Eidgenössische Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz (Service Citoyen-Initiative)»
Die am 21. November 2023 mit 107'613 gültigen Unterschriften eingereichte eidgenössische Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz (Service Citoyen-Initiative)» forderte, dass jede Person mit Schweizer Bürgerrecht einen «Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt» leistet, «als Militärdienst oder in Form eines anderen gleichwertigen und gesetzlich anerkannten Milizdienstes». Junge Menschen sollen durch ein den gesellschaftlichen Gegebenheiten und aktuellen Bedrohungslagen adäquates Dienstpflichtsystem besser auf Krisensituationen vorbereitet, der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt und die Gleichstellung endlich realisiert werden.
Die Volksinitiative wurde in der Volksabstimmung vom 30. November 2025 von Volk und Ständen abgelehnt.
Vorgeschichte
Es gab schon seit Jahren Diskussionen und politische Vorstösse[1] zur Reform des schweizerischen Milizsystems. Wichtige Themen dabei waren der Mangel an Freiwilligen in zivilen und politischen Institutionen, die Gleichstellung der Geschlechter, die Grösse der Armee und ihres Budgets, die Schaffung eines Bürgerdienstes in Sinne einer «Dienstpflicht»,[2] eines «Gemeinschaftsdiensts»[3] oder «Bürgerinnen- und Bürgerdienstes».[4] Die meisten früheren Diskussionen betrafen freiwillige Dienste.
Initiative
Initiativtext
Der Initiativtext lautet wie folgt:[5]
Art. 59 Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt
1 Jede Person mit Schweizer Bürgerrecht leistet einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt.
2 Dieser Dienst wird als Militärdienst oder in Form eines anderen, gleichwertigen und gesetzlich anerkannten Milizdienstes geleistet.
3 Der Sollbestand der Kriseninterventionsdienste ist garantiert; dies betrifft insbesondere:
- a. die Armee;
- b. den Zivilschutz.
4 Personen, die keinen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt leisten, obwohl sie dazu verpflichtet sind, schulden eine Abgabe; das Gesetz kann Ausnahmen vorsehen. Diese Abgabe wird vom Bund erhoben und von den Kantonen veranlagt und eingezogen.
5 Das Gesetz legt fest, ob und in welchem Umfang Personen ohne Schweizer Bürgerrecht einen Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt leisten.
6 Der Bund erlässt Vorschriften über den angemessenen Ersatz des Erwerbsausfalls.
7 Personen, die den Dienst leisten und dabei gesundheitlichen Schaden erleiden oder ihr Leben verlieren, haben für sich oder ihre Angehörigen Anspruch auf angemessene Unterstützung des Bundes.
Art. 61 Abs. 3–5
Aufgehoben
Art. 197 Ziff. 15
15. Übergangsbestimmung zu Art. 59 (Dienst zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt)
Begründung der Initiative
Das schweizerische Milizsystem hatte gemäss den Initianten als Garant für ein gutes und sicheres Zusammenleben in der Schweiz an Boden verloren. «Alle möchten also von der geleisteten Milizarbeit profitieren, aber immer weniger Bürgerinnen und Bürger sind bereit, ihren Teil zu diesem kollektiven Gut beizutragen», schrieb Andreas Müller.[6] Seit den 1960er Jahren seien die Armeebestände stark reduziert worden[7] und es habe zahlreiche politische Vorstösse[8] und Diskussionen um eine Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystems[9] in der Schweiz gegeben.
Deshalb wollte die Service Citoyen-Initiative das Milizsystem aktualisieren und stärken: Alle jungen Menschen sollten gleichberechtigt einen zeitgemässen Einsatz zugunsten der Allgemeinheit und der Umwelt leisten, in der Armee, im Zivilschutz, im Zivildienst oder in einem anderen Milizbereich. Der Dienst am Heimatland sollte – unabhängig von militärischen Tauglichkeitskriterien – um die zivile Sicherheit erweitert werden.
