Eisenbahnunfall von Piacenza

Der Eisenbahnunfall von Piacenza war die Entgleisung eines Reisezuges in einem engen Gleisbogen am Bahnhof Piacenza infolge überhöhter Geschwindigkeit am 12. Januar 1997. Acht Menschen starben.

Ausgangslage

Der Schnellzug P 9415 „Botticelli“ war von Milano Centrale nach Roma Termini unterwegs. Er bestand aus dem neunteiligen elektrischen Neigetechnik-Triebzug ETR 460 24Pendolino“. In Mailand fuhr der Zug pünktlich um 12:55 Uhr ab.

Aufgrund des Sonntags war der Zug mit 456 Sitzplätzen nur mit 167 Reisende besetzt. Unter den Reisenden befand sich Francesco Cossiga, ein ehemaliger Präsident der Italienischen Republik.[1]

In der Einfahrt zum Bahnhof Piacenza ist in einem Gleisbogen die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt.[2] Diese Stelle ist auf der gesamten Strecke zwischen Mailand und Bologna diejenige, die mit der geringsten Geschwindigkeit zu befahren ist.[3]

Unfallhergang

Bei der Einfahrt in den Bahnhof Piacenza hatte der Zug nach den Aufzeichnungen des Fahrtenschreibers um 13:26 Uhr eine Geschwindigkeit von 160 km/h. Damit fuhr der Zug 60 km/h schneller als zulässig.[4][5][6][Anm. 1]

Der Wagen an der Zugspitze kippte um und prallte gegen einige Oberleitungsmaste. Einer von ihnen spaltete den Wagenkasten in zwei Teile. Die sechs folgenden Wagen entgleisten ebenfalls, lediglich die beiden Wagen am Zugschluss blieben im Gleis.

Folgen

Die beiden Triebfahrzeugführer, zwei Bahnpolizisten, zwei Hostessen und zwei Reisende kamen ums Leben. 36 weitere Menschen wurden verletzt.[7] Francesco Cossiga hielt sich zum Zeitpunkt des Unfalls im Speisewagen auf und nicht auf seinem Platz im zerstörten ersten Wagen des Zuges.[8][9]

25 Führungskräfte der Ferrovie dello Stato (FS) wurden wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Eisenbahnkatastrophe angeklagt, aber 2001 freigesprochen, da sie die Tat nicht begangen hätten.[10]

In der Nähe des Gleises 1 West im Bahnhof von Piacenza wurde ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Unfalls errichtet.[11][12]

Literatur

  • Keith Eastlake: Die größten Eisenbahnkatastrophen. Gondrom, Bindlach 1997. ISBN 3-8112-1580-9, S. 80. [Extrem fehlerbehaftete Darstellung]

Anmerkungen

  1. Eastlake, S. 80, behauptet eine zulässige Geschwindigkeit und einen Achsbruch als Ursache.

Einzelnachweise

  1. Terrore e morte sul Pendolino. In: La Repubblica vom 13. Januar 1997.
  2. NN: Entgleister Pendolino fuhr zu schnell. In: Die Welt vom 14. Januar 1997; abgerufen am 1. November 2025.
  3. Le cause della tragedia. Auf: archive.today
  4. Le cause della tragedia. Auf: archive.today
  5. Ottavio Rossani: Tutti assolti per la strage del Pendolino. In: Corriere della Sera vom 7. März 2001
  6. NN: Entgleister Pendolino fuhr zu schnell. In: Die Welt vom 14. Januar 1997; abgerufen am 1. November 2025.
  7. Luigi Paracchini und Mario Pappagallo: Deraglia il Pendolino: 8 morti e 36 feriti. In: Corriere della Sera vom 13. Januar 1997.
  8. Lucio Cillis: Roulette per 3 famiglie ‘Solo una Hostess salva’. In: La Repubblica vom 13. Januar 1997.
  9. Fabrizio Caccia und Domenico Castellaneta: Agenti Polfer e macchinisti lavorare e morire sui tren. In: La Repubblica vom 13. Januar 1997.
  10. Piacenza, nessun colpevole per la strage del Pendolino. In: data vom 6. März 2001.
  11. Piacenza ricorda la tragedia del pendolino. Homepage der Stadt Piacenza.
  12. Bild des Gedenksteins auf der Homepage der Stadt Piacenza.

Koordinaten: 45° 3′ 22″ N, 9° 42′ 15″ O