Else Rosenbaum-Philip
Else Emma Rosenbaum-Philip (geborene Philip, am 12. März 1879 in Hamburg; deportiert am 25. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt, ihr weiteres Schicksal nach 1944 ist unbekannt) war eine deutsche Ärztin, Frauenrechtlerin und eine der ersten Ärztinnen in Hamburg.
Leben und Wirken
Else Emma Philip wurde am 12. März 1879 in Hamburg geboren. Sie war die Tochter von Hedwig Philip, geborene Scheuer, und Ernst Philip (verstorben 1901). Ernst Philip war Kaufmann; die Familie war evangelisch.[1] Else Philip besuchte zehn Jahre lang, bis 1896, eine Privatschule, wie es bei „höheren Töchtern“ üblich war. Danach wurde sie vier Jahre lang in Hauswirtschaften unterwiesen. Erst im Alter von 21 Jahren konnte sie in Hannover das Gymnasium besuchen und am 28. Februar 1905 in Hameln das Abitur ablegen. In der Zeit starb ihr Vater.[2]
Sie begann ein Studium der Medizin, studierte in München, Berlin, Freiburg und Würzburg. In Würzburg gründete sie einen ‚Verein studierender Frauen‘. Sie ging für ihr Medizinalpraktikum an das Krankenhaus vom Roten Kreuz nach Kassel. Dort lernte sie Max Rosenbaum (1882–nach 1941) kennen.[2] Rosenbaum war ein Spezialist für Lungenkrankheiten.[1] Nach ihrer Promotion, die sie 1911 in Leipzig ablegte, und dem Erhalt der Approbation heiratete sie Rosenbaum und ließ sich am 1. Oktober 1911 als praktische Ärztin in Hamburg in der Hammer Landstraße 69 in einer Gemeinschaftspraxis mit ihrem Mann nieder.[2] 1912 wurde sie von der Oberpostdirektion Hamburg als Postärztin angestellt.[3]
Das Paar bekam zwei Töchter: Gertrud, geboren am 16. Oktober 1914, später verheiratete Gertrud Sachs, und Marianne, geboren am 24. Mai 1920, später verheiratete Marianne Rendsburg. Während des Ersten Weltkriegs führte Else Emma Rosenbaum-Philip auch die Praxis ihres Mannes.[1] Die Rosenbaums sollen Mitglieder der SPD gewesen sein und sich bewusst für eine Praxis in einer Arbeitergegend entschieden haben. Rosenbaum-Philip soll auch Frauenrechtlerin gewesen sein. Ihr war es ein Anliegen, den Frauen aus den Arbeiterfamilien und ihren Familien zu helfen. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Max Rosenbaum als Lungenfacharzt, zudem als Vertrauensarzt für die AOK und Else Emma Rosenbaum-Philip als Allgemein- und Kinderärztin, dies nach wie vor mit ihrem Mann in einer Gemeinschaftspraxis.[2]
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Rosenbaums Opfer der NS-Judenverfolgung. Wie allen jüdischen Ärzten wurde ihnen zum 30. September 1938 die Bestallung entzogen. Anlässlich der Volkszählung 1939 wurden alle Mitglieder der Familie Rosenbaum als „jüdisch“ klassifiziert. Die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche wurde nicht anerkannt. Sie versuchten, aus Deutschland auszureisen, doch die Pläne scheiterten. Marianne heiratete am 13. März 1939 Manfred Rendsburg nach jüdischem Ritus und Gertrud heiratete Julius Sachs im Jahr 1940. Die Enkeltochter Tana Sachs wurde am 8. Oktober 1941 geboren. Zwei Wochen später, am 25. Oktober 1941, sollte sich die komplette Familie zur Deportation im Logenhaus an der Moorweide einfinden. Familie Sachs wurde wegen des Säuglings zunächst nicht deportiert.[2]
Die Familie wurde in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Dort lebten die zwei Ehepaare in einem Zimmer mit Küche in der Franzstraße 30/20. Else Emma und Max Rosenbaum arbeiteten im Krankenhaus im Ghetto, Marianne nähte als Schneiderin Wehrmachtsuniformen und Manfred Rendsburg arbeitete bei der Feuerwehr. Da alle berufstätig waren, erhielten sie Lebensmittelmarken und konnten weitere Lebensmittel eintauschen. Dies sicherte ihr Überleben bis zum Sommer 1944. Dann wurde das Ghetto geräumt und es gibt keine weiteren Informationen über den Verbleib von Max Rosenbaum und Else Emma Rosenbaum-Philip.[2]
Marianne und Manfred Rendsburg wurden ins KZ Auschwitz transportiert und dort getrennt. Marianne Rendsburg wurde im KZ Stutthof ermordet. Ihr Mann Manfred Rendsburg überlebte mehrere Konzentrationslager und kehrte nach Hamburg zurück.[2] Die kleine Tana Sachs erkrankte und starb am 27. April 1942 trotz einer Behandlung im Universitätskrankenhaus durch Rudolf Degkwitz. Einige Wochen später wurden auch die Eltern deportiert. Ihr Schicksal ist nicht bekannt.[4]
Else Emma Rosenbaum-Philip wurde in Hamburg ein Frauenort gewidmet.[2]
Weblinks
- Frauenort für Else Emma Rosenbaum-Philip
- Hildegard Thevs: Dr. Else Emma Rosenbaum (geborene Philip) * 1879. In: stolpersteine-hamburg.de. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Ärztinnen im Kaiserreich. In: charite.de. geschichte.charite.de, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e f g h Else Rosenbaum Philip auf Hamburg-Frauenbiografien.de, abgerufen am 9. Oktober 1925
- ↑ Frauenberufe und Studium. In: Mitteilungen der „Vereinigung der arbeitenden Frauen“ / Österreichische Frauen-Rundschau, Jahrgang 1912, S. 9 (online bei ANNO).
- ↑ Hildegard Thevs: Julius Sachs * 1916. In: stolpersteine-hamburg.de. Abgerufen am 2. Dezember 2025.