Ehrenfried Schäfer

Ehrenfried Schäfer (* 16. November 1679 in Görlitz; † 13. Juli 1738)[1] war im Jahr 1731/1732 der letzte regierende Bürgermeister in Görlitz, bevor das dortige Ratswesen reformiert wurde.[2]

Leben

Schäfer war ein Sohn des angesehenen Görlitzer Bürgers Friedrich Schäfer.[1]

Im Jahr 1703 disputierte er unter Heinrich Bode in Halle über die Anrechnung von Studienkosten auf das Erbe (vgl. Kollation im Erbrecht). Diese Disputation wurde posthum im Jahr 1747 in Halle gedruckt.[3]

Unter dem Görlitzer Bürgermeister Johannes Kisling war Schäfer im Jahr 1705 Notar, unter dem Bürgermeister Abraham Friedrich Nicius wurde er Ratsherr. Ehrenfried Schäfer war der erste aus seiner Familie, der ein politisches Amt übernahm.[2]

Im Jahr 1715 kam er in den Besitz des Lichthofs Untermarkt 3. Im Jahr 1716 baute er das Portal und die oberen Geschosse in ihr heutiges Gepräge bzw. Erscheinungsbild um.[4]

Im Jahr 1720 wurde er Schöppe, 1729 Stadtrichter und Verwalter der von Görlitz neu erworbenen Güter Hennersdorf und Sohra. Im Jahr 1731 wurde er regierender Bürgermeister (Consul regens), wobei es im Folgejahr zur sogenannten Reformierung des Ratswesens in Görlitz kam. Schäfer musste die Fehlwirtschaft seiner Vorgänger tragen:[2] Görlitz hatte eine hohe Schuldenlast angehäuft, sodass „von allen Seiten“[5] Kündigungsbriefe in Hypothekenangelegenheiten eintrafen.[6] Der Kreditruf der Stadt war völlig ruiniert, weshalb beispielsweise allein für das Gut Hennersdorf 12.000 Taler zurückgefordert wurden.[5] Zu allem Überfluss stellten Minister Brühl und der Hof in Dresden weitere massive Geldforderungen.[7] Als die Untersuchungskommission am 22. Juni 1733 eintraf, floh Schäfer „Hals über Kopf“[8] durch das Reichenbacher Tor nach Schlauroth, was von den Kommissaren als „höchst verdächtig“[8] betrachtet wurde.[8] Noch im Jahr 1733 wurde er in Untersuchungshaft genommen.[4] Während die Untersuchungskommission tagte, war Christian Naumann regierender Bürgermeister,[9] später gab es bis 1738 keinen Görlitzer Bürgermeister mehr, die Kommission „vollendete“[10] in dieser Zeit „ihre Geschäfte“.[10]

Hic iacet Ehrenfried Schaefer Cons.[ul] Reip.[ublicae] Patr.[icius] emeritus natus d.[ie] 16. November 1672 denat.[us] d.[ie] 13. Juli 1738. Tres relictae Filiae Ins.[criptionem] cur.[averunt]

„Hier liegt Ehrenfried Schäfer, wohlverdienter Bürgermeister und Stadtvater, geboren am 16. November 1672, verstorben am 13. Juli 1738. Die drei hinterlassenen Töchter haben die Inschrift besorgt.“

Inschrift am Grabstein Ehrenfried Schäfers auf dem Nikolaikirchhof in Görlitz[9]

Schäfer hinterließ drei Töchter und wurde am alten Nikolaikirchhof begraben, er erhielt einen „wunderbaren barocken Grabstein“,[9] seine Inschrift sei „für barocke Gewohnheiten äußerst zurückhaltend“[9] gewesen.[2]

Literatur

  • Schäfer, (Ehrenfried) in: Gottlieb Friedrich Otto: Lexikon der seit dem funfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jeztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, Band 3 (R–S). Görlitz 1803 (Online).
  • Lokalkommission in Görlitz und der Bürgermeister in Arrest. In: Richard Jecht (Hrsg.): Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. Görlitz 1941. S. 21–28. Gerhard Henschel: Görlitz in den Jahren 1733–1735 (Online).

Einzelnachweise

  1. a b Lexikon der seit dem funfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jeztlebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, Band 3
  2. a b c d Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 21–22. Online
  3. Heinrich von Bode, Ehrenfried Schäfer: Diss. iur. de collatione sumtuum studiorum, von Abrechnung derer aufs Studiren verwandten Gelder. 1747 (google.de [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  4. a b Richard Jecht: Topographie der Stadt Görlitz. S. 31–32 (355–356) (yumpu.com).
  5. a b Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 26. Online
  6. Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 21, 26. Online
  7. Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 23, 26. Online
  8. a b c Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 25. Online
  9. a b c d Neues Lausitzisches Magazin, Band 117. S. 22. Online
  10. a b Verzeichnis der Bürgermeister von Görlitz. Görlitz 1839 (slub-dresden.de).