigl, Max Horb, Otakar Kubín, Bohumil Kubišta, Willi Nowak, Longen und Antonín Procházka (Vincenc Beneš, Linka Scheithauerová-Procházková und Václav Špála schlossen sich später an) und orientierte sich an der Expressivität Edvard Munchs, fand aber in Prag wenig Zustimmung, da sie nicht mit dem traditionell vorhandenen Realismus zu vereinen schien. So führten schwierige Existenzverhältnisse dazu, dass sich die Gruppe relativ bald auflöste. Einige der Künstler fanden sich dann etwa ab dem Jahr 1911 in einer neuen Künstlergruppe wieder, die sich Tvrdošíjní nannte und bereits mehr am Kubismus orientiert war.

Werke (Auswahl)

Longen verfasste mehr als 50 eigene Stücke und verfasste zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen von Dramaturgie und betätigte sich auch als Romanautor und Filmlibrettist.[2]

Theaterstücke und Inszenierungen[3]

  • Der Fall des Generalstabschefs Redl (Vyzvedacska afera obrsta Redla, Tragikomödie) Premiere am 22. Januar 1924 im Theater Rokoko in Prag. Emil Artur Longen spielte den Redl, Xena Longenovä die Franci Malikovä (Franzi Mittringer in der deutschen Fassung). Das Stück wurde 175-mal wiederholt.
  • Piccaver im Salon Goldschmied (Tajemstvi Goldschmiedova salönu, Kamzikova ulice, Komödie) Wurde Ende 1923 im Theater Rokoko inszeniert; angelehnt an die Reportage Die Geheimnisse des Salons Goldschmied von Egon Erwin Kisch.
  • Die Versteigerung von Castans Panoptikum Im Juli 1923 unter dem Titel Kdo koupi Rothschilda? ‚Wer kauft den Rothschild?‘ von Longen inszeniert, mit Xena Longenovä in der Rolle der „feschen Böhmin“
  • Die Mutter des Mörders (Matka vrahova) Einakter aus Senzace zumalisty ‚Sensation eines Journalisten‘ Uraufführung am 18. November 1924 unter Longens Regie im Theater Rokoko uraufgeführt wurde.
  • Wie Ferda Mestek de Podskal die Konzession fürs Flohtheater einholte (Jak si obsläp Ferda Mestek de Podskal koncesi na bleši divadlo) mit dem Untertitel Prazskä historickä groteska z doby stanneho präva v letech devadesätych ‚Prager historische Groteske aus der Zeit des Standrechts in den neunziger Jahren‘ Premiere am 16. März 1925 im Theater Rokoko.

Schriften

  • Král komiků (= Veselá četba. Band 1) Adolf Synek, Prag 1927.
  • Jaroslav Hašek E. Beauford, Prag 1928 (eknihovna.maxzone.eu).
  • Herečka. 1929 (Erzählung über seine Frau Xena Longenová).

Filmografie

Stummfilm

  • 1911: Rudi na křtinách, Rudi na záletech, Rudi se žení, Rudi sportsman (Minireihe, Regie, Darsteller und Autor)
  • 1921: Otrávené světlo (als Illusionist Durk)

Tonfilm

  • 1930: C. a k. polní maršálek (Drama, deutscher Titel, Der Falsche Feldmarschall)
  • 1931: Aféra plukovníka Rédla (als Alfred Redl und Autor)
  • 1931: Třetí rota (als Fähnrich Benda)
  • 1931: Miláček pluku (Regie, Darsteller und Autor)
  • 1931: Skalní ševci (Regie, Darsteller und Autor)
  • 1935: Studentská máma (Pariserin, Autor)

Buchvorlagen und Drehbücher

  • 1931: Poslední bohém
  • 1931: Skalní ševci
  • 1932: Anton Špelec, ostrostřelec
  • 1934: Hrdinný kapitán Korkorán
  • 1935: Jedna z milionu
  • 1936: Naše jedenáctka

Kunstwerke

  • 1914, Pula / Schiffe vor der Küste Kroatiens, Öl auf Karton, 49,5 × 66 cm
  • 1914, Panorama von Prag, Öl auf Karton, 65 × 80 cm
  • 1915, Namestí, Mischtechnik, 48 × 56 cm
  • 1916, Panorama von Prag, Öl auf Karton, 65 × 81,5 cm
  • 1916, Rue dorée, Öl auf Leinwand, 68,5 × 85 cm
  • 1916, St Nikolauskirche in Prag, Öl auf Leinwand, 80 × 62 cm
  • 1917, Landschaft, Öl auf Karton, 51 × 72 cm
  • 1918, Flaneure im Parc, Öl auf Karton, 68,5 × 89,5 cm
  • 1919, Landschaft um Marseille, Öl auf Karton, 69,5 × 98,5 cm
  • 1924, Stillleben mit Tasse und Früchten, Öl auf Leinwand, 55 × 71 cm
  • 1926, Stillleben mit Kerzenleuchter und Früchten, Öl auf Leinwand, 40,5 × 47 cm
  • 1926, Stillleben mit Blumen, Orangen und Tasse, Öl auf Leinwand, 45 × 47 cm
  • 1927, Zimmer Smi, Öl auf Leinwand, 58 × 69 cm
  • 1932, Landschaft, Öl auf Leinwand, 51 × 36 cm
  • 1933, Stadtansicht, Öl auf Leinwand, 42 × 52 cm
  • 1933, Fruehlingsallee, Öl auf Leinwand, 54 × 65 cm
  • 1933, Weg in Sommerlandschaft, Öl auf Karton, 65,5 × 71,5 cm
  • 1935, Landschaft mit Pinien, Öl auf Leinwand, 42 × 52 cm
  • 1935, Landschaft, Öl auf Leinwand, 49 × 58 cm
  • 1935, Repose, Öl auf Leinwand, 80 × 100 cm
  • 19xx, Landschaft, Öl auf Leinwand, 35 × 40 cm
  • 19xx, Meeresbucht, Öl auf Karton, 50 × 70 cm
  • 19xx, Vysehradsky pristav, Öl auf Leinwand, 59 × 60 cm
  • 19xx, Treiben in der Altstadt, Öl auf Karton, 69 × 89 cm
  • 19xx, Tschechischer Impressionist, Öl auf Karton, 69 × 89 cm
  • 19xx, Treiben in der Altstadt, Öl auf Karton, 69 × 89 cm
  • 19xx, Pilzsammler, Öl auf Leinwand, 96 × 65 cm

Literatur

Commons: Emil Artur Longen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ladislava Petišková: Longen, Emil Artur encyklopedie.idu.cz (tschechisch)
  2. Longen Emil Artur (Pittermann). In: Nový velký ilustrovaný slovník naučný. Band 12: Legionář-Med. Prag 1931, S. 116 (tschechisch, Textarchiv – Internet Archive).
  3. Egon Erwin Kisch: Gesammelte Werke. Band 10: Läuse auf dem Markt – Vermischte Prosa. Aufbau-Verlag, Berlin / Weimar 1985, S. 633 ff. (Textarchiv – Internet Archive).