El Norte (Film)

Film
Titel El Norte
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Spanisch, Englisch
Erscheinungsjahr 1983
Länge 141 Minuten
Produktions­unternehmen American Playhouse
Stab
Regie Gregory Nava
Drehbuch Gregory Nava, Anna Thomas
Produktion Anna Thomas
Musik Los Folkloristas
Kamera James Glennon
Schnitt Betsy Blankett Milicevic
Besetzung
  • Zaide Silvia Gutiérrez: Rosa Xuncax
  • David Villalpando: Enrique Xuncax
  • Ernesto Gómez Cruz: Arturo
  • Alicia del Lago: Lupe
  • Eraclio Zepeda: Pedro

El Norte ist ein unter der Regie von Gregory Nava gedrehter Independent-Film aus dem Jahr 1984. Für das Filmdrama waren Gregory Nava and Anna Thomas bei der Oscarverleihung 1985 für den Oscar für das beste Drehbuch nominiert. Der Film wurde in die National Film Registry aufgenommen.

Handlung

Der erste Teil spielt im guatemaltekischen Dorf San Pedro. Als die Eltern der Maya-Geschwister Enrique und Rosa wegen Gewerkschaftsarbeit während des Guatemaltekischen Bürgerkrieges ermordet werden und der abgetrennte Kopf des Vaters aufgehängt wird, beschließen die Geschwister, nach Norden in die Vereinigten Staaten zu fliehen.

Der Film beschreibt dann den Weg von Rosa und Enrique durch Mexiko und wie sie die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko erreichen. Der erste Versuch, die Grenze zu überschreiten, scheitert, als ein Schleuser sie der United States Immigration and Customs Enforcement überlässt. Sie können die Beamten durch den extensiven Gebrauch des mexikanischen Dialektausdrucks für „fuck“ davon überzeugen, dass sie Mexikaner sind. Enrique und Rosa werden daher nur über die Grenze abgeschoben. In einem zweiten Anlauf unterqueren die beiden die Grenze zu den USA in einem mit Ratten verseuchten Tunnel.

Sie kommen dann nach Los Angeles, wo Rosa eine Möglichkeit findet als Haushaltshilfe zu arbeiten, ihr Bruder schlägt sich als Hilfskellner durch und verbessert dabei sein Englisch. Schließlich bekommt er das Angebot, als Vorarbeiter in Chicago arbeiten zu können. Nun bricht bei seiner Schwester der Typhus aus, mit dem sie sich bei den Ratten angesteckt hatte. Er entscheidet sich die Stelle in Chicago nicht anzutreten, sondern bei Rosa zu bleiben. Sie stirbt schließlich im Krankenhaus und er muss sich weiter als Tagelöhner verdingen.

Produktion

Der in San Diego aufgewachsene Gregory Nava hatte bis dahin nur einen Film mit sehr geringem Budget drehen können. Als er und Anna Thomas das Drehbuch schrieben und El Norte schufen waren sie miteinander verheiratet. Die Darsteller der beiden Hauptfiguren Zide Silvia Gutiérrez und David Villalpando feierten zwar mit dem Drama ihr Filmdebüt, waren aber erfahrene mexikanische Theaterschauspieler.[1]

Gedreht wurde der Film von einem kleinen Stab von etwa fünf Leuten entlang der Migrationsroute der Hauptfiguren. Lediglich in Guatemala wurde nicht gefilmt. Stattdessen drehte Nava in Chiapas, dem Bundesstaat von Mexiko, der das nördliche Maya-Hochland einnimmt.[2]

Premiere hatte El Norte beim Telluride Film Festival, bevor er in Kinos kam.[2] Es war ein kommerziell erfolgreicher Film, der in den gesamten Vereinigten Staaten in Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Der Film lief in Kinos in Los Angeles und in New York City über ein Jahr. Er hatte Auswirkungen auf die politische und gesellschaftliche Diskussion. Während der Fernsehfilm-Debatten zwischen Ronald Reagan und Walter Mondale im Präsidentschaftswahlkampf 1984 erwähnten beide Seiten El Norte. Der Film beeinflusste die politische Debatte dahin, dass Flüchtlingen aus Zentralamerika politisches Asyl gewährt wurde.[3]

Das Sundance Film Festival zeigte den Film als Retrospektive 1999[4] und 2025[5]

Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 hatte eine restaurierte Fassung des über dreißig Jahre früher veröffentlichten Films Premiere und wurde mit stehenden Ovationen aufgenommen. Er wurde 2019 anlässlich des National Hispanic Heritage Months 2019 auch in zweihundert Kinos in den Vereinigten Staaten erneut aufgeführt.[3]