Die Ziele der Initiative waren:[10]
- den Inhalt des Art. 6 der Schweizer Bundesverfassung zu konkretisieren: «Jede Person nimmt Verantwortung für sich selber wahr und trägt nach ihren Kräften zur Bewältigung der Aufgaben in Staat und Gesellschaft bei»;[11]
- das Schweizer Milizsystem zu stärken und eine breitere gesellschaftliche Beteiligung an öffentlichen Aufgaben zu erreichen;
- das Dienstpflichtsystem an die neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten und an die aktuellen Bedrohungslagen anzupassen und zu aktualisieren;
- die Grundausbildung von jedem jungen Menschen durch die Vermittlung sicherheitsrelevanter Kompetenzen zu ergänzen und sie besser auf Krisensituationen vorzubereiten;
- den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Austausch zwischen Menschen zu stärken und zu fördern;
- die gesellschaftliche Resilienz zu steigern.
Das Initiativkomitee der Service Citoyen-Initiative war überzeugt, dass ein freiwilliger Dienst nicht mehrheitsfähig wäre und auch nicht in der Lage, genug Menschen für die Sicherstellung der Sicherheit in der Zukunft einzubinden, um die kollektiven Herausforderungen resilient zu begegnen. Zudem sei es an der Zeit, die Gleichberechtigung der Geschlechter auch im Dienstpflichtsystem zu realisieren. Die vielen Vorstösse und Anzahl an Bundesarbeitsgruppen hätten gezeigt, dass es am politischen Willen für eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema fehle. Schnell würden finanzielle und rechtliche Gründe ins Feld geführt.
Vor der Lancierung ihrer Abstimmungskampagne am 16. Oktober 2025[12] reichten die Initiantinnen der Service Citoyen-Initiative eine Abstimmungsbeschwerde ein, weil sie die ihrer Ansicht nach zu starke Betonung des Klimawandels als eines ihrer Argumente im Abstimmungsbüchlein störte.[13]
Träger der Initiative
Der Verein zur Förderung des Milizengagements (Verein Service Citoyen)[14] trug die Service Citoyen-Initiative. Die Vision des 2013 in Genf gegründeten Vereins ist die einer engagierten Schweiz, in der jede Person Verantwortung übernimmt und nach ihren Kräften zum Gemeinwohl beiträgt und so das Zusammenleben aktiv mitgestaltet. Das überparteiliche Initiativkomitee[15] setzte sich aus 27, das Unterstützungskomitee[16] aus 100 Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern, Organisationen, Altersstufen, Regionen und Sprachgruppen zusammen.
Behandlung der Initiative
Lancierung und Einreichung
Die Initiative wurde im Jahr 2019 lanciert. Im Februar des darauffolgenden Jahres startete die Unterschriftensammlung, unterstützt von der GLP, der EVP, der Piratenpartei und den FDP-Sektionen Genf und Neuenburg sowie von den Jungparteien von Die Mitte, GLP und EVP. Bis zum Ablauf der Sammelfrist am 26. Januar 2023 kamen über 107'000 Unterschriften zusammen. Erforderlich für das Zustandekommen einer Volksinitiative sind 100'000 Unterschriften.[17][18] Am 26. Oktober 2023 wurde die Initiative in Bern eingereicht.[19]
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat beantragte den Eidgenössischen Räten mit seiner Botschaft vom 16. Oktober 2025 die Ablehnung der Initiative.[20] Er anerkannte darin zwar das Ziel der Initiative, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, wollte die Dienstpflicht jedoch weiterhin auf sicherheitsrelevante Bereiche wie Armee und Zivilschutz beschränken. Er warnte davor, dass die Initiative den Personalbedarf verdopple, zahlreiche neue Dienstleistungsbereiche ohne Sicherheitsbezug schaffe und den Arbeitsmarkt belaste. Aus wirtschaftlicher Sicht hielt er den vorgeschlagenen allgemeinen Gemeinschaftsdienst für ineffizient, da er qualifizierte Arbeitskräfte vom Markt abziehe und bestehende Arbeitsplätze gefährden könnte. Zudem rechnete der Bundesrat mit deutlich höheren Kosten für Erwerbsersatz und Vollzug. Zwar würde eine Dienstpflicht für Frauen einen Beitrag zur Gleichstellung leisten, gleichzeitig aber ihre ohnehin hohe Mehrfachbelastung, etwa durch unbezahlte Care-Arbeit, weiter verstärken. Ob im Rahmen eines Bürgerdienstes genügend gleichwertige Dienstarten geschaffen werden könnten, um die Dienstgerechtigkeit – insbesondere hinsichtlich der Dienstdauer – zu gewährleisten, bleibe fraglich. Darüber hinaus sei ein Konflikt mit dem Völkerrecht nicht auszuschliessen, da dieses Zwangsarbeit verbietet. Die Initiative sah vor, dass über die Hälfte der Rekrutierten ausserhalb von Armee und Zivilschutz eingesetzt werden – ob dies mit dem Völkerrecht vereinbar wäre, sei unklar.
