Elisabeth Wolken
Elisabeth Wolken (* 1936 in München als Elisabeth Gericke) ist eine deutsche Germanistin und Kunsthistorikerin. Von 1965 bis 1993 hatte sie die Direktion der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo inne.[1][2][3] Sie öffnete die Institution zur Stadt hin und leitete wichtige Reformen ein.[4] Darüber hinaus ist Elisabeth Wolken Präsidentin des Stiftungsrates der Fondazione „Franz Ludwig Catel“, die – unabhängig von ihrer Konfession – Künstler in Rom unterstützt.[5]
Leben
Als Urenkelin von Johanna und Eduard Arnhold wurde Elisabeth Wolken 1936 in eine Familie hineingeboren, die zu den bedeutendsten Kunstmäzenen des Deutschen Kaiserreiches zählt. Auch brachten sich ihre Vorfahren durch enormes karitatives Engagement und die Förderung der Wissenschaft ein. Die bekannteste Gründung, in der sich die verschiedenen philanthropischen Ziele dieses Stifterpaares verbanden, ist die Villa Massimo.[6] 1928 mit der Leitung betraut, fühlten sich Elisabeths Eltern, Erika Gericke, geborene Kunheim (1905–1986) und Herbert Gericke (1895–1978), diesem Auftrag weiter verpflichtet. Sie erhielten auf Lebenszeit jenes Wohnrecht im Haupthaus der Villa, das sich der Stifter bei der Schenkung ausbedungen, aber nie hatte wahrnehmen können.[2.1]
Auch Elisabeth Gericke wuchs teils in der Villa Massimo auf und verbrachte ihre Jugend vorwiegend in Italien. Nachdem sie das Abitur in Florenz abgelegt hatte, schrieb sie sich an der Sapienza in Rom ein. Mit einer Dissertation über Georg Büchner, betreut von dem Ordinarius für Germanistik, Bonaventura Tecchi, schloss sie dort ihr Studium 1965 ab und heiratete den Lyriker und ehemaligen Villa Massimo Stipendiaten Karl Alfred Wolken.[2.2]
Im selben Jahr wurde sie durch das Bundesministerium des Innern (BRD) zur Direktorin der Villa Massimo ernannt. Ihre Einführung fand am 27. Oktober 1965 statt. Maßgebend, so berichtet der Germanist Stephan Oswald aus Dokumenten im Nachlass Schmitz van Vorsts, waren ihre Landes- und Sprachkenntnisse, ihre Vertrautheit mit dem römischen Leben und ihre vielfältigen Beziehungen zu Künstlern, auch der Jugendgeneration Italiens. Gleichzeitig war es ein Anliegen des Ministeriums, die Familientradition zu erhalten.[2.2]
Elisabeth Wolken war die erste Frau in diesem Amt. Die Direktion der ebenfalls 1913 in Rom gegründeten Bibliotheca Hertziana, die auf eine vergleichbare Geschichte als deutsches Auslandsinstitut zurückblicken kann, wurde erst 2001 mit einer Frau, Sybille Ebert-Schifferer, besetzt.
Die Direktion der Villa Massimo
In ihrer Zeit als Direktorin hat Elisabeth Wolken starke Veränderungen der Villa Massimo bewirkt. Dazu gehört, dass seit 1966 nicht nur Künstler und Künstlerinnen, sondern auch ihre Familien vor Ort in der Villa Massimo wohnen dürfen. Eine weitere wichtige Errungenschaft von Elisabeth Wolken war es, die Villa Massimo für öffentliche Veranstaltungen zu nutzen. Als Mitinitiatorin des 1986 ins Leben gerufenen Romaeuropa – Festivals gelang es ihr, den Park der Villa als einen der Festival-Schauplätze zu etablieren. Er gilt seither als fester Bestandteil des Kulturlebens der Stadt Rom.[3][4]
Weblinks
- Liste „Die Direktor:innen der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo“ auf der Homepage der Villa Massimo
Einzelnachweise
- ↑ Angela Windholz: Zur Geschichte der Villa Massimo (1800-2010). In: Joachim Blüher und Deutsche Akademie Rom Villa Massimo (Hrsg.): 100 Jahre Deutsche Akademie Rom Villa Massimo : 1910–2010 ; [anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo]. Wienand, Köln 2011, ISBN 978-3-86832-047-3, S. 15–62.
- ↑ Stephan Oswald: Rückkehr nach Rom. Auswärtige Kulturförderung der jungen Bundesrepublik – eine Spurensuche in der Villa Massimo. zu Klampen Verlag, Hermannshof Völksen 2025, ISBN 978-3-9873704-2-7.
- ↑ a b Villa Massimo | Zur Geschichte der Villa Massimo. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b Redazione: Romaeuropa Festival, dal 4 settembre: il programma. In: 𝐄𝐧𝐝 𝐨𝐟 𝐚 𝐂𝐞𝐧𝐭𝐮𝐫𝐲. 18. April 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Il Consiglio. In: Fondazione Franz Ludwig Catel. Abgerufen am 18. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Michael Dormann: Eduard Arnhold (1849–1925). Eine biographische Studie zu Unternehmer- und Mäzenatentum im Deutschen Kaiserreich. Akademie Verlag GmbH, Berlin 2002, ISBN 3-05-003748-2.