Rezensionen

Variety wertete den Film 1983 als das erste Epos des Independent-Kinos. Der erste Teil des Films sei folkloristisch, aber das Paradis dort ende. Im zweiten Teil werde die Reise der Geschwister beschrieben. Im Dritten, wie sie in Kalifornien einer Zukunft in bitterer Armut, Prostitution oder Ghettosklaverei entgegensähen, dies sei der stärkste Teil des Films. Falls das als zu bekannt vorkomme könne man es als free-style Neuauflage von Früchte des Zorns sehen. Es sei auf Dauer zu tränenzehrend, aber schön aufgenommen und habe etwas von einem gigantischen Renaissance-Gemälde.[6]

Janet Maslin bezeichnete ihn in der The New York Times zunächst als kleinen intimen Independent-Film mit ordentlichen, sympathischen Auftritten von unbekannten Schauspielern. Die Farben im heimatlichen Dorf seien brillant wie der halluzinogene Realismus in der zeitgenössischen lateinamerikanischen Literatur. Wenn Rosa in das Haus komme, aus dem die Mutter verschwunden sei, dann sei es voller gelber Schmetterlinge. Je weiter die Reise der Geschwister nach Norden komme, umso mehr nehme die Farbe in James Glennon überlegener Kameraarbeit ab, bis sie Tijuana als eintönige Barackensiedlung erreichten. Wenn dann nach dem Tunnel die Skyline von San Diego erscheine, breche eine entzückend klingende Musik aus. Die Geschichte biete viele Möglichkeiten für Parodien, aber Nava nutze sie nie, sondern konzentriere sich eng auf Rosa und Enrique, die einfach und berührend gespielt würden. Sie seien nie mehr als einfache menschliche Individuen, in dem Film aber auch nie weniger.[1]

Roger Ebert schrieb Ende 1983, dass man schon in den ersten Momenten wisse, dass man in der Hand eines großen Films sei. Es werde eine einfache Geschichte auf so eine romantische und poetische Weise erzählt, dass man auf eine tiefe und ehrliche Weise berührt sei und wisse, dass man sich lange an den Film erinnern werde. Der Traum der Protagonisten sei der American Dream, aber er spiele in der Gegenwart, wo diejenigen, die bereits Amerikaner seien ihn ungern teilten. Einer der interessantesten Punkte des Films sei, wie er die politische Realität in Lateinamerika anerkenne und sich trotzdem widersetze ein „politischer“ Film zu sein. Er erzähle die Geschichte durch die Augen der Helden und sei einer der seltenen Filme, der Lateinamerika vollständige Menschlichkeit gebe. Der erste Teil des Films in Guatemala habe das Vorstellungsvermögen von Hundert Jahre Einsamkeit. Es folge die lange harte Reise per Bus und zu Fuß. Der letzte Teil spiele in Los Angeles, welches sie zuerst als glitzernden Lichterteppich sähen, aber dann zu einer billigen Unterkunft für Tagelöhner werde, bevor der Film zu seinem traurigen poetischen Ende komme. El Norte sei laut Ebert ein großer Film und einer der besten des Filmjahrs 1983 und zwar aus zwei Gründen: Erstens durch seine ungewöhnliche visuelle und musikalische Kraft. Der Ansatz des Gilms sei nicht quasi-dokumentarisch, sondern poetisch mit fantastischen Bildern, die die Herzen der beiden zeigten. Zweitens sei es der erste Film, der „undokumentierte Arbeiter“ durch ihre Augen betrachte. Er sei kein Dokudrama, an dessen Ende man eine Aufgabe erwarte, sondern blicke vergleichbar zu Früchte des Zorns in das Herz der Beteiligten und folge ihnen.[7]

Der Filmdienst urteilte:

„Trotz der konventionellen Gestaltung dank des kompromißlosen Engagements für die Armen und Entrechteten ein bewegender und brisanter Film.[8]

Auszeichnungen

  • 1985: Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch[9] Es war der erste Independent-Film, der für einen Oscar nominiert worden ist.[3][2]
  • 1995: Aufnahme in die National Film Registry[10]

Einzelnachweise

  1. a b Janet Maslin: 'El Norte,' Promised Land for Guatemalians, The New York Times vom 11. Januar 1984
  2. a b c Matt Fagerholm: We Are a Nation of Immigrants: Gregory Nava on His Masterpiece, El Norte, rogerebert.com vom 10. September 2019
  3. a b c Geoff Boucher: ‘El Norte’ At 35: The Outlaw Production And Milestone Immigrant Saga Returns More Timely Than Ever, Deadline.com vom 12. September 2019
  4. Benedict Carver: ‘El Norte’ returns, Variety vom 24. Januar 1999
  5. Manuel Betancourt: Decades later, ‘El Norte’ returns to its Sundance roots, The Los Angeles Times vom 28. Januar 2025
  6. El Norte, Variety vom 31. Dezember 1982
  7. Roger Ebert: El Norte, rogerebert.com (Original in der Chicago Sun-Times vom 15. Dezember 1983).
  8. El Norte im Filmdienst
  9. THE 57TH ACADEMY AWARDS | 1985
  10. Ernesto Lechner: Latino Movies Rise in the National Film Registry, AARP vom 7. Oktober 2021