Der Bundesrat wies darauf hin, dass er im Rahmen einer Reform des Dienstpflichtsystems Alternativen prüfe. Am 15. Januar 2025 wurde dem Bundesrat – nach jahrelangen Abklärungen durch verschiedene Kommissionen und Arbeitsgruppen – ein Bericht des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vorgelegt.[21] Darin werden zwei Dienstpflichtmodelle vorgeschlagen: Die Variante Sicherheitsdienstpflicht will Zivilschutz und Zivildienst zu einem Katastrophenschutz zusammenlegen und behält Männern die Dienstpflicht vor. Im Vergleich zum heutigen Zivilschutz wird in diesem Modell die Anzahl Diensttage stark erhöht. Die Variante Bedarfsorientierte Dienstpflicht, auch Norwegisches Modell genannt, sieht eine Ausdehnung der Dienstpflicht auf Frauen vor, aber eine Rekrutierung von nur so vielen Personen, wie wirklich benötigt werden.[22] Der Bundesrat will die Variantenentscheidung erst Ende 2027 treffen, nachdem er die Kostenfolgen[23] und die Aufgabenverteilung für Bund und Kantone überprüft (Projekt «Entflechtung 27»[24]) und Erkenntnisse zu den Auswirkungen der von der Bundesversammlung am 21. März 2025 beschlossenen Änderung des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes[25] abgewartet hat. Einzig einen obligatorischen Orientierungstag[26] für Frauen will er möglichst schnell einführen.
Beratung durch den Nationalrat
Am 24./25. Februar 2025 nahm die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SiK-N) die Beratungen zur Volksinitiative auf. Dazu erfolgte eine Anhörung des Initiativkomitees sowie eine Vertretung der Kantone und von Akteuren aus der Zivilgesellschaft sowie der Wissenschaft. Kommissionsmitglieder der SP, die die Service-Citoyen-Initiative ablehnt, unterbreiteten einen Antrag für einen indirekten Gegenentwurf zur Initiative in Form einer Kürzung der Wochenarbeitszeit von heute 45 Stunden auf 38 Stunden und auf maximal 4,5 Arbeitstage: «Dadurch soll mehr Zeit für gesellschaftliches Engagement, Erholung und Care-Arbeit freiwerden».[27] Die Kommission lehnte diesen Antrag mit 16 zu 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen ab. Ein direkter Gegenentwurf, der Elemente des sogenannten «norwegischen Modells» (bedarfsgerechte Dienstpflicht) aufgenommen hätte, wurde mit 22 zu 2 Stimmen ebenfalls abgelehnt. Die Kommission beantragte dem Nationalrat mit 21 zu 3 Stimmen, die Initiative dem Volk ohne Gegenentwurf zur Ablehnung zu empfehlen. Die Mehrheit folgte der Argumentation des Bundesrates. Die Minderheit, die die Annahme der Initiative empfiehlt, hebt die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für Frauen als Beitrag zur tatsächlichen Gleichstellung hervor. Zudem würde ein erweiterter Sicherheitsbegriff, der Umwelt- und Katastrophenschutz einschliesst, modernen Bedrohungslagen Rechnung tragen. Auch das Milizsystem und der gesellschaftliche Zusammenhalt könnten durch einen Bürgerdienst gestärkt werden.[28]
Am 11. und 19. März 2025 debattierte der Nationalrat über die Initiative. Die Initiative wurde von den Fraktionen der Grünliberalen und Grünen sowie den Mitgliedern der EVP in der Mitte-Fraktion unterstützt, während die Fraktionen der SVP, FDP, Mitte und SP sie mehrheitlich ablehnten. Am 19. März 2025 lehnte der Nationalrat die Initiative mit 166 zu 19 Stimmen bei 3 Enthaltungen ab. Am 20. Juni 2025 stimmte der Nationalrat in der Schlussabstimmung dem Bundesbeschluss, der die Initiative Volk und Ständen zur Ablehnung empfiehlt, mit 173 Stimmen zu 18 Stimmen bei 6 Enthaltungen zu.[29]
