Straßenbahn Dornbirn–Lustenau
| Dornbirn–Lustenau | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Triebwagen 3 beim Gasthaus Engel in Lustenau (1920) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Liniengrafik (Situation 1902) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 11,121 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1000 mm (Meterspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Stromsystem: | 550 V = | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 31 ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 30 m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckengeschwindigkeit: | 30 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Straßenbahn Dornbirn–Lustenau war eine meterspurige Schmalspurbahn im österreichischen Bundesland Vorarlberg, die teilweise den Charakter einer städtischen Straßenbahn, teilweise den einer Überlandstraßenbahn aufwies. Sie verkehrte zwischen der Stadt Dornbirn und der Marktgemeinde Lustenau, zuständiges Verkehrsunternehmen war die Aktiengesellschaft Elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau, abgekürzt EBDL. Die Strecke war 11,121 Kilometer lang, durchgehend eingleisig und wurde von Beginn an elektrisch betrieben. Die Fahrspannung betrug 550 Volt Gleichstrom.
Geschichte
Im Jahr 1900 veröffentlichte die Zeitschrift Der Bautechniker eine Kurzmeldung über die Konzessionserteilung für die Kleinbahn Dornbirn – Lustenau.[2] Finanziert wurde die Bahn von der damals expandierenden Vorarlberger Textilindustrie; die am 24. März 1902 kundgemachte Konzession begünstigte als Konzessionäre die Gemeinden Dornbirn und Lustenau.[3]
1902 gab die Zeitschrift für Elektrotechnik an, dass 11,2 km der Bahn in Bau wären.[4] Im gleichen Jahr veröffentlichte ebendiese Zeitschrift einen längeren Artikel über Details der Konzession.[5] Die am 30. November 1902 stattgefundene Eröffnung wurde in der Zeitschrift für Elektrotechnik im Jänner 1903 erwähnt.[6]
Die im Volksmund Tram oder – in Anspielung auf die Abkürzung der Betreibergesellschaft – Elende Beförderung Dummer Leute genannte Straßenbahn wurde als erste elektrische Bahn in Vorarlberg[7] am 30. November 1902 eröffnet[8] und am selben Tag dem Regelverkehr übergeben.[9] Tatsächlich war sie aber nur die erste öffentliche elektrisch betriebene Bahn in Vorarlberg. Eine Werksbahn von F. M. Hämmerle in Feldkirch verwendete schon seit 1894 elektrischen Betrieb.[10] Den Betrieb führte die Siemens & Halske A.-G.[6] Die Trasse verlief vom Bahnhof Dornbirn zu der in Lustenau heute nicht mehr bestehenden Unterfahrbrücke auf Höhe Rheinstraße, auf deren Schweizer Seite sich der Bahnhof Au SG an der Bahnstrecke Chur–Rorschach befand. Anschließend führte sie weiter entlang der heutigen Lustenauer Straße, die Remise in Dornbirn befand sich an der Stelle der inzwischen ebenfalls aufgelassenen Postgarage an der Säger Brücke, mittlerweile befindet sich auf dem vorderen Teil des Geländes der Campus Dornbirn.
Ursprünglich war die Strecke als 24 Kilometer[7] lange Verbindung der Region Bregenzerwald mit der Ostschweiz geplant: von Au im Kanton St. Gallen, über Lustenau, Dornbirn, Schwarzach, Wolfurt nach Kennelbach an der Bregenzerwaldbahn.[7][Anm. 1] An einen Seitenast ins Gütle zum Rappenloch war ebenfalls gedacht, dieser war aber nicht zu finanzieren.
Die Bahngesellschaft wirtschaftete bis 1930 einigermaßen erfolgreich, neben den Personen wurden jährlich auch circa 700 bis 900 Tonnen Waren transportiert.[11] Im Zuge der Weltwirtschaftskrise geriet die Bahn aber in die roten Zahlen. Eine Verkehrszählung vom Sommer 1937 zeigte, dass nur noch 23 Prozent der Reisenden zwischen Dornbirn und Lustenau die Bahn benutzten, 63 Prozent bevorzugten das Fahrrad, zehn Prozent das Auto. Überdies wurden unverkennbar Erneuerungen und Verbesserungen im technischen Bereich nötig.
