Eleonore Peduzzi Riva

Eleonore Peduzzi Riva (* 1936 in Basel) ist eine Schweizer Designerin und Architektin, die in Mailand arbeitete. Sie wurde 2023 mit dem Schweizer Grand Prix Design ausgezeichnet.

Leben und Wirken

Eleonora Peduzzi Riva wuchs in Basel als Tochter eines Anwalts auf,[1] wo sie Innenarchitektur an der Allgemeinen Gewerbeschule studierte. Ihr Lehrer war der Architekturpionier Paul Artaria. Ende der 1950er Jahre zog sie nach Mailand, wo sie als einzige Frau am Polytechnikum Vorlesungen in Architektur besuchte. Sie lernte dort Gio Ponti, Cesare Cassina, Ernesto Gismondi, Aurelio Zanotta, Luciano Vistosi und Elio Fiorucci kennen, von denen sie später auch Aufträge erhielt. Über 50 Jahre arbeitete sie mit Maddalena De Padova zusammen. Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Sandro Riva gründete sie Anfang der 1960er Jahre ein Architekturbüro in Mailand, in dem sie sich auf Wohnungsumbauten und Privathäuser spezialisierte. Bei Bedarf oder bei Mangel an Bauaufträgen wandte sich Peduzzi Riva dem Produktdesign zu. Für den Musikproduzenten Walter Guertler entwarf sie 1959 ein Möbelsystem, das auf einem einzigen Aluminiumprofil basierte. Es ging unter dem Namen «Lega Leggera» in eine Serienfertigung.[2][3]

Zu ihren Entwürfen als Designerin gehören spätere «Klassiker». Gemeinsam mit Ueli Berger, Heinz Ulrich und Klaus Vogt entwarf sie das modulare Sofa DS-600 für de Sede. Endlos erweiterbar – auch «Tatzelwurm» genannt – ist es charakteristisch für ihre Entwürfe, die es den Nutzenden ermöglichen, ihren Lebensraum selbst gestalten können. Ein Ziel war die Gestaltung von offenen Systemen, die in Modulen frei zusammengestellt werden konnten. Für ihren Sohn entwarf sie 1960 ein Kinderbett, bei dem sie die üblichen Gitterstäbe durch einzeln waschbare Stoffbahnen ersetzte.[1] Ihre Glasschale «Bola» war für das italienische Design jener Zeit so typisch, dass sie 1972 in der «legendären» Ausstellung italienischen Designs «Italy: The New Domestic Landscape» im Museum of Modern Art in New York gezeigt wurde.[3]

In ihrer Tätigkeit als Beraterin legte Peduzzi Riva einen Schwerpunkt auf Corporate Design und entwarf Gesamtkonzepte für den Auftritt von Abet Laminati, Fiorucci, ICF De Padova, Mira-X, Vistosi und weiterer Unternehmen.[2] Sie machte so Ende der 1960er-Jahre Waren zu Markenprodukten und Fabriken zu Designunternehmen. Mit dieser Tätigkeit gilt sie als eine Pionierin.[4]

Peduzzi Riva wurde 2023 mit dem Swiss Grand Prix Design des Bundesamts für Kultur für ihr jahrzehntelanges Schaffen im Bereich Design ausgezeichnet. Der Preis gilt als «eine späte und gebührende Würdigung».[5] Mit der Preisvergabe erreichten sie und ihr Werk erstmals eine größere Öffentlichkeit.[4] Die Vereinigung Schweizer Innenarchitekten und Innenarchitektinnen (VSI.ASAI) wählte sie zur «Ehrenpersönlichkeit 2025».[5]

Peduzzi Riva lebt in Mailand und Riehen.[3]

Entwürfe (Auswahl)

  • 1959 Möbelsystem Lega Leggera für Cassina und Bernini
  • 1960 drei stapelbare Aschenbecher aus Muranoglas für Vistosi
  • 1960 Aschenbecher Spyros für Artemide
  • 1968 Leuchte Vacuna für Artemide
  • 1968 Sitzmöbel Senzafine für Zanotta
  • 1971 Halogenleuchte Molla für Candle
  • 1972 modulares Sofa DS-600 für de Sede – in Zusammenarbeit mit Ueli Berger, Heinz Ulrich und Klaus Vogt

Ausstellungen

Literatur

  • Bundesamt für Kultur (Hrsg.): Schweizer Grand Prix Design 2023. Etienne Delessert, Eleonore Peduzzi Riva, Chantal Prod’Hom. Scheidegger & Spiess, 2023. ISBN 978-3039421572.
  • Die Sehnsucht nach dem Objekt. In: TEC21. Nr. 30 (2023).

Belege

  1. a b Noëmi Gradwohl: Diese Schweizer Designerin ist kaum bekannt – aber ausgezeichnet; mit Radiobeitrag. Bei srf.ch, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  2. a b Francesca Picchi: Eleonore Peduzzi Riva. Diese Schweizer Designerin ist kaum bekannt. Die kreative Dimension des gemeinsamen Arbeitens; mit Video (5:40 min). Bei schweizerkulturpreise.ch, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  3. a b c Gabriele Detterer: Der Entwurf als offenes System. Bei espazium.ch, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  4. a b Ariana Pradal: Die unsichtbare Arbeit im Design. Bei swiss-architects.com, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  5. a b Eleonore Peduzzi Riva. Bei: ai-s.ch, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  6. Eleonore Peduzzi Riva: designer, architetto e consulente. Pressemitteilung bei kunstraumriehen.ch. Englisch, PDF; abgerufen am 29. Dezember 2025.