Beratung durch den Ständerat
In ihrer Sitzung vom 31. März und 1. April 2025[30] nahm die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats (SiK-S) ihre Beratungen zur Initiative auf. Nach der Anhörung des Initiativkomitees sistierte die Kommission die Behandlung, um die Ausarbeitung eines direkten Gegenentwurfs zu prüfen. Mit 6 zu 5 Stimmen bei 2 Enthaltungen beauftragte sie die Verwaltung, einen Entwurf zur Einführung einer Sicherheitsdienstpflicht zu erarbeiten, wie sie im Bericht zur Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystems beschrieben ist.[21] Dieser Entwurf solle zudem vorsehen, die Sicherheitsdienstpflicht auf Frauen auszudehnen, um die Alimentierung von Armee und Zivilschutz zu sichern und einem zentralen Anliegen der Initiative – der Ausweitung der Bürgerdienstpflichten – Rechnung zu tragen. Am 2. Mai 2025 informierte die Kommission über, dass der ihr unterbreitete Entwurf von ihr nicht aufgenommen wurde. Mit 8 zu 1 Stimmen bei einer Enthaltung beantragte die SiK-S ihrem Rat, die Initiative dem Volk ohne Gegenentwurf zur Ablehnung zu empfehlen.[31]
In der Sitzung des Ständerates vom 18. Juni 2025 wurde grundsätzlich das Anliegen der Initiative anerkannt. Neben den vom Initiativkomitee und von der Minderheit im Nationalrat vorgebrachten Argumenten wiesen die Befürworter auch auf die gemäss Meinungsumfragen hohe Zustimmung in der Bevölkerung für eine Ausdehnung der Bürgerdienstpflichten hin (siehe Sotomo Studien 2023 und 2025[32][33] sowie Sicherheit-Studie ETH 2025[34]). Neben den vom Bundesrat und von der Mehrheit des Nationalrates dargelegten Gründen für die Ablehnung argumentierten die Gegner der Initiative auch mit Schätzungen über die konkreten Auswirkungen der Initiative im Falle ihrer Annahme. Es wurde ein Mehraufwand von über 800 Millionen Franken für den Erwerbsersatz und rund 160 Millionen Franken für die Militärversicherung veranschlagt. Bundesrat Martin Pfister, der neue Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, betonte bei seinem ersten Auftritt im Ständerat, dass eine allgemeine Dienstpflicht für Männer und Frauen jährlich rund 70’000 Stellungspflichtige zur Folge hätte – doppelt so viele wie derzeit benötigt. Für Armee und Zivilschutz bestehe lediglich ein Bedarf von etwa der Hälfte. Es sei unklar, wie die übrigen Personen sinnvoll eingesetzt werden könnten. In der Schlussabstimmung vom 20. Juni 2025 stimmte der Ständerat dem Bundesbeschluss, der die Initiative Volk und Ständen zur Ablehnung empfiehlt, mit 34 zu 9 Stimmen bei einer Enthaltung zu.[29]
Weitere Beratungen des Parlaments im Zusammenhang mit der Dienstpflicht
Nationalrat und Ständerat haben am 5. bzw. 18. Juni 2025 gleich lautende Motionen ihrer Sicherheitspolitischen Kommissionen angenommen,[35] welche den Bundesrat beauftragen, die im Bericht zur Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystems vom 15. Januar 2025 vorgeschlagene Sicherheitsdienstpflicht[21] schnellst möglichst einzuführen. Die Alimentierung der Armee und des Zivilschutzes müssten dringend gesichert werden. Das Parlament kritisiert die Verschiebung des Entscheids über die beiden im Bericht dargelegten Varianten durch den Bundesrat. Die Sicherheitsdienstpflicht sei der Variante Bedarfsorientierte Dienstpflicht vorzuziehen. Damit sollen Zivilschutz und Zivildienst in einer neuen Organisation – dem Katastrophenschutz – zusammengeführt werden. Im Vergleich zum heutigen Zivilschutz würde die Anzahl Diensttage stark erhöht.