Stilllegung
Am 31. Oktober 1938, wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs, wurde der (inzwischen von der Deutschen Reichspost übernommene) Bahnverkehr eingestellt und am nächsten Tag durch neun Omnibusse (Gesellschaftswagen) ersetzt. Die notwendigen großen Investitionen, die für einen Fortbestand hätten getätigt werden müssen, schienen den Verantwortlichen nicht rentabel. Überdies dachte man, dem Zeitgeist entsprechend, mehr an eine automobile Zukunft. Medial wurde die Umstellung auf Busse auch als Eingliederungsschritt in die Gepflogenheiten Großdeutschlands dargestellt.[12]
Betrieb
Laut Fahrplanbild 77a Kursbuch Österreich-Ungarn August–September 1914 verkehrten etwa 16 Zugpaare und benötigen für die Gesamtstrecke etwa 45 Minuten. Darüber hinaus wurden auch Züge über Teilstrecken angeboten.
Das Kursbuch 1924 der Österreichischen Bundesbahnen zeigte im Fahrplanbild 80 des Jahres das gleiche Angebot mit allerdings geringfügig kürzeren Fahrzeiten.
Rezeption
Am 26. Oktober 1919 veranstaltete der Fußballverein FC Lustenau 07 ein Wettrennen gegen die Straßenbahn: eine Staffel aus 35 Läufern, die je 150 bis 400 Meter liefen, brauchte 19 Minuten und 45 Sekunden von Dornbirn bis Lustenau – die Straßenbahn dagegen war zehn Minuten länger unterwegs.[Anm. 2]
Fahrzeuge
Alle Wagen waren zweiachsig und in Zweirichtungsbauweise ausgeführt, nach ihrer 1938 erfolgten Ausmusterung wurden sie an die Straßenbahn Klagenfurt verkauft. Alle Fahrzeuge wurden von der Grazer Waggonfabrik geliefert.[13]
| Art | Stück | Nummern | Baujahr | Hersteller | Länge | Achsstand | Bemerkungen |
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| Triebwagen | 5 | 1 bis 5 | 1902 | Grazer Waggonfabrik | 8300 mm | 3000 mm | Ursprünglich offene Plattformen und Laternendach, später Umbau auf Haubendach und Schiebetüren |
| Beiwagen | 2 | 8 und 9 | 1902 | Grazer Waggonfabrik | 8870 mm | 3000 mm | Offene Plattform, Haubendach, Schiebetüren |
| Beiwagen | 2 | 10 und 11 | 1902 | Grazer Waggonfabrik | Gebaut 1902 als Gepäckwagen 6 und 7 1903 Umbau als Beiwagen 10 und 11 | ||
| Beiwagen | 1 | 12 | 1922 | Hauptwerkstätte | 8300 mm | 3000 mm | Ausführung wie Teile der Triebwagen nach deren Umbau |
Relikte
In Lustenau befindet sich noch, direkt am Rheindamm gelegen, ein Remisengebäude. Weiters findet man an wenigen Häusern, z. B. in der Marktstraße in Dornbirn, Oberleitungsrosetten. Im Technikmuseum Historama in Ferlach existiert noch das Wrack eines Beiwagens.[14]
Galerie
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Die ehemalige Remise in Dornbirn
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Die Eröffnungsfeier am 30. November 1902 (Dornbirn, Bahnhofstraße)
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Triebwagen 5 und unbekannter Beiwagen (1925)
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Einer der fünf Triebwagen der Bahn
Literatur
- Concessionierung der elektrischen Kleinbahn von Dornbirn nach Lustenau. In: Maximilian Zinner (Red.): Zeitschrift für Elektrotechnik. Band 20.1902, Heft 25/1902, 22. Juni 1902, ISSN 1013-5111. Spielhagen & Schurich (Kommission), Wien 1902, S. 309 ff. – Text online.
- Hansgeorg Prix: Elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau. Die EBDL, 1902–1938. Heyn, Klagenfurt 1988, ISBN 3-85366-560-8.
- Wolfgang Kaiser: Straßenbahnen in Österreich. Straßenbahn Magazin Bibliothek. GeraMond-Verlag, München 2004, ISBN 3-7654-7198-4.
- F. Hajek, Hans Lehnhart: Die „Elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau“ (E.B.D.L.). In: Straßenbahn-Magazin. Nr. 31, Februar 1979, ISSN 0340-7071, S. 66–71.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ zeitweise Dornbirn Bundesbahnhof
- ↑ Kleinbahn Dornbirn – Lustenau. In: Der Bautechniker, Jahrgang 1900, S. 1146 (online bei ANNO).
- ↑ RGBl. 1902/72. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder, Jahrgang 1902, S. 229–232. (online bei ANNO).
