Ein junger Mann aus dem Innviertel
Ein junger Mann aus dem Innviertel ist ein Dokumentarspielfilm aus dem Jahr 1973. Regie führte Axel Corti nach einem Drehbuch von Georg Stefan Troller. Der Film behandelt Lebenslauf und Werdegang des jungen Adolf Hitler in der k.-u.-k.-Zeit bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914. In den Film sind Interviews mit damals noch lebenden Zeitzeugen des jungen Hitler integriert.
Der Film war Teil einer vom ZDF und ORF gemeinsam produzierten Fernsehreihe mit dem Titel Wie sie es wurden.[1]
Handlung
Der Film beginnt mit einer Szene in einem fahrenden Zug. Die Fahrgäste sprechen über Innenpolitik, das „Wienerische“ und die Minderwertigkeit von Juden. Ein Student zitiert das Waidhofener Prinzip, wonach Juden nicht satisfaktionsfähig seien. Dabei ist auch ein junger Mann, der sich am Gespräch aber nicht beteiligt. Später erfährt der Zuschauer, dass es sich um Adolf Hitler auf der Fahrt von Linz nach Wien handelt.
Der autoritäre Vater drängt Adolf, eine Beamten-Laufbahn als Offizial einzuschlagen, doch Adolf schweigt dazu. Zudem schlägt der Vater seinen Sohn regelmäßig. In der K. k. Staats-Realschule Linz zeigt sich Adolf intelligent, aber faul. Er begeistert sich für den Geschichtsunterricht von Leopold Pötsch, die Deutschnationale Bewegung, das Nibelungenlied und die christliche Ritualmordlegende. Beim Völkerball sortiert er seine Mannschaft nach Germanen und Nicht-Germanen. Zusammen mit seinen Mitschülern konfrontiert er seinen katholischen Religionslehrer Franz Sales Schwarz mit der antijudaistischen Theologie Martin Luthers.
Vater Alois sitzt im Wirtshaus und schildert am Stammtisch seinen sozialen Aufstieg zum Oberoffizial. Dabei kommen auch die beiden früheren Ehefrauen von Alois zur Sprache, worauf er wütend reagiert und nach Hause geht. Die anderen Gäste mutmaßen auch über die „undurchsichtige“ familiäre Herkunft Alois Hitlers. Alois stirbt später im Wirtshaus an einem Schlaganfall.
Als Adolf mit seinem Freund August Kubizek durch Linz spaziert, schildert Adolf ihm seine Pläne bezüglich der Umgestaltung der Stadt und kritisiert vermeintliche Baufehler, wobei Kubizek ihn nicht versteht. In der Landstraße versucht er immer, die von ihm insgeheim verehrte Stefanie anzusprechen, jedoch traut er sich nicht und versucht es mit einem Gedicht in Schriftform, das er „Hymnus an die Geliebte“ nennt. Doch es misslingt ihm, es ihr zu überreichen. Auch spricht ihn Wagners Oper Rienzi, deren Aufführung er sich ansieht, an, da er sich in der Figur widergespiegelt sieht.
Nach dem Schulabschluss reist Adolf nach Wien, um Kunst zu studieren. In der Akademie der bildenden Künste wird er abgelehnt, weil sein Maltalent nicht ausreiche und kein Verständnis für zeitgenössische Kunst (Impressionisten, Gustav Klimt oder die Wiener Secession) erkennbar sei; danach stellt er dem Professor für Architektur seine Pläne vor. Dieser fordert das Maturazeugnis, das Adolf aber nicht besitzt.
Inzwischen ist Mutter Klara schwer erkrankt, wobei sie der jüdische Arzt Eduard Bloch betreut. An diesem findet Adolf Gefallen und schenkt ihm ein Aquarell aus Wien. Wenig später stirbt seine Mutter.
Er mietet in Wien ein Zimmer bei einer aus Galizien stammenden freundlichen älteren Frau. Diese ist erfreut über Adolfs seriöses Auftreten, der sich als Kunststudent ausgibt. Tatsächlich treibt er sich in den Wiener Straßen und Kaffeehäusern herum, liest stundenlang Zeitung und erlebt das Elend und die vulgären Reden der Obdachlosen, Prostituierten und Invaliden. Bei ihm steigt die Ablehnung der Tschechen und Juden Wiens.
Als Adolf nach Linz zurückkehrt, lädt er Kubizek ein, nach Wien auf das Konservatorium zu kommen, und setzt durch, dass er und Kubizek das Zimmer bei der galizischen Frau gemeinsam bewohnen und den Klavierflügel unterbringen können. Beim Spaziergang bewundert Adolf die Quadrigen am Wiener Parlamentsgebäude. Im Reptilienzoo betrachten Adolf und Kubizek eine Schlange, die einen Vogel verschlingt, für Adolf ein sozialdarwinistisches Sinnbild.
Die Reden des Bürgermeisters Karl Lueger und des Führers der deutschnationalen Partei, Georg Ritter von Schönerer über Rassenwahn und politischen Antisemitismus begeistern Adolf nicht nur inhaltlich, sondern auch wegen deren Redegewandtheit und Resonanz bei den Zuhörern. Er lässt auch seinen Freund Kubizek beim Antisemitenbund einschreiben. Nach Luegers Tod meint Adolf jedoch, es fehle ein mehrheitsfähiger Politiker, der diese Ideen in die Tat umsetzt.
Nachdem sich Kubizek zur Armee gemeldet hat, wohnt Adolf im Obdachlosenasyl. Seine Mitbewohner machen sich über seine autodidaktisch erworbenen Kenntnisse lustig. Jörg Lanz von Liebenfels wird mit seiner Rassenkunde zu Adolfs Mentor. In seinem Zimmer begutachtet Adolf seine Körpermerkmale anhand einer Broschüre des Neutempler-Ordens. Er kann seine Zimmernachbarn überzeugen, dass ein jüdischer Mitbewohner Schuld an ihrem Elend sei und sich diese wütend auf den Mitbewohner stürzen. Später geht Adolf nach München und nimmt Quartier beim Schneider Popp, um seiner Assentierung zu entgehen. Als er die Stadt besichtigt, lobt er sie als „deutsche Kunststadt“. Er wird jedoch verhaftet und nach Österreich ausgeliefert. Bei der Musterung simuliert Adolf ein Lungenleiden als Folge von Armut und Hunger. Die Kommission stellt fest, dass er kein Prachtexemplar sei.
Wieder in München, erhält er von Popp einen Zeitungsbericht, der vom abgelaufenen österreichischen Ultimatum an Serbien handelt. Adolf empfindet den beginnenden Krieg als „Aufbruch“ und „Erlösung.“
Der Film endet mit einem Zitat aus Adolf Hitlers späterem Buch Mein Kampf, während er dramatisch gestikulierend vor dem Spiegel steht. Es macht deutlich, dass Hitler das „granitene Fundament“ der völkisch-nationalen und kriegsverherrlichenden NS-Ideologie, seine rhetorischen Fähigkeiten und seine Selbststilisierung vor allem in Wien „als der gründlichsten Schule seines Lebens“ ausgebildet hat.[2]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hitler: Nun als Jüngling im ZDF. In: Der Spiegel. Nr. 29, 1973, S. 88 (online).
- ↑ Ein junger Mann aus dem Innviertel - Adolf Hitler (A, 1973). Youtube.