[36] Bei Variante Bedarfsorientierte Dienstpflicht wären alle Schweizerinnen und Schweizer stellungspflichtig. An der Rekrutierung würden in ausreichender Anzahl jene Personen ausgewählt, die von der Armee und dem Zivilschutz zur Erreichung ihrer Bestände benötigt werden. Personen, die weder für die Armee noch für den Zivilschutz berücksichtigt werden, müssten Wehrpflichtersatz leisten, sofern sie nicht wegen einer erheblichen Behinderung davon befreit sind. Wer für die Armee rekrutiert ist, den Militärdienst aber nicht mit dem Gewissen vereinbaren kann, hätte weiterhin die Möglichkeit, einen zivilen Ersatzdienst zu leisten.[37]
Zwei im Jahre 2025 vom Parlament beschlossene Gesetzesänderungen, gegen die die Fraktionen der SP und der Grünen opponierten, haben das Ziel, die Bestände der Armee und des Zivilschutzes zu Lasten des Zivildienstes zu sichern:
- Die Änderung vom 21. März 2025 des Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes sieht vor, dass Zivildienstpflichtige einen Teil ihres Dienstes beim Zivilschutz leisten müssen, falls der Zivilschutz zu wenig Personal hat.[38]
- Mit der Änderung vom 26. September 2025 des Zivildienstgesetzes soll mit verschiedenen Massnahmen der Wechsel von der Armee zum Zivildienst erschwert und damit die Zahl der Zulassungen zum Zivildienst gesenkt werden. Der Zivildienstverband CIVIVA hat gegen diese Gesetzesänderung das Referendum ergriffen[39][40].
Finanzierung der Abstimmungskampagne
Die Eidgenössische Finanzkontrolle publiziert im Rahmen der Offenlegung der Finanzierung der Abstimmungskampagnen die deklarierten Angaben über die Budgets und Schlussabrechnungen. Die Budgets mussten bis spätestens am 31. Oktober 2025, die Schlussrechnungen müssen bis am 13. Februar 2026 publiziert werden.[41]
Die Befürworter der Vorlage hatten insgesamt 334'450 Franken budgetiert; davon stammten 194'450 Franken von der Association suisse pour la promotion de l'engagement de milice, 130'000 Franken von Amicale Populaire et Patriotique pour un Service Citoyen und 10'000 Franken von der Piratenpartei Schweiz.
Das Budget der Gegner der Vorlage unter dem Namen Allianz Sicherheit Schweiz beträgt 275'000 Franken. Gemäss dem Gesetz müssen Zuwendungen über 15'000 Franken an eine deklarierende Organisation offengelegt werden: Economiesuisse 125'000 Franken, Swissmem und der Verband Militärischer Gesellschaften je 25'000 Franken.[42]
Volksabstimmung
Abstimmungsparolen
Ja-Parolen:[43]
Nein-Parolen:[43]
- Parteien: EDU, FDP, GPS, Mitte, PdA, SP, SVP
- Weitere Parolen: Schweizer Tourismus-Verband, Allianz Sicherheit Schweiz, GSoA
Abstimmungsresultate
Die Volksinitiative wurde in der Volksabstimmung vom 30. September 2025 bei einer Stimmbeteiligung von 42,95 Prozent mit 84,15 Prozent Nein-Stimmen gegen 15,85 Prozent Ja-Stimmen und mit allen Standesstimmen abgelehnt.[44]
Weblinks
- Website Service Citoyen
- Dossier der Bundesversammlung
- Generationen-Barometer 2025, Sotomo-Studie im Auftrag des Berner Generationen Haus.
