Emerik Feješ

Emerik Feješ (serbisch-kyrillisch Емерик Фејеш; * 1904 in Osijek, Königreich Ungarn; † 1969 in Novi Sad, Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) war ein jugoslawischer Maler. Feješ zählt zu den wichtigsten Vertretern der jugoslawischen historisch sogenannten "Naiven Kunst".

Leben

Emerik Feješ wurde 1904 in Osijek als neuntes von vierzehn Kindern einer serbisch-ungarischen Familie geboren. Sein Vater war Kamm- und Knopfmacher. Im Jahr 1909 zog die Familie nach Novi Sad, wo Feješ den Großteil seines Lebens verbrachte. Er verließ die Schule mit neun Jahren und arbeitete zunächst in verschiedenen handwerklichen und gewerblichen Berufen, unter anderem als Drechsler, Antiquitätenverkäufer und Hobler. In den folgenden Jahrzehnten lebte und arbeitete er in zahlreichen Städten des damaligen Jugoslawiens, darunter Zagreb, Pula, Belgrad, Maribor, Celje, Rijeka und Osijek.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs flüchtete Feješ als Angehöriger der serbisch-ungarischen Minderheit nach Ungarn. Nach Kriegsende kehrte er dauerhaft nach Novi Sad zurück. Aufgrund chronischer gesundheitlicher Probleme infolge schlechter Arbeitsbedingungen in Fabriken wurde er 1949 arbeitsunfähig und begann im selben Jahr mit der Malerei.[2]

Werk

Seine frühen Werke umfassten Stillleben, Akte und Porträts. Ab Mitte der 1950er-Jahre wandte er sich Stadtansichten zu, die zum Hauptthema seines Schaffens wurden. Die architektonischen Motive entnahm er häufig Postkarten, Briefmarken oder Zeitungsausschnitten, wobei er reale und imaginäre Elemente kombinierte. Viele der dargestellten Orte hatte er nie selbst besucht. Besonders häufig malte er Städte wie Belgrad, Novi Sad, Zrenjanin, Dubrovnik, Split sowie ausländische Metropolen in Deutschland, Frankreich, Italien und vereinzelt auch außerhalb Europas.[1]

Seine Arbeitsweise war geprägt von Improvisation: Er verwendete einfache Materialien wie Tempera, Gouache oder Öl auf Papier, Sperrholz oder Linoleum. Als Malwerkzeuge dienten ihm oft angespitzte Streichhölzer. Ein charakteristisches Merkmal seiner Bilder ist die flächige Darstellung von Bauwerken, kombiniert mit kräftigem Kolorit und perspektivisch unlogischen Kompositionen. Menschen und Fahrzeuge sind in seinen Darstellungen selten vorhanden.[3]

Ein zentrales Motiv war die Stadt Novi Sad, in der er lebte. Er stellte unter anderem den Freiheitsplatz mit dem Denkmal für Svetozar Miletić, das Rathaus, die Synagoge und den sogenannten „Eisernen Mann“ dar.

Rezeption

Feješ nahm ab den 1950er-Jahren an mehreren Gruppenausstellungen in Jugoslawien teil, darunter in Subotica, Sombor und Novi Sad. Seine erste Einzelausstellung fand 1956 in der Galerie für primitive Kunst in Zagreb statt, für die Dimitrije Bašičević eine Einführung schrieb.[4] Er wurde in den 1970er-Jahren von dem bedeutenden Kunstkritikern Oto Bihalji-Merin gewürdigt, der seine Werke in die Wanderausstellung Die Kunst der Naiven (1974–1975) integrierte.[5]

In der Bundesrepublik Deutschland zeigte die Galeristin Charlotte Zander seine Werke ab 1974 regelmäßig in Einzelausstellungen sowie im Museum Charlotte Zander in Bönnigheim. Das Museum für Naive und marginalisierte Kunst in Jagodina, Serbien,[6] verfügt heute über eine der größten Sammlungen seiner Werke. Weitere wichtige Sammlungen befinden sich im Kroatischen Museum für Naive Kunst in Zagreb, in der Sammlung Zander in Köln,[2] sowie in zahlreichen privaten Sammlungen weltweit.

Feješ wird heute als zentraler Vertreter der historisch sogenannten „Naiven Kunst“ Jugoslawiens angesehen. Jahr 1991 wurde sein Werk in der autonomen Provinz Vojvodina offiziell unter Kulturgutschutz gestellt.

Ausstellungen (Auswahl)

  • Galerie für bäuerliche Kunst / Galerie für primitive Kunst, Zagreb, 1956.
  • Das naive Bild der Welt, Kunstverein Hannover, Hannover, 1961.
  • Galerie la Feluca, Rom, 1963.
  • Retrospektive im Rahmen der großen internationalen Ausstellung Naivini '70, Hlebine, 1970.
  • L'art en Yougoslavie de la préhistoire à nos jours, Grand Palais, Paris, 1971.
  • Die Kunst der Naiven / Themen und Beziehungen, Haus der Kunst, München, 1974.
  • Galerie Charlotte, München, 1987.
  • Ausstellung 6, Sammlung Zander, Köln, 2025.

Einzelnachweise

  1. a b Sammlung Zander: Sammlung Zander – Aktuell. Abgerufen am 25. September 2025 (deutsch).
  2. a b Sammlung Zander: Sammlung Zander – Emerik Feješ. Abgerufen am 25. September 2025 (deutsch).
  3. Vladimir Crnković: Emerik Feješ. Hrsg.: Charlotte Zander. 1. Auflage. Wachter Verlag, Bönnigheim 1997, ISBN 3-926318-22-8.
  4. Anatole Jakovsky: Peintres naïfs - Lexikon der Laienmaler aus aller Welt. 1. Auflage. Basilius Presse, Basel 1976, ISBN 3-85560-034-1, S. 224.
  5. Oto und Lise Bihalji-Merin, Ingrid Krause: Die Kunst der Naiven. Themen und Beziehungen. 1. Auflage. Haus der Kunst, München 1975, S. 48.
  6. Andjela: Emerik Feješ: A Self-Taught Painter of Cities He Never Visited. In: Visit Distrikt Novi Sad. 13. Oktober 2022, abgerufen am 25. September 2025 (amerikanisches Englisch).