Emanuel Christian Gottlob Langbecker
Emanuel Christian Gottlob Langbecker (auch Emanuel Christian Gottlieb Langbecker; * 31. August 1792 in Berlin; † 24. Oktober 1843 ebenda) war ein deutscher Liederdichter, Hymnologe und Herausgeber mehrerer kirchenmusikalischer Werke. Im Jahr 1840 wurde er zum Hofstaatssekretär des Prinzen Waldemar ernannt.[1] Er gilt als einer der wichtigen Vertreter der protestantischen Liedforschung des frühen 19. Jahrhunderts.[2]
Leben und Schaffen
Langbecker wurde 1792 als einziger Sohn einer frommen und geachteten Tuchmachermeisters-Familie in Berlin geboren. Er hatte drei Schwestern, von denen eine schwer erkrankte und gelähmt wurde. Das religiöse Elternhaus prägte seine frühkindlichen Eindrücke und beeinflusste seinen späteren Weg als Liederdichter und Hymnologe tief. Langbecker unternahm mit seinem Vater zahlreiche Reisen und verfasste in Mußestunden seine ersten Gedichte.[3] Er besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster und strebte eine medizinische Laufbahn an. Diese gab er jedoch auf, nachdem er bei einer ärztlichen Operationsbeschreibung seines Onkels ohnmächtig geworden war. Er lernte daraufhin das Tuchmacherhandwerk seines Vaters und wurde 1817 zünftiger Meister. Neben seiner Tätigkeit im väterlichen Betrieb vertiefte er sich in das Spiel der Orgel und galt als begabter Organist der Berliner St.-Georgen-Kirche.[4]
Langbeckers Rolle im Dienst der Prinzessin Wilhelm von Preußen und später ihres Sohnes Prinz Waldemar von Preußen stellte einen wesentlichen Abschnitt in seinem Leben und Schaffen dar. Im Jahr 1827 wurde er zum Kammerdiener ernannt. Dies war eine Position, die es ihm ermöglichte, seine literarischen Studien und die Erforschung der deutschen Kirchenliedtradition mit größerer Intensität fortzusetzen. In dieser Zeit widmete er mehrere seiner Veröffentlichungen Mitgliedern des Hofes, insbesondere dem Prinzen Waldemar, was sein persönliches und berufliches Ansehen stärkte. Langbecker veröffentlichte bedeutende Werke wie Das deutsch-evangelische Kirchenlied (1830), das zur dritten Jubelfeier der Augsburgischen Konfession herausgegeben wurde, sowie Leben und Lieder von Paulus Gerhardt (1841), welches dem Prinzen ebenfalls gewidmet war und durch archivalisch fundierte Lebensbeschreibungen hervorzuheben ist.[1]
1840 erfolgte seine Ernennung zum Hofstaatssekretär des Prinzen, was ihm einen festen Platz am Hofe sicherte und ihm erlaubte, seine literarische Tätigkeit in stabilen Verhältnissen weiterzuführen. Während dieser Zeit vertiefte Langbecker auch seine Mitgliedschaft im Berliner Lehrerverein für deutsches Volksschulwesen und leitete seine akademischen und literarischen Aktivitäten in weiteren kirchlichen und sprachlichen Kreisen. Seine Schaffensphase am Hof war geprägt von einer engen Verknüpfung zwischen kirchlicher Frömmigkeit, literarischem Engagement und hoheitlicher Anerkennung, die ihn zu einer bedeutenden Persönlichkeit der evangelischen Hymnologie im 19. Jahrhundert machte.[5]
Nach dem Tod seines Vaters am 26. Januar 1829 heiratete Langbecker im gleichen Jahr, an seinem 37. Geburtstag, Sophie Auguste Zeiz, die Tochter einer angesehenen Witwe, in der St.-Georgen-Kirche.[4] Die Ehe blieb kinderlos.[1]
Langbecker pflegte eine enge und förderliche Beziehung zu Franz Daniel Friedrich Wadzeck, die von großer Bedeutung für seine literarische Entwicklung war: Wadzeck, bekannt durch die nach ihm benannten Waisenanstalten, wirkte als intellektueller Mentor und förderte Langbecker maßgeblich, indem er ihn ermutigte, seine geistlichen Gedichte zu veröffentlichen. Wadzeck gastierte als Herausgeber eines Berliner Wochenblattes, in dem ab 1822 Langbeckers erste Lieder erschienen, was dessen Bekanntheit und Rezeption erheblich steigerte. Diese publizistische Unterstützung eröffnete Langbecker den Zugang zur literarischen Öffentlichkeit und festigte seine Position als Liederdichter.[6] Der Tod Wadzecks im Jahr 1823 stellte für Langbecker einen einschneidenden Verlust dar, der sich auch in mehreren Nachrufen und Trauergedichten dokumentiert findet. Auch mit Dr. Karl Dielitz, Vater von Theodor Dielitz, stand er in engerer Verbindung.[7]
Trotz gesundheitlicher Probleme und persönlicher Schicksalsschläge, darunter der Verlust naher Angehöriger und die Choleraepidemie, behielt er seinen festen Glauben bei. Langbecker war durch seine Gewissenhaftigkeit, Bescheidenheit und seine aufrichtige Frömmigkeit hoch angesehen.