- Studie «Sicherheit 2025», Militärakademie an der ETH Zürich und das Center for Security Studies
Literatur
- Botschaft des Bundesrates vom 16. Oktober 2024
- Bernhard Waldmann: Allgemeine Dienstpflicht. Im Spannungsfeld zum Verbot der Zwangs- und Pflichtarbeit. In: AJP/PJA. Nr. 12, 2020, S. 1598 ff. (unifr.ch [PDF]).
- Felix Uhlmann, Maurus van der Haegen: Gutachten zuhanden Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) betreffend Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystems. (admin.ch [PDF]).
Einzelnachweise
- ↑ Politik • Une suisse qui agit - Service Citoyen. In: Une suisse qui agit - Service Citoyen. Abgerufen am 16. September 2025 (deutsch).
- ↑ Motion von Alex von Graffenried, Grüne Fraktion, Grüne Partei der Schweiz: Allgemeine Dienstpflicht statt Wehrpflicht. In: Die Bundesversammlung - das Schweizer Parlament vom 27. September 2013; Abgerufen am 13. März 2025
- ↑ Hänggi (C): Gemeinschaftsdienst statt nur Zivilschutz. Motion vom 6. Juni 1990, In: parlament.ch, abgerufen am 13. März 2025
- ↑ Cattaneo Rocco FDP: Motion vom 23. September 2020 - Bürgerinnen, Bürgerdienst Abgerufen am 13. März 2025
- ↑ Eidgenössische Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)». Vorprüfung. In: Bundesblatt. Bundeskanzlei, 26. April 2022, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Andreas Müller: Das Milizsystem braucht eine breite Debatte über Reformen. In: NZZ. 27. Dezember 2018, abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Christian Bärtschi: Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee im Kalten Krieg. defensio vtg, 3. Mai 2024 (defensio-vtg.ch [abgerufen am 9. September 2025]).
- ↑ Liste mit politischen Vorstössen von 1987–2024 In: Webstite Service Citoyen, abgerufen am 13. März 2025
- ↑ VBS: Bericht zur Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystems, In: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, abgerufen am 15. Januar 2025
- ↑ Service Citoyen-Initiative. In: Informationsportal der Schweizer Behörden. VBS-DDPS, 23. April 2025, abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ Bundesverfassung Artikel 6. In: Fedlex, die Publikationsplattform des Bundesrechts, abgerufen am 13. März 2025
- ↑ Initiativkomitee startet Kampagne für den Service citoyen. 16. Oktober 2025, abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ «Service Citoyen»: Initianten reichen Abstimmungsbeschwerde ein. 12. Oktober 2025, abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Im Dienst der Miliz In: Website des Vereins Service Citoyen zur Förderung des Milizsystems, abgerufen am 13. März 2025
- ↑ Initiativkomitee • Une suisse qui agit - Service Citoyen. In: Une suisse qui agit - Service Citoyen. Abgerufen am 9. September 2025 (deutsch).
- ↑ Unterstützungskomitee • Une suisse qui agit - Service Citoyen. In: Une suisse qui agit - Service Citoyen. Abgerufen am 9. September 2025 (deutsch).
- ↑ «Service Citoyen»: Breite Allianz reicht Initiative für allgemeinen Bürgerdienst ein. In: Aargauer Zeitung. 26. Oktober 2023, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Eidgenössische Volksinitiative 'Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)'. In: Bundeskanzlei. Abgerufen am 19. Oktober 2025 (deutsch, französisch, italienisch).
- ↑ Die Service-citoyen-Initiative ist zustande gekommen. In: News Service Bund. Das Portal der Schweizer Regierung. Bundeskanzlei, 21. November 2023, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Service-Citoyen-Initiative: Bundesrat empfiehlt Ablehnung. news admin, 16. Oktober 2024, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 18. Mai 2025; abgerufen am 15. September 2025.
