Eileen Welsome
Eileen Welsome (* 12. März 1951)[1] ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. Als Reporterin für die Zeitung The Albuquerque Tribune erhielt sie 1994 den Pulitzer-Preis für Berichterstattung im Inland für eine dreiteilige Reportage mit dem Titel „The Plutonium Experiment“. Der Preis wurde ihr für ihre Artikel über die Strahlenversuche der US-Regierung an unfreiwilligen und ahnungslosen Amerikanern während des Kalten Krieges verliehen.[2][3] Welsome erhielt außerdem den George Polk Award, den Selden Ring Award für investigative Berichterstattung, eine Goldmedaille der Investigative Reporters and Editors, den Heywood Broun Award sowie Auszeichnungen der National Headliners Association und der Associated Press.[2] 1999 schrieb Welsome das Buch The Plutonium Files: America’s Secret Medical Experiments in the Cold War.[4] Im Jahr 2000 erhielt sie dafür von PEN den PEN/Martha Albrand Award for First Nonfiction und den PEN Center USA West Award in Research Nonfiction.[5][6]
Welsome begann ihre journalistische Karriere als Reporterin für die Beaumont Enterprise. Sie arbeitete auch für die San Antonio Light und die San Antonio Express-News, bevor sie 1987 zur Albuquerque Tribune kam. Welsome schloss 1980 ihr Studium an der University of Texas at Austin mit einem Bachelor-Abschluss in Journalismus ab.[2]
Investigativer Journalismus
Eileen Welsome, als Lokalreporterin für die Zeitung The Albuquerque Tribune, entdeckte im Frühjahr 1987 auf der Kirtland Air Force Base in Albuquerque Dokumente über geheime Menschenversuche. Die vergilbten Berichte in einem Tresor dokumentierten, dass die US-Regierung achtzehn Personen vorsätzlich radioaktives Plutonium injiziert hatte. Die Opfer waren nur mit Codenamen verzeichnet. Obwohl ähnliche Strahlungsexperimente bereits 1976 und 1981 öffentlich gemacht worden waren und sogar Kongressanhörungen unter dem Vorsitz des damaligen Abgeordneten Albert Gore Jr. stattfanden, blieben diese Enthüllungen folgenlos. Gore bezeichnete die Experimente lediglich als „zufriedenstellend, aber nicht perfekt“.[7]
Welsome recherchierte zunächst in ihrer Freizeit und identifizierte 1992 das erste Opfer: Elmer Allen („CAL-3“), ein afroamerikanischer Zugbegleiter aus Texas, dem 1947 Plutonium injiziert und anschließend das Bein amputiert wurde. Allen starb 1991, ohne von seiner Rolle in den Experimenten gewusst zu haben. Weitere Opfer waren eine Hausfrau, ein Hausmeister und ein Zigarrenhändler, denen ohne ihr Wissen radioaktive Injektionen verabreicht wurden. Albert Stevens, ein Anstreicher aus Ohio, wurde später bekannt als Patient „CAL-1“, der die höchste bekannte akkumulierte Strahlendosis bei einem Menschen überlebte.
Welsomes dreiteilige Artikelserie mit dem Titel „The Plutonium Experiment“ erschien im November 1993 zunächst mit geringer Resonanz.[8] Erst als Energieministerin Hazel O’Leary die Experimente im Dezember 1993 öffentlich verurteilte und Präsident Bill Clinton einen Untersuchungsausschuss einsetzte, erhielt die Geschichte nationale Aufmerksamkeit.[7] 1994 wurde Eileen Welsome der Pulitzer-Preis für Berichterstattung im Inland verliehen.[2]
In ihrem 1999 erschienenen Buch The Plutonium Files: America's Secret Medical Experiments in the Cold War schrieb Eileen Welsome ausführlich über die Strahlenexperimente und deren Recherchen. Zudem äußerte sie sich äußerst kritisch über den 1995 veröffentlichten Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses.[4]
Werke
- The Plutonium Files: America's Secret Medical Experiments in the Cold War. Dial Press, New York, 1999. ISBN 0-385-31402-7.
- The General and the Jaguar: Pershing's Hunt for Pancho Villa: a True Story of Revolution and Revenge. Little, Brown and Co., New York, 2006. ISBN 0-316-71599-9.
- Healers and Hellraisers: Denver Health's First 150 Years. Denver Health Foundation, Denver, 2011. ISBN 978-0-615-42390-6.
- Deep Roots: AspenPointe and Colorado Springs, Together Since 1875. AspenPointe, Colorado Springs, 2013. ISBN 978-0-9896185-0-2.
- Dream Delivered: The Community Health Center Movement in Denver. Denver Community Health Services, Denver, 2016. ISBN 978-0-692-64944-2.
- Cold War secrets a vanished professor, a suspected killer, and Hoover's FBI. The Kent State University Press, Kent, Ohio 2021. ISBN 978-1-60635-425-4.
Weblinks
- Eileen Welsome: The General and the Jaguar, Vortrag im Pritzker Military Museum & Library am 7. September 2006 (Video, englisch)
- The Plutonium Files, Vortrag am 9. November 1999 (Video, englisch)
- Federal Radiation Testing, Interview am 20. Januar 1994 (Video, englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Elizabeth A. Brennan, Elizabeth C. Clarage: Who's who of Pulitzer Prize winners. Oryx Press, Phoenix, Arizona 1999, ISBN 1-57356-111-8 (englisch, archive.org).
- ↑ a b c d Eileen Welsome: 1994 Pulitzer Prize in National Reporting. The University of Texas at Austin, archiviert vom am 23. Dezember 2009 (englisch).
- ↑ Robert Martensen: Final Report of the Advisory Committee on Human Radiation Experiments (review). In: Bulletin of the History of Medicine. Band 72, Nr. 1, 1998, S. 166 (englisch).
- ↑ a b Eileen Welsome: The Plutonium Files: America’s Secret Medical Experiments in the Cold War. Dial Press, 1999, ISBN 978-0-385-31402-2 (englisch, archive.org [abgerufen am 13. Juli 2024]).
- ↑ PEN/Martha Albrand Award for First Nonfiction. PEN America, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Literary Awards Winners Archive. PEN America, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Eric Alterman: The Plutonium Files. In: The Nation. thenation.com, 11. Februar 2000, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 28. Mai 2013; abgerufen am 13. Juli 2024 (englisch).
- ↑ Joline Gutierrez Krueger: Eileen Welsome, Albuquerque Tribune made history with 'The Plutonium Experiment'. Albuquerque Tribune, 22. Februar 2008, archiviert vom am 17. Mai 2012 (englisch).