Elektronenbehandlung von Saatgut
Die Elektronenbehandlung von Saatgut (auch Elektronenbeize) ist ein Verfahren ohne chemische Wirkstoffe, bei dem Krankheitserreger abgetötet werden, ohne dass Endosperm und Embryo im Saatkorn geschädigt werden, wodurch die Keimfähigkeit erhalten bleibt. Das Verfahren wirkt gegen alle Pathogene, die sich in und auf der Samenschale befinden. Es werden nicht nur samenbürtige Pathogene abgetötet, sondern es findet mit der Unterbrechung der Infektionskette durch die Abtötung schädlicher Mikroorganismen wie Bakterien und Viren auch ein nachhaltiger Schutz statt.
Die Elektronenbehandlung ist mit einer jährlichen Behandlungsmenge von über 35.000 Tonnen (Stand 2024) eine Alternative zur chemischen Beizung.
Geschichte
Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurden Experimente zum Schutz und zur Sterilisation von Produkten mithilfe der Elektronenstrahlbehandlung durchgeführt. Für den landwirtschaftlichen Bereich wurde diese Technologie zu Beginn der 1980er Jahre im Forschungsinstitut Manfred von Ardenne in Dresden untersucht. Ziel war der Schutz von Saatgut vor samenbürtigen Erregern, bis dato über Quecksilberbeizen realisiert, bei gleichzeitigem Umwelt- und Anwenderschutz. Im Wesentlichen verlief die Entwicklung über die drei Anlagentypen „Elba“ (Versuchsanlage in Weinböhla, 1983), „Wesenitz 1“ (Pilotanlage in Helmsdorf, 1995) und „Wesenitz 2“ (Mobile Anlage, 1999). Anlagen mit einem ähnlichen Wirkungskonzept vom Typ „EVONTA e-3“, werden von Team Agrar (ehem. Hauptgenossenschaft Nord AG) in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) betrieben.
Unternehmen
2021 wurde von Fraunhofer FEP und Ceravis der Dresdner Anlagenbauer E-VITA GmbH als Joint Venture gegründet.[1] E-VITA verkauft und vermietet Anlagen verschiedener Durchsatzklassen.
Durch die Entwicklung und Einführung der E-VITA PLUS Technologie, kann das Verfahren bei Saatgut auch Ertragsergebnisse verbessern und die Qualität des Saatgutes erhöhen.[2] Dabei handelt es sich um die Kombination von Elektronenbehandlung als ersten Schritt zur Erzeugung pathogenfreier Oberflächen und die Nachbehandlung mit natürlich vorkommenden, symbiotisch der wachsenden Pflanze helfenden Mikroorganismen. Großanlagen sind unter anderem bei den Firmen Ceravis in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), bei der Agravis-Ost in Aschersleben[3] sowie der Geno-Saaten in Rätzlingen im Einsatz.[4]
Auch andere Unternehmen, wie die israelische Pelegol, entwickeln Anlagen zur Elektronenbehandlung von Saatgut.[5]
Literatur
- M. Jahn, O. Röder, J. Tigges: Die Elektronenbehandlung von Getreidesaatgut – Zusammenfassende Wertung der Freilandergebnisse. Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, Berlin, Braunschweig 2005
- S. Schiller, S. Heisig, S. Panzer: Elektronenstrahltechnologie, VEB Verlag Technik, Berlin 1976
Weblinks
- RZ-E-VITA-Ceravis-Broschur-FA.indd Informationsblatt zur Elektronenbehandlung und zum E-VITA PLUS Verfahren der E-VITA GmbH, 2024 (PDF)
Einzelnachweise
- ↑ Fraunhofer Spin-off E-VITA: Joint Venture als Erfolgsmodell. Abgerufen am 8. Mai 2024.
- ↑ AGRAVIS: „E-Vita plus“ stärkt innovativ-nachhaltigen Pflanzenbau - Wirtschaftspost-Online. 4. Juli 2023, abgerufen am 8. Mai 2024 (deutsch).
- ↑ Agravis Ost: E-Vita plus stärkt innovativ-nachhaltigen Pflanzenbau - Münchener Journal. 4. Juli 2023, abgerufen am 7. Juli 2025.
- ↑ Getreidebeizung: Elektronen bieten viele Vorteile - LAND & FORST 38-2024. Abgerufen am 7. Juli 2025.
- ↑ Agrotech. In: Pelegol. Abgerufen am 3. Januar 2026.