- ↑ a b c Bericht zur Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystem- «Sicherheitsdienstpflicht» und «bedarfsorientierten Dienstpflicht». (PDF) In: Admin News. Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, Januar 2025, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Fritz Kälin Wie die Dienstpflicht in Zukunft gestaltet werden könnte.pdf: Die neuen Dienstpflichtmodelle im Vergleich. Sicherheitspolitik, Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift asmz, Juli 2024, abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Bericht zur Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystem- «Sicherheitsdienstpflicht» und «bedarfsorientierten Dienstpflicht». (PDF) In: Admin News. Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, Januar 2025, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Projekt Entflechtung, News Service Bund Das Portal der Schweizer Regierung, 28.02.2025, https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=104347
- ↑ 24.043 Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz. Änderung. In: Geschäftsdatenbank Curia Vista. Parlamentsdienste, abgerufen am 1. November 2025 (mit Links auf die Botschaft des Bundesrates, die Verhandlungen von National- und Ständerat und den beschlossenen Gesetzestext).
- ↑ Bundesrat will obligatorischen Orientierungstag für Frauen einführen. News Service Bund, Das Portal der Schweizer Regierung, 15. Januar 2025, abgerufen am 18. September 2025.
- ↑ Kürzere Arbeitszeiten statt Zwangs-Bürger:innendienst (Indirekter Gegenvorschlag zur "Service Citoyen"-Initiative-Medienmitteilung). SP, 19. März 2025, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Medienmitteilung Service Citoyen-Initiative: Ablehnung ohne Gegenentwurf beantragt. parlnet, 25. Februar 2025, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ a b 24.079 «Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)». Volksinitiative. In: Geschäftsdatenbank Curia Vista. Parlamentsdienste, abgerufen am 4. November 2025 (mit Links auf die Botschaft des Bundesrates, die Verhandlungen von Nationalrat und Ständerat und weitere Parlamentsunterlagen).
- ↑ SiK-S: Beratungen zur Service-Citoyen Initiative Aufgenommen. parlament, 1. April 2025, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats: Medienmitteilung: Service Citoyen-Initiative: Ablehnung ohne Gegenentwurf beantragt. 2. Mai 2025, abgerufen am 4. November 2025.
- ↑ Michael Hermann, Anna John, Virginia Wenger: Generationenbarometer 2023. (PDF) Studie im Auftrag des Haus der Generationen Bern, S. 41-42, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ Sotomo-Umfrage 2025. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Tibor Szvircsev Tresch, Andreas Wenger, Stefano De Rosa, Patrick Dörig, Thomas Ferst, Jacques Robert: Studie «Sicherheit 2025». ETH Zürich, Center for Security Studies, 17. Juni 2025, abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ 25.3015 Motion SiK-N. Einführung der Sicherheitsdienstpflicht. In: Geschäftsdatenbank Curia Vista. Parlamentsdienste, abgerufen am 4. November 2025 (mit Links zum Text der Motionen, zur Stellungnahme des Bundesrates und zu den Verhandlungen von Nationalrat und Ständerat).
- ↑ Fritz Kälin: Die neuen Dienstpflichtmodelle im Vergleich. (PDF) Sicherheitspolitik, Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift asmz, Juli 2024, abgerufen am 18. September 2025 (cd).
- ↑ Bericht zur Weiterentwicklung des Dienstpflichtsystems Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates - Vertiefungen zur «Sicherheitsdienstpflicht» und zur «bedarfsorientierten Dienstpflicht». (PDF) In: www.vbs.admin.ch. Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VB, 15. Januar 2025, abgerufen am 16. September 2025.
- ↑ 24.043 Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz. Änderung. In: Geschäftsdatenbank Curia Vista. Parlamentsdienste, abgerufen am 5. November 2025 (mit Links zur Botschaft des Bundesrates, zu den Verhandlungen von Nationalrat und Ständerat und zum beschlossenen Gesetzestext).
- ↑ Allianz ergreift Referendum gegen Verschärfung im Zivildienst. In: swissinfo.ch. Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, 8. Oktober 2025, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Schweizerische Zivildienstverband CIVIVA. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Aktuelles und Termine. Eidgenössische Finanzkontrolle, abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Kampagnenfinanzierung. Eidgenössische Finanzkontrolle, abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ a b «Service-Citoyen-Initiative». In: swiss votes (année politique suisse). Abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ Vorlage Nr. 680. Provisorisches amtliches Ergebnis. Bundeskanzlei, abgerufen am 30. November 2025.