Elsbeth Cohen-Silberschmidt
Elsbeth Cohen-Silberschmidt (hebräisch אלסבת כהן-זילברשמיט; * 20. Februar 1921 in Burgsteinfurt als Elsbeth Cohen; † 10. Januar 1993 in Naharija) war eine in Deutschland geborene israelische Keramikdesignerin.
Werdegang
Elsbeth Cohen wurde in Burgsteinfurt als Tochter von Richard und Grete Cohen geboren[1] und wuchs zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Margrit (1923–1933), die mit neun Jahren an Scharlach starb, in der Wasserstraße 28 auf. Sie besuchte die jüdische Volksschule in Burgsteinfurt und ab 1931 das Gymnasium Arnoldinum. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers und dem in Folge wachsenden Antisemitismus in Deutschland und der zunehmenden Ausgrenzung jüdischer Menschen verließ sie im September 1935 in der Obertertia die Schule. Danach war sie von April 1936 bis Mitte September 1936 Schülerin an der 1926 gegründeten Jüdischen Mädchenschule in Wolfratshausen, die besonderen Wert auf eine landwirtschaftliche Ausbildung legte und sie auf eine Auswanderung nach Israel vorbereiten sollte.[2][3]
Ende Mai 1937 emigrierte Elsbeth Cohen mit ihren Eltern ins britische Völkerbundsmandat für Palästina.[4] Die Familie ließ sich in Naharija in Nordwestgaliläa nieder, einer 1934 von jüdischen Einwanderern aus Deutschland gegründeten Siedlung in der Nähe von Haifa, wo ihre Eltern das Gästehaus „Haus Cohen“ errichten ließen und betrieben.[2][3] Sie selbst arbeitete zunächst in einem benachbarten landwirtschaftlichen Betrieb in der Geflügelzucht, bevor sie die Keramikmalerei erlernte[2] und bei der 1943 gegründeten Keramikmanufaktur Lapid Ceramics in Tel Aviv eine Anstellung fand.[4] Dort lernte sie ihren ersten Ehemann, den aus Bad Kissingen stammenden Polizisten Albert Silberschmidt (1913–1949) kennen, der 1938 eingewandert war.[1][3] Sie heirateten 1943 und lebten in Naharija. Im Jahr 1949 wurde sie Witwe, als ihr Mann am 14. Dezember mit 36 Jahren in Haifa an Leukämie starb.[1][4] Elsbeth Cohen-Silberschmidt reiste zum Kunststudium nach England, kehrte aber 1951 wegen einer schweren Erkrankung ihres Vaters nach Naharija zurück und arbeitete wieder als Keramikmalerin.[3][4]
Ende der 1960er Jahre lernte Elsbeth Cohen-Silberschmidt ihren zweiten Ehemann, den aus Berlin stammenden Mediziner Rudolf Goldstein (1908–1992) kennen, der seit 1934 in Palästina lebte und im Krankenhaus von Naharija arbeitete. Nach der Heirat bauten sie ein Haus in Naharija und nahmen 1967 Elsbeth Cohen-Silberschmidts seit 1954 verwitwete Mutter auf, nachdem diese das Gästehaus aufgegeben hatte, und die bis zu ihrem Tod 1976 bei ihnen lebte. Ende 1979 gingen Elsbeth und Rudolf Goldstein in den Ruhestand. Sie betrieb die Keramikmalerei weiterhin als Hobby zu Hause. Nach dem Tod ihres Mannes im August 1992 plante sie, auf Vorschlag ihrer in den Niederlanden lebenden Kusine Amely Weinberg, geb. Cohen, zu ihr umzusiedeln. Ende 1992 hatte sie jedoch in kurzer Folge zwei Herzinfarkte und starb Anfang 1993 in Naharija.[2][3]
Künstlerische Arbeit
Elsbeth Cohen-Silberschmidt gehörte zu den Immigrantinnen aus Deutschland, die auch die spätere Keramikindustrie Israels prägten. 1952 richtete Bertha Rosenthal in der Keramikmanufaktur Lapid Ceramics in Tel Aviv eine Abteilung für handverzierte Haushaltskeramik ein, deren Chefdesignerin und künstlerische Leiterin Elsbeth Cohen-Silberschmidt wurde.[4][5][6]
Elsbeth Cohen-Silberschmidt führte moderne europäische Designelemente ein,[5] die stark von westdeutschen und skandinavischen Formen beeinflusst wurden. Sie entwarf sowohl die Formen der Objekte als auch dekorative Oberflächenmuster. „Viele der erschwinglichen und gut gestalteten Alltagsutensilien und Tafelservice wurden zu festen Bestandteilen israelischer Haushalte“[4][6] und die Keramiken der Manufaktur Lapid zeugten „von einer großen Offenheit für internationales modernes Design, etwa aus Japan oder Skandinavien“.[7]
Das Jüdische Museum Berlin beleuchtete 2013/2014 in der von Michal Friedlander kuratierten Ausstellung Ton in Ton. Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933 die Rolle jüdischer Keramikerinnen und ihren Einfluss auf die israelische Keramik, in der auch Elsbeth Cohen-Silberschmidt vertreten war,[5][7] ebenso wie in der Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne im Jahr 2025.[8]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Die Familien Silberschmidt, Sondheimer und Zuntz. In: Stadt Bad Kissingen. S. 10–11. Abgerufen am 1. Dezember 2025
- ↑ a b c d Karl Friedrich Herhaus: Die jüdisch-christliche Episode des 1853 wiederbegründeten Gymnasium Arnoldinum in Burgsteinfurt 1853 – 1937. Münster 2013, S. 41–42, 67. In: Stolpersteine Steinfurt – ehrenamtliche Initiative zur Ermittlung von Flucht, Vertreibung und Ermordung von Opfern des Nazi-Regimes im Kreis Steinfurt. Abgerufen am 1. Dezember 2025
- ↑ a b c d e Dokumentation Burgsteinfurt. In: Stolpersteine Steinfurt – ehrenamtliche Initiative zur Ermittlung von Flucht, Vertreibung und Ermordung von Opfern des Nazi-Regimes im Kreis Steinfurt. Abgerufen am 1. Dezember 2025
- ↑ a b c d e f Cohen-Silberschmidt, Elsbeth. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 1. Dezember 2025
- ↑ a b c Ton in Ton. Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ a b Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 230, 258
- ↑ a b Jüdische Keramikerinnen aus Deutschland nach 1933. In: Jüdisches Museum Berlin auf Google Arts & Culture. Abgerufen am 29. November 2025
- ↑ Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 1. Dezember 2025