Emanuel Christian Gottlieb Langbecker starb am 24. Oktober 1843 an den Folgen einer Gallenruhr.[1] Er wurde auf dem Georgen-Kirchhof am Königsthor in Berlin bestattet, was seinem Wunsch entsprach, da auch seine Eltern hier beerdigt waren. Dieser Friedhof war für ihn von besonderer Bedeutung, da er familiäre Bindungen und eine tiefe persönliche Verbindung zur dortigen Gemeinde und Kirche hatte, in der er jahrelang als Organist gewirkt hatte. Sein Lebenswerk als bedeutender Hymnologe und Liederdichter wurde in Trauerreden und Nachrufen u. a. im Trauerhaus und bei der Beisetzung gewürdigt.[8]
Werke (Auswahl)
- Gedichte. Berlin 1824, 1828.
- Geschichte der St. Georgen-Kirche in Berlin. Berlin 1827.
- Das deutsch-evangelische Kirchenlied. Ein Denkmal zur dritten Jubelfeier der Augsburgischen Konfession. Oehmicke, Berlin 1830.
- Reprint: Legare Street Press, 2023, ISBN 978-1-02277345-5.
- Gesang-Blätter aus dem sechzehnten Jahrhundert. Berlin 1838.
- Leben und Lieder des Paulus Gerhardt. Berlin 1841.
- Johann Crüger’s Choral-Melodien. Berlin 1843 / 1844.
- Mit Samuel Elsner (Hrsg.): Geistlicher Liederschatz. Sammlung der vorzüglichsten geistlichen Lieder für Kirche, Schule und Haus und alle Lebensverhältnisse; (dem Gesangbuch sind Gebete beigegeben). Elsner, Berlin 1832.
Literatur
- Carl Bertheau: Langbecker, Emanuel Christian Gottlieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 618–620.
- Karl Goedeke: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung. Band XVI, Akademie Verlag GmbH, Berlin, 1983, u. a. S. 250–254
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Carl Bertheau: Langbecker, Emanuel Christian Gottlieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 618–620.
- ↑ Karl Goedeke: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung, Achtes Buch: Vom Frieden 1815 bis zur französischen Revolution 1830, Band XVI. Hrsg.: Herbert Jacob. 2. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983, S. 10, 33, 226, 250–254, 512.
- ↑ Karl Goedeke: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung, Achtes Buch: Vom Frieden 1815 bis zur französischen Revolution 1830, Band XVI. Hrsg.: Herbert Jacob. 2. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983, S. 250.
- ↑ a b G. Schäffer: Das Leben des Liederdichters Emanuel Christian Gottlieb Langbecker. Hrsg.: G. Schäffer. Berlin 1844, S. 8–13.
- ↑ G. Schäffer: Das Leben des Liederdichters Emanuel Christian Gottlieb Langbecker. Hrsg.: G. Schäffer. Berlin 1844, S. 20–32.
- ↑ G. Schäffer: Das Leben des Liederdichters Emanuel Christian Gottlieb Langbecker. Hrsg.: G. Schäffer. Berlin 1844, S. 12–14.
- ↑ G. Schäffer: Das Leben des Liederdichters Emanuel Christian Gottlieb Langbecker. Hrsg.: G. Schäffer. Berlin 1844, S. 16–18.
- ↑ G. Schäffer: Das Leben des Liederdichters Emanuel Christian Gottlieb Langbecker. Hrsg.: G. Schäffer. Berlin 1844, S. 42–44.