Ein Teufel unter den Menschen
Ein Teufel unter den Menschen russisch Дьявол среди людей Djavol sredi ljudej ist ein 1991 geschriebener Science-Fiction-Roman, der gemeinsam von Arkadi und Boris Strugazki konzipiert, aber von Arkadi Strugatzki allein geschrieben und unter dem Pseudonym S. Jaroslawzew veröffentlicht wurde. Es gilt als Arkadi Strugatzkis letzter Roman vor seinem Tod und wurde 1993 posthum veröffentlicht.[1]
Inhalt
Handlung
Der Roman ist in Form eines Berichts des Arztes Alexej Andrejewitsch Kornakow geschrieben, der zusammen mit seinem Kollegen Moissej Naumowitsch die seltsamen Geschehnisse um Kim Sergejewitsch Woloschin beschreibt. Kim war im Zweiten Weltkrieg ein Flüchtling, der seine Eltern verloren hatte und in der Stadt Taschlinsk in ein Heim kam. Er war traumatisiert und fragil und wurde aus der Roten Armee ausgemustert. Zunächst arbeitete er als Mechaniker, machte aber bald Karriere als Journalist, da er in seiner Freizeit für die lokale Zeitung schrieb.
Er heiratete die Studentin Nina Wostokowa und zog nach Moskau, um Journalismus zu studieren. Kim schloss sich jedoch einer Gruppe von Dissidenten an und wurde dafür mehrere Jahre ins Gulag geschickt. Seine Frau erlitt nach einer Totgeburt einen Nervenzusammenbruch. Zehn Jahre später kehrten sie nach Taschlinsk zurück. Kim hatte ein Auge und einige Finger verloren, und Nina starb kurze Zeit später an inneren Blutungen.
Kim begann wieder als Mechaniker zu arbeiten. Nach diesen Schicksalsschlägen schaffte er es, sich langsam einen bescheidenen Wohlstand aufzubauen, und durfte sogar wieder für die lokale Zeitung „Taschlinser Prawda“ schreiben. Am 26. April 1986 schmolz jedoch der Kernreaktor in Tschernobyl, und Kim wurde als Liquidator eingesetzt. Nach seiner Rückkehr nach Taschlinsk schrieb er einen Artikel über Tschernobyl, den er an der Zensur vorbei schmuggelte. Die Strahlenschäden setzten ihm schwer zu, und er verlor alle Haare. Er starb jedoch nicht, und anschließend kam es zu zahlreichen seltsamen Vorfällen: Menschen in seiner Nähe verletzten sich oder starben auf ungeklärte Weise.
Bei einer Vorladung vor den Sekretär und den Hauptideologen des Bezirks bekamen beide Ohnmachtsanfälle. Auf dem Heimweg starben wilde Hunde, die ihn angriffen. Ein Säufer, der sich in einer Schlange vordrängelte, erlitt einen Schlaganfall, und ein Polizist, der im Krankenhaus alle belästigte, starb plötzlich. Viele dieser Menschen waren unbeliebt, doch als ein Mädchen und seine Mutter starben, nachdem sie Kims Stieftochter hänselten – Kim hatte inzwischen erneut geheiratet – bekam die Stadt Angst.
Die Ärzte Alexej Kornakow und Moissej Naumowitsch beschlossen daraufhin, die Vorfälle zu untersuchen. Die Stadt spaltete sich in eine Gruppe, die Selbstjustiz forderte, und eine andere, die zu viel Angst vor Kims Zorn hatte. Immer wenn Kim in die Stadt kam, starben Menschen, die ihn wütend machten, wie etwa ein Zeuge Jehovas. Schließlich beschlossen Alexej und Moissej, zu Kim nach Hause zu gehen und ihn zu bitten, die Stadt zu verlassen. Die beiden Ärzte hatten Erfolg, und Kim verließ die Stadt. Die Vorfälle gerieten bald im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion in Vergessenheit.
Die Geschichte endet mit drei Epilogen: 1. Drei Agenten vom KGB, der CIA und dem Mossad diskutieren, wie sie Kim ausschalten könnten. 2. Ein Brief von Kim selbst, in dem er erklärt, er wisse nicht, woher er seine Kräfte habe, und Angst habe, sie an sein Kind zu vererben, da Kinder sie nicht kontrollieren könnten. 3. Die drei Agenten schaffen es, Kim mit einer Mine töten, sterben dann jedoch selbst plötzlich. Es wird suggeriert, dass Kim nicht tot ist, sondern nur seinen Körper verlassen hat.
Personen
In dem Buch gibt es drei Hauptpersonen:
Alexej Andrejewitsch Kornakow ist der Chronist der Ereignisse dieses Buches. Er lebt in der Stadt Taschlinsk und arbeitet als Arzt im lokalen Krankenhaus.
Moissej Naumowitsch ist ein jüdischer Arzt, der im Zuge der sogenannten Ärzteverschwörung in die Kleinstadt Taschlinsk versetzt wird. Dort freundet er sich mit Alexej an und ist die treibende Kraft hinter der Untersuchung des Phänomens um Kim.
Kim Sergejewitsch Woloschin ist ein Mysterium. Er kommt als Waise während des Krieges in die Stadt, und seine genaue Herkunft ist nicht geklärt. Die Geschichte dreht sich hauptsächlich darum, sein Leben zu rekonstruieren und zu erklären, wie er paranormale Kräfte erlangt hat. Nur im Epilog kommt er selbst zu Wort, und es stellt sich heraus, dass er genauso wenig über das, was ihm widerfahren ist, weiß wie die beiden Ärzte.
Weltbild
Der Roman ist eine Abrechnung der Sowjetunion seit dem Zweiten Weltkrieg. Über das fiktive Städtchen Taschlinsk wird gezeigt, wie geschichtliche Ereignisse wie der Zweite Weltkrieg, die Ärzteverschwörung, der Reaktorunfall in Tschernobyl und der Krieg in Afghanistan auf lokale Ebene Auswirkungen haben und wie die autoritären Strukturen der Sowjetunion durch Zensur, Internierung und Einschüchterung das Leben der Menschen erschweren.
Form
Der Roman ist zum größten Teil aus der Sicht des Arztes Kornakow geschrieben, der Kim Woloschin seit dessen Kindheit kennt. Kornakow wird jedoch nie direkt Zeuge der Ereignisse, sodass der Großteil des Romans eine Zusammensetzung von Gerüchten und Augenzeugenberichten darstellt, deren Wahrheitsgehalt sorgfältig abgewogen wird. In den Epilogen ändert sich die Erzählperspektive: Der erste Epilog ist wie ein Theaterstück zwischen den drei Agenten gestaltet, der zweite Epilog besteht aus einem Brief aus Kims Sicht, und der dritte Epilog nimmt die Position des allwissenden Erzählers ein.
Literatur
- S. Jaroslawzew [Pseudonym von Arkadij Strugazki]: D’javol sredi ljudej (russisch: Дьявол среди людей). Text Verlag, Moskau 1993, ISBN 5-87106-052-8.
- Boris Strugatzki, Arkadi Strugatzki: Ein Teufel unter den Menschen. In: Boris Strugatzki, Arkadi Strugatzki (Hrsg.): Gesammelte Werke 3 – Fünf Romane in einem Band. Heyne Verlag, München 2011, ISBN 978-3-453-52685-3, S. 683–826.
Einzelnachweise
- ↑ Arkadi Strugatzki: Gesammelte Werke. Band 3, S. 861.