Eisenbahnunfall von Pezinok

Eisenbahnunfall von Pezinok
von Bratislava
13,660 Beginn ETCS L1
14,045 Výh. Svätý Jur
16,610 Pezinok zástavka
Unfallort
19,057 Pezinok
nach Žilina

Der Eisenbahnunfall von Pezinok war ein Auffahrunfall zwischen zwei Reisezügen bei Pezinok in der Slowakei auf der Bahnstrecke Bratislava–Žilina am 9. November 2025. 79 Menschen wurden teils schwer verletzt. Es ist der zweite schwere Eisenbahnunfall in der Slowakei innerhalb eines Monats.[1]

Ausgangslage

Die Bahnstrecke Bratislava–Žilina ist als Teil der slowakischen Hauptverbindung von Čierna nad Tisou nach Bratislava zweigleisig ausgebaut. Die Streckengeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Als Zugbeeinflussungssystem ist streckenseitig ETCS Level 1 installiert. Die Ausrüstung der dort eingesetzten Fahrzeuge mit ETCS-Fahrzeuggeräten ist dagegen nicht vorgeschrieben.

Die Ausfahrsignale im Bahnhof Pezinok in Richtung Bratislava liegen in einem Gleisbogen und sind für das Triebfahrzeugpersonal aus bestimmten Blickwinkeln schlecht einsehbar. Sie überdecken sich teilweise gegenseitig oder stehen hinter Oberleitungsmasten. In einem Bericht vom 20. März 2025 bezeichnete das nationale Eisenbahnamt Dopravný úrad den Standort der Signale als ungeeignet, nach dem Triebfahrzeugpersonale das Problem mehrfach konkret benannt hatten. Bereits in der Vergangenheit waren am gleichen Ort haltzeigende Signale überfahren worden, ohne dass es jedoch zu Unfällen gekommen war.

Der Regionalexpress REx 1814 des nationalen Eisenbahnverkehrsunternehmens Železničná spoločnosť Slovensko (ZSSK) war von Nitra nach Bratislava unterwegs. Ihm folgte der Schnellzug Ex 620 „Tatran“ von Košice nach Bratislava. Der Regionalexpress war pünktlich, während der Schnellzug etwa zehn Minuten Verspätung hatte. Die Überholung der Züge ist planmäßig im Bahnhof Trnava vorgesehen, aufgrund der Verspätung wurde sie jedoch nach Pezinok verlegt.[2] Beide Züge waren zusammen mit 1020 Reisenden besetzt.[3]

Der Regionalexpress bestand aus einem dreiteiligen Dieseltriebzug der ZSSK-Baureihe 861. Der Schnellzug war mit einer elektrischen Lokomotive der ZSSK-Baureihe 350 bespannt, der erste Wagen hinter der Lokomotive war ein modernisierter Bautzener Wagen des Typs Y/B70. Die Lokomotive des Schnellzuges war mit einem aktiven ETCS-Fahrzeuggerät ausgerüstet, der Triebwagen nicht.

Unfallhergang

Der Regionalexpress verließ planmäßig den Bahnhof Pezinok. Er überfuhr dabei das „Halt“ zeigende Ausfahrsignal und geriet so in den Fahrweg des mit 140 km/h herannahenden Schnellzugs. Letzterer überfuhr kurz vor dem Zusammenstoß eine ETCS-Balise, was eine Zwangsbremsung auslöste, und stieß so um 19:28 Uhr auf den aus dem Bahnhof ausgefahrenen und noch beschleunigenden Regionalzug, der mit 60 bis 70 km/h unterwegs war.[4]

Die Wagenkastenstruktur des modernen Triebwagens hielt dem Aufprall mit geringen Verformungen stand, während die Lokomotive und der erste Wagen des Schnellzuges irreparabel beschädigt wurden. Sowohl der Wagenkasten der Lokomotive als auch des folgenden Erste-Klasse-Wagens knickten im ersten Drittel ein und nahmen so die Energie des Aufpralls auf. Der Triebzug entgleiste mit einem Drehgestell, während die Fahrzeuge des Schnellzuges im Gleis blieben.

Folgen

Infolge des Aufpralls wurden 79 Menschen verletzt, darunter 13 schwer.[5]

Der Zugverkehr am Unfallort wurde um 22.22 Uhr auf dem freien bahnrechten Streckengleis mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h wieder aufgenommen.[6]

Der slowakische Premierminister Robert Fico entließ aufgrund des Unfalls die komplette Geschäftsführung der ZSSK. Verkehrsminister Jozef Ráž bot den Rücktritt an, was von Premierminister Robert Fico jedoch abgelehnt wurde.[7] Der Verband der Eisenbahnverkehrsunternehmen der Slowakei (AROS) erklärte, dass der Unfall mit aktivem ETCS bei beiden Zügen nicht passiert wäre. Gefordert wird ein Zeitplan zur verpflichtenden Nutzung von ETCS auf entsprechend ausgerüsteten Strecken, wie er im benachbarten Tschechien umgesetzt wird.[8]

Aufgrund der beiden schweren, kurz aufeinanderfolgenden Unfälle in Jablonov nad Turňou und Pezinok fordert Jozef Ráž eine kontinuierliche Überwachung der Triebfahrzeugführer durch Kameras im Führerstand. Er unterstellt den Lokomotivführern, dass sie im Dienst durch die Nutzung von Smartphones von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt seien. Er argumentiert, das Mitarbeiter in Banken auch unter Kameraüberwachung arbeiten würden.[9]

Die verletzten Reisenden werden vom slowakischen Staat finanziell entschädigt. Leichtverletzte erhalten 3000 Euro, mittelschwer Verletzte 10.000 Euro und Schwerverletzte 30.000 Euro. Grundlage der Bewertung ist die am Unfallort durchgeführte Triage.[10]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. „Druhá vážná nehoda na slovenské železnici během měsíce. U Pezinku se srazily vlaky“ auf zdopravy.cz
  2. Fahrplan der Kursbuchstrecke 120 - gültig ab 14. November 2025
  3. „Na Slovensku tragédii zabránilo ETCS, podobný problém měl na stejném místě minulý týden RegioJet“ auf zdopravy.cz
  4. vos/sram: Erneut schwere Kollision, S. 558.
  5. vos/sram: Erneut schwere Kollision, S. 558.
  6. Infromatioenn auf bahnreport.de
  7. „Kontroly, opakované poznání a budování odvratných výhybek. Slováci řeší, jak zamezit srážkám vlaků“ auf zdopravy.cz
  8. „Srážce dvou vlaků v Pezinku mohlo zabránit ETCS, systém však byl jen v jednom z nich“ auf zdopravy.cz
  9. „Návěstidla v Pezinku se v oblouku překrývají, upozorňoval dávno před srážkou vlaků dopravní úřad“ auf zdopravy.cz
  10. „Zranění z železničních nehod u Rožňavy a Pezinku získají odškodnění až půl milionu“ auf zdopravy.cz

Koordinaten: 48° 16′ 10″ N, 17° 14′ 58″ O