- ↑ Die Baubewegung auf den österreichischen elektrischen Eisenbahnen. In: Zeitschrift für Elektrotechnik / Zeitschrift für Elektrotechnik. Organ des Elektrotechnischen Verein(e)s in Wien, Heft 20/1902, S. 254 (online bei ANNO).
- ↑ Concessionierung der elektrischen Kleinbahn von Dornbirn nach Lustenau. In: Zeitschrift für Elektrotechnik / Zeitschrift für Elektrotechnik. Organ des Elektrotechnischen Verein(e)s in Wien, Heft 25/1902, S. 325 (online bei ANNO).
- ↑ a b Ausgeführte und projektierte Anlagen. Österreich-Ungarn. Österreich. In: Zeitschrift für Elektrotechnik / Zeitschrift für Elektrotechnik. Organ des Elektrotechnischen Verein(e)s in Wien, Jahrgang 1903, S. 47 (online bei ANNO).
- ↑ a b c R. Zimmermann: Die erste elektrische Bahn in Vorarlberg. In: Österreichische Alpenpost, Heft 6/1903, (V. Jahrgang), S. 135 f. (online bei ANNO).
- ↑ (…) Dornbirn. 1. Dez. Die festliche Eröffnung (…). In: Vorarlberger Volksblatt, Tages-Ausgabe, Nr. 277/1902 (XXXVII. Jahrgang), 2. Dezember 1902, S. 4, oben rechts. (online bei ANNO).
- ↑ Eigenberichte. (…) Bregenz. 29. Nov. Morgen Sonntag (…). In: Vorarlberger Volksblatt, Tages-Ausgabe, Nr. 276/1902 (XXXVII. Jahrgang), 30. November 1902, S. 3, unten links (online bei ANNO).
- ↑ Werksbahn F. M. Hämmerle, Feldkirch-Gisingen. In: Tramways.at. Bernhard Graf, archiviert vom am 14. Juni 2024; abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Eine Tabelle der jährlichen Personen- und Gütertransporte von 1903 bis 1938 in: Werner Matt: Elektrische Bahn Dornbirn – Lustenau. In: Andreas Brugger, Werner Matt, Katrin Netter (Hrsg.): Die letzten Friedensjahre und der erste Weltkrieg, Arbeitskreis Vorarlberger Kommunalarchive, Dornbirn/Egg/Schruns 2016, ISBN 978-3-901900-52-5, S. 29.
- ↑ Das Ende der Elektrischen Lokalbahn Dornbirn–Lustenau. In: Vorarlberger Tagblatt, Nr. 252/1938 (XXI. Jahrgang), 2. November 1938, S. 8 f. (online bei ANNO).
- ↑ Straßenbahn Dornbirn. Abgerufen am 25. September 2025.
- ↑ Tramways.at/Elektrische Bahn Dornbirn-Lustenau. Archiviert vom am 4. Oktober 2023; abgerufen am 25. September 2025.
Anmerkungen
- ↑ F. M. Hämmerle und Herburger & Rhomberg planten bereits zuvor eine Dampftram von Höchst über Lustenau, Dornbirn nach Alberschwende. 1890 wurde dazu beim Handelsministerium um die Bewilligung ersucht, die technischen Vorarbeiten durchzuführen (Andreas Brugger, Werner Matt, Katrin Netter: Elektrische Bahn Dornbirn – Lustenau. In: Arbeitskreis Vorarlberger Kommunalarchive (Hrsg.): Die letzten Friedensjahre und der erste Weltkrieg. Dornbirn/Egg/Schruns 2016, ISBN 978-3-901900-52-5, S. 30.). Ebenfalls bestand zu der später ausgeführten Linie bereits 1897 ein Projekt, zuvörderst unterstützt vom Bürgermeister der Stadt Dornbirn, Johann Georg Waibel (1828–1908). – Siehe: Starkstromanlagen. Oesterreich-Ungarn. a) Oesterreich. In: Zeitschrift für Elektrotechnik / Zeitschrift für Elektrotechnik. Organ des Elektrotechnischen Verein(e)s in Wien, Jahrgang 1897, S. 504 (online bei ANNO).
- ↑ Die Bahn war für folgende Fahrgeschwindigkeiten ausgelegt: auf freier Strecke 30 km/h, im verbauten Gebiet 12 bis 20 km/h. – Siehe: Das Ende der Elektrischen Lokalbahn Dornbirn–Lustenau. In: Vorarlberger Tagblatt, Nr. 253/1938 (XXI. Jahrgang), 3. November 1938, S. 5, Mitte rechts. (